Aufsatz 
Festrede zum achtzigsten Geburtstag des Fürsten Bismarck
Entstehung
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In jene Frankfurter Stellung gelangte Bismarck durch den General Leopold von Gerlach, der auf den König Friedrich Wilhelm IV einen ſtarken, aber vielfach unheilvollen Einfluß aus⸗ übte, und deſſen ergebener Anhänger Bismarck damals war; er ſollte den bisherigen preußiſchen Bundestagsgeſandten von Rochow erſetzen. Eben damals, im Juli 1851, kam der Prinz von Preußen, der ſpätere Kaiſer Wilhelm I, auf einige Tage nach Frankfurt und begrüßte Rochow und Bismarck, die ihn empfingen. Als darauf Rochow mit dem Prinzen zum Hotel fuhr, fragte der Prinz:Und dieſer Landwehr⸗Lieutenant ſoll Bundestagsgeſandter werden? So beurteilte ihn ein doch ſcharfblickender Mann damals, am Anfange ſeiner Lehrzeit.

Über das Ende dieſer Lehrzeit haben wir den gleichzeitigen Bericht eines anderen ſcharf⸗ blickenden Beobachters, Theodors von Bernhardi, der im April 1859 nach Frankfurt kam. Er ſchrieb in ſein Tagebuch:Uſedoms Vorgänger hier in Frankfurt, Bismarck⸗Schönhauſen, hat hier in Frankfurt eine böſe Stellung und gewaltige Kämpfe gegen Oſterreich zu kämpfen gehabt. Junker von Hauſe aus, lebte er gleich allen ſeinen Standes⸗ und Geſinnungsgenoſſen des Glaubens, man brauche nur mit der Revolution zu brechen[zur Revolution rechnete dieſe Partei aber auch die deutſchen Einheitsbeſtrebungen, die Befreiungsverſuche der Schleswig⸗Holſteiner u. dgl.] alſo, man brauche nur mit der Revolution zu brechenum ohne Weiteres die lebhafteſten Sympa⸗

thien Oſterreichs zu gewinnen. So trieb Bismarck aus allen Kräften zu dem Olmützer Ab⸗ kommen(durch welches jene Beſtrebungen abgeſchnitten wurden], und mit ſolchen Vorſtellungen kam er als Geſandter hierher bereit, ſich Öſterreich in die Arme zu werfen. Hier ſah er

dann freilich bald,wie er gebettet war; er mußte inne werden, daß es auf eine vollſtändige Unterjochung Preußens abgeſehen ſei daß die Verſuche dazu mit Spott und Hohn durchgeführt wurden und daß die Kleinen der Sache mit Neid und Schadenfreude zuſahen und ſich, von Oſterreich unterſtützt, ebenfalls die größte Unverſchämtheit gegen Preußen erlaubten. Er iſt vollkommen bekehrt von hier abgezogen.

Dieſe Bekehrung vollzog ſich nicht ohne den heftigſten Widerſpruch ſeines bisherigen Men⸗ tors, des vorhin genannten Generals von Gerlach. Zu den Glaubensſätzen der Partei desſelben gehörte, daß Preußen überall die Legitimität zu verfechten habe, d. h. in Deutſchland die Herr⸗ ſchaft Oſterreichs, in Schleswig⸗Holſtein die Herrſchaft der Dänen, in Frankreich die Herrſchaft der Bourbonen ſtatt Napoleons III. Darüber ſchrieb Bismarck an Gerlach in Bezug auf Napo⸗ leon III, den er beſſer zu behandeln empfohlen hatte, als es von Seiten Preußens damals geſchah, im Mai 1857 folgendes:So einſtimmig wir in betreff der inneren Politik ſind, ſo wenig kann ich mich in Ihre Auffaſſung der äußeren Politik hineinleben, der ich im allgemeinen den Vorwurf mache, daß ſie die Realitäten ignoriert. Sie gehen davon aus, daß ich einem vereinzelten Manne, der mir imponiere, das Prinzip opfere. Ich lehne mich gegen Vorder⸗ und Nachſatz auf. Der Mann imponiert mir durchaus nicht... Was aber das von mir geopferte Prinzip anbelangt,... ſo geſtehe ich allerdings, daß ich dieſes meinem ſpezifiſch preußiſchen Patriotismus völlig unter⸗ ordne.... Ein legitimer Monarch wie Ludwig XIV iſt ein eben ſo feindſeliges Element wie Napoleon.... So zählt mir Frankreich ohne Rückſicht auf die jeweilige Perſon an ſeiner Spitze nur als ein Stein, und zwar ein unvermeidlicher, in dem Schachſpiele der Politik, ein Spiel, in welchem ich nur meinem Könige und meinem Lande zu dienen den Beruf habe. Sympathien und Antipathien in betreff auswärtiger Mächte und Perſonen vermag ich vor meinem Pflichtgefühl im auswärtigen Dienſte meines Landes nicht zu rechtfertigen, weder an mir noch an anderen; es iſt darin der Embryo der Untreue gegen den Herrn oder das Land, dem man dient. Insbeſondere aber, wenn man ſeine ſtehenden diplomatiſchen Beziehungen und die Unterhaltung des Einverneh⸗ mens im Frieden danach zuſchneiden will, ſo hört man meines Erachtens auf, Politik zu treiben, und handelt nach perſönlicher Willkür. Die Intereſſen des Vaterlandes dem eigenen Gefühl von Liebe und Haß gegen Fremde unterzuordnen, dazu hat meiner Anſicht nach ſelbſt der König nicht das Recht, hat es aber vor Gott, nicht aber vor mir zu verantworten, wenn er es thut. Darum ſchweige ich über dieſen Punkt.

Es iſt die Politik Friedrichs des Großen, welche Bismarck mit dieſen Sätzen der Politik Friedrich Wilhelms IV entgegenſtellt; und von nun an iſt ſeine Entwickelung eine geradezu rapide.

Im Jahre 1859 hatte der Liberale von Unruh, Präſident der preußiſchen Nationalver⸗ ſammlung von 1848, in Berlin ein Geſpräch mit Bismarck, der ſoeben zum Geſandten in Peters⸗ burg ernannt war. Unruh berichtet darüber:Bismarck äußerte, wenn es uns nicht gelänge,