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zu ſelbſtändigen Verſuchen in der fremden Sprachen oder zur Uebertragung deutſcher Schriftſtücke be⸗ fähigt iſt. Doch das nur nebenher.—
Wenn die Sprache des Autors in ſo ſorgfältiger Weiſe behandelt wird, der Gegenſtand dem jugendlichen Verſtändnis angemeſſen iſt, und die Darſtellung von einem klaſſiſchen Schriftſteller her⸗ rührt, ſo iſt es nicht leicht möglich, daß der Gedanke nicht verſtanden werde. Rekapitulation des Vorhergegangenen, Aufſchub der Löſung der Schwierigkeit bis auf eine folgende Stelle, durch welche über die vorliegende genügendes Licht verbreitet wird, wirkſames Hervorheben der Verhältniſſe der einzelnen Gedankenglieder unter einander als Grund, Folge, Abſicht ꝛc. werden nicht im Stiche laſſen.
Die noch übrigen Formalſtufen zu behandeln liegt hier kein Grund vor, da es nicht unſere Aufgabe iſt, das Lehrverfahren darzuſtellen. Die kurze Skizze, welche wir von der Analyſe und Syntheſe geliefert haben, ſoll nur dem Zwecke dienen, die Frage zu beantworten, ob dem Buche An⸗ merkungen beigegeben werden und was ſie enthalten ſollen. Nach der entwickelten Methode erſcheint es nur zuläſſig dieſelben auf diejenigen Vokabeln zu beſchränken, welche man als ſicherlich unbekannt und aus dem Wiſſen der Schüler unableitbar vorausſetzen kann. Rückſichtlich dieſer erachte ich es für irrelevant, ob ſie im Lexikon aufgeſucht, oder vom Lehrer angegeben, oder im Leſebuch dargeboten werden. So einfach an ſich dieſes Prinzip iſt, ſo wenig wird es befolgt, wie ein flüchtiger Blick in die„Schulausgaben“ zeigt, gleichgiltig, welcher Sprache ſie angehören. Wer viele ſolche Bücher Gelegenheit oder gar die Obliegenheit hatte zu durchmuſtern, wird über die vollkommene Principloſig⸗ keit, welche in den Anmerkungen vielfach zu Tage tritt, erſtaunt geweſen ſein. Ich beſorge, die meiſten der Verfaſſer, um Entwickelung ihrer Grundſätze angegangen, würden ſchwerlich mit etwas Anderem zu antworten wiſſen, als mit dem Hinweis auf ihre Erfahrung, nach welcher dies oder jenes ihren Zöglingen Schwierigkeiten zu bereiten pflegt. Dabei liegt vermutlich das Präparierſyſtem zu Grunde, welches allerdings mehr den Fleiß als die Leiſtungstüchtigkeit ſtählt. Dazu kommt, daß dieſe An⸗ merkungen häufig ſo plump ſind, daß ſie den Schüler ſeine Kraft gar nicht einmal verſuchen laſſen. Es iſt freilich ſehr überflüſſig dieſe Beobachtung, die man überall machen kann, mit Beiſpielen noch zu belegen. Aber um ein Uebriges zu thun, öffne ich die 26. Lieferung der Prosateurs français: die Anmerkungen wimmeln von grammatiſchen Regeln, zu denen der Herausgeber, nach den Grund⸗ ſätzen der Sammlung, überdies noch ſtets auf Beneckes Grammatik verweiſt. Weshalb iſt es nötig donner au hasard(p 136) mit der Ueberſetzung zu verſehn? Ebenſo ſcheint es mir vom Uebel (p 110) mettre hors de combat,(p 149) ennemi héréditaire,(P 168) faire valoir,(p 34) dans peu ac. ꝛc. zu überſetzen. Außerdem kann gerade eine ſo oktroyierte Ueberſetzung irre führen und das Verſtändnis noch obendrein erſchweren.— Ich werde daher die Fußnoten nur zur Mit⸗ teilung der Vokabeln der oben ausführlicher bezeichneten Art in Anſpruch nehmen. Zuerſt wird die Grundbedeutung angegeben werden; ob dann noch, wenn verſchieden, auch die an der betreffenden Stelle paſſende abgeleitete Bedeutung hinzuzufügen ſein wird, ſoll der Prüfung jedes einzelnen Falles überlaſſen bleiben...
So habe ich nun in großen Zügen ein Bild entworfen vom Inhalt und von der Einrich⸗ tung eines Leſebuches, wie es mir vorſchwebt. Jeder wohlgemeinte Rat der Herren Kollegen, welche an meinem Plane Intereſſe nehmen ſollten, wird eine gute Statt finden.
Dr. H. Ottmann.


