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„Zwar die gewalt'’ge Bruſt und der Titanen Kraftvolles Mark war ſeiner Söhn' und Enkel Gewiſſes Erbteil; doch es ſchmiedete
Der Gott um ihre Stirn ein ehern Band. Rat, Mäßigung und Weisheit und Geduld Verbarg er ihrem ſcheuen, düſtern Blick“;
und dasſelbe gilt von vielen Größen der Weltgeſchichte, z. B. auch von der letzten Größe vor Bismarck, Napoleon I. Von Bis marck gilt es nicht: höchſte Kraft gepaart mit höchſter Beſonnenheit, das ſind die Grundzüge ſeines Weſens.
Wenn ich, hochverehrte Anweſende, in dem Bisherigen verſucht habe, die Art dieſes Mannes aus ſeiner inneren Entwickelung heraus begreiflich zu machen und ſo zu ſagen auf eine kurze Formel zu bringen, ſo iſt ſchon dies ein ſchwieriges und jedenfalls nur ſehr unvollkommen ge⸗ lungenes Untern ehmen. Schwieriger noch iſt es, ſeine Stellung im Geſamtzuſammenhange der Geſchichte zu beze ichnen; und doch möchte ich auch an dieſer Aufgabe nicht ganz vorbei gehen.
Die Geſchichte gelangt wie alle empiriſchen Wiſſenſchaften zu ihren allgemeinen Sätzen durch Vergleichung; wir müſſen uns alſo nach Männern umſehen, neben die wir Bismarck ſtellen können.
Deren weiß ich in der neueren deutſchen Geſchichte nur drei: es ſind Luther, Fried⸗ rich der Große und Göthe. Es iſt gerade aus jedem Stande einer: der Bauernſohn Luther, der Bürgersſohn Göthe, der Edelmann Bismarck, der König Friedrich der Große. Der Zuſam⸗ menhang aber, in welchem ſie ſtehen, ſcheint mir folgender.
Durch Karl den Großen ſind die bis dahin ſo gut wie völlig wilden deutſchen Stämme zum erſten Mal gebändigt und in die Schule genommen worden: die römiſche Kirche wurde ihre Lehrerin und zwar nicht bloß auf dem Gebiete der Religion, ſondern auf allen Gebieten des Lebens. Dieſe Schule, und zwar eine ſehr nützliche und heilſame Schule, dauerte 7 volle Jahr⸗ hunderte. Aber wie die Menſchen ſo hören auch die Völker irgend einmal auf in die Schule zu gehen. Mit Luther tritt das deutſche Volk aus dieſer Schule heraus und beginnt eine eigene geiſtige Entwickelung, deren bisher höchſte Blüte wir in Göthe bewundern.
Noch langſamer iſt die politiſche Entwickelung des deutſchen Volkes verlaufen. Das frän⸗ kiſche Reich löſte ſich bald nach Karl dem Großen auf, und das geiſtig noch unreife deutſche Volk mußte ſich nun ſeine politiſchen Formen ſelbſt ſuchen. Es hat ſie während des ganzen Mittelalters und bis tief in die Neuzeit hinein nicht gefunden; denn das alte deutſche Reich iſt nie ein Staat geweſen; erſt nach ſeinem Zerfall haben ſich in den deutſchen Städten die erſten ſtaatlichen Ord⸗ nungen entwickelt, und Begriff und Name des Staates taucht ſogar erſt im 17. Jahrhundert auf. Der Schöpfer des erſten deutſchen Staates im heutigen Sinne des Wortes iſt Friedrich der Große; und aus dieſem Staate eine ſtaatliche Einheit für ganz Deutſchland entwickelt zu haben, das iſt das Werk Bismarcks.
Alſo mit einem Wort: Bismarck verhält ſich zu Friedrich dem Großen wie Göthe zu Luther,— das etwa möchte die Formel ſein, in welche die Geſchichte dereinſt, wie ich glaube, dieſe Dinge bringen wird.
Bismarck ſelbſt hat einmal geſagt:„Ich habe von Anfang meiner Karriere an nur einen Leitſtern gehabt: durch welche Mittel und auf welchem Wege kann ich Deutſchland zu einer Einigung bringen, und, ſoweit dies erreicht iſt, wie kann ich dieſe Einigung befeſtigen, fördern und ſo geſtalten, daß ſie aus freiem Willen aller Mitwirkenden dauernd erhalten wird.“
Wie er ſich die Aufgabe hier formuliert hat, iſt ſie die ſchwerſte, die ein Menſch ſich ſtellen kann. Die Aufgabe, den Willen der Menſchen zu gewinnen, hat ja mehr oder weniger jeder Mann in einer leitenden Stellung; denn mit bloßem Zwang können ja nur Augenblicks⸗Erfolge erreicht werden. Hier aber lautet die Aufgabe, den Willen eines ganzen Volkes zu gewinnen und zwar nicht bloß den der Mitlebenden, ſondern auch den der kommenden Geſchlechter.
Ob er ſie voll gelöſt hat, kann erſt die Zukunft lehren; einen Fingerzeig aber giebt uns doch ſchon unſere Vergleichung.
Die Art und Weiſe, wie des greiſen Kanzlers Ruheſitz im Sachſenwalde ſeit 5 Jahren förmlich ein Wallfahrtsort der Deutſchen geworden iſt, iſt beiſpiellos in unſerer Geſchichte bis auf einen Fall: ſo, wenn auch in weit geringerem Maße, war Weimar das Wallffahrtsziel der Deut⸗
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