Aufsatz 
Festrede zum achtzigsten Geburtstag des Fürsten Bismarck
Entstehung
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Oſterreich aus dem eigentlichen Deutſchland zu entfernen, und hier Oſterreich die Oberhand be⸗ hielte, ſo würden unſere Köͤnige wieder Kurfürſten, Vaſallen Oſterreichs.... Preußen ſei voll⸗ ſtändig iſoliert. Es gäbe nur einen Alliierten für Preußen, wenn es denſelben zu erwerben und zu behandeln verſtände. Ich fragte begierig, welchen Alliierten Bismarck meine. Er antwortete: Das deutſche Volk! Ich mag wohl ein etwas verblüfftes Geſicht gemacht haben. Bismarck lachte. Darauf ſagte ich ihm, daß ich über den Ausſpruch ſelbſt nicht verwundert ſei, ſondern darüber, denſelben aus ſeinem Munde zu hören.Nun, was denken Sie denn?, erwiderte Bismarck,ich bin derſelbe Junker wie vor 10 Jahren, als wir uns in der Kammer kennen lernten; aber ich müßte kein Auge und keinen Verſtand im Kopfe haben, wenn ich die wirkliche Lage der Verhält⸗ niſſe nicht klar erkennen könnte. Darauf Unruh:Wenn Sie das imſtande ſind auch gegen Ihre Neigung, wenn Sie die gefährliche Situation Preußens ſo ſcharf aufzufaſſen vermögen und die geeigneten Mittel mit ſolcher Sicherheit angeben, dann wären Sie mir als preußiſcher Miniſter viel lieber als Herr von Schleinitz, den man nicht für energiſch hält.

Dieſem Miniſter ſchrieb Bismarck 1859 von Petersburg aus:Aus den 8 Jahren meiner Frankfurter Amtsführung habe ich als Ergebnis meiner Erfahrungen die Überzeugung mitgenom⸗ men, daß die dermaligen Bundeseinrichtungen für Preußen eine drückende, in kritiſcher Zeit eine lebensgefährliche Feſſel ſind.... Ich ſehe in unſerem Bundesverhältnis ein Gebrechen Preußens, welches wir früher oder ſpäter ferro et igni(durch Eiſen und Feuer) werden heilen müſſen. Es iſt der Krieg von 1866, welchen er hier ankündigt.

Im Jahre 1861 ſtellten die beiden preußiſchen Parteien, die liberale und die konſervative neue Programme auf. In dem Programm der erſteren, vom Juni 1861, heißt es:Bei den großen und tiefgreifenden Umwälzungen in dem Staatenſyſtem Europas haben wir die klare Ein⸗ ſicht gewonnen, daß die Exiſtenz und die Größe Preußens abhängt von einer feſten Einigung Deutſchlands, das ohne eine ſtarke Centralgewalt in den Händen Preußens und ohne gemeinſame deutſche Volksvertretung nicht gedacht werden kann. Aber am Schluſſe dieſes Programms, das ſo verheißungsvoll begann, wardgrößte Sparſamkeit für den Militäretat im Frieden gefordert und über den bereits begonnenen Neubau des preußiſchen Heeres der Stab gebrochen; d. h. dieſe Partei bejahte den Zweck und verneinte das Mittel.

Im September folgte das Programm der konſervativen Partei. Sie faßte ihre Anſichten über die deutſche Frage in den Worten zuſammen:Einigkeit unſeres deutſchen Vaterlandes, doch nicht auf den Wegen des Königreichs Italien durch Blut und Brand... Kein Untergehen in dem Schmutz einer deutſchen Republik: kein Kronenraub und Nationalitätenſchwindel.

Darauf ſchreibt Bismarck an einen Herrn von Below, auch noch im September 1861: In Berreff des konſervativen Programms unterſchreibe ich Ihre Aufſtellung vollſtändig... Den Schmutz der deutſchen Republik behauptet jede Partei zu verabſcheuen, und die für jetzt praktiſch zur Frage kommenden Gegner ſind auch ehrlich bemüht, ihn nicht zu wollen, namentlich den Schmutz nicht. Eine ſo weit über das Bedürfnis des Momentes hinausgehende Redeform ſagt entweder gar nichts oder verhüllt, was man nicht ſagen will.... Dieſes Syſtem der Solidarität der konſervativen Intereſſen aller Länder iſt eine gefährliche Fiktion, ſo lange nicht die vollſte, ehr⸗ lichſte Gegenſeitigkeit in aller Herren Ländern obwaltet. Iſoliert von Preußen durchgeführt, wird es zur Donquixoterie, welche unſern König und ſeine Regierung nur abſchwächt für die Durch⸗ führung der eigenſten Aufgaben.... Wir kommen dahin, den ganz unhiſtoriſchen, den ganz gott⸗ und rechtloſen Souveränitätsſchwindel der deutſchen Fürſten, welche unſer Bundesver⸗ hältnis als Piedeſtal benutzen, von dem herab ſie europäiſche Macht ſpielen, zum Schoßkind der konſervativen Partei Preußens zu machen.... Wir begeiſtern uns für die von Napoleon ge⸗ ſchaffenen, von Metternich ſanktionierten kleinſtaatlichen Souveränitäten bis zur Blindheit gegen alle Gefahren, mit denen Preußens und Deutſchlands Unabhängigkeit für die Zukunft bedroht iſt, ſo lange der Unſinn der jetzigen Bundesverfaſſung beſteht.... Ich ſehe außerdem nicht ein, wa⸗ rum wir vor der Idee einer Volksvertretung, ſei es am Bunde, ſei es in einem Zoll⸗ und Ver⸗ einsparlament, ſo zimperlich zurückſchrecken. Eine Inſtitution, die in jedem deutſchen Staate legitime Geltung hat, die wir Konſervativen ſelbſt in Preußen nicht entbehren möchten, können wir doch nicht als revolutionär bekämpfen. Es iſt unſere jetzige Reichsverfaſſung, die er hier ankündigt.

Damit ſteht der Meiſter innerlich fertig vor uns. Die konſervative Partei wollte die Ver⸗ ſtärkung der militäriſchen Machtmittel Preußens, aber nicht den Zweck; die liberale Partei wollte