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und zum Teil ſchon ausgeführt haben, überhoben, ohne doch über das thatſächliche Häufigkeitsver⸗ hältnis der einzelnen grammatiſchen Erſcheinungen einer durchaus hinlänglichen Orientierung zu entbehren.
Bei der Syntax kommt es auf zweierlei an. Zunächſt muß die Erſcheinung an ſich erfaßt und im Gegenſatz zur Mutterſprache erkannt werden. Das didaktiſche Verfahren beſteht einfach darin, daß man wortgetreu überſetzen, und Sinn und deutſchen Ausdruck finden läßt. Darauf läßt man das Verſchiedene noch ein Mal energiſch hervorheben und erhält, indem man ſtatt der Wörter, die bei dem Fall in Betracht kommen, die grammatiſchen Kategorien einſetzen läßt, die richtige Abſtraktion. Ein Beifpiel. Un prince faible qui s'était abandonné lui et son royaume à la direction du cardinal de Fleury. Wörtliche Ueberſetzung: ein ſchwacher Fürſt, welcher ſich überlaſſen hatte ihn und ſein Königreich der Leitung des Kardinals Fleury. Der Zuſammenhang ergiebt, daß hier nur vom Fürſten ſelbſt und ſeinem Königreich die Rede ſein kann. Alſo, wer iſt doppelt bezeichnet? — Der Fürſt; einmal mit se, das andere Mal mit lui. Das iſt alſo das Abweichende.— Leicht findet ſich auch der Grund. Würde lui auch zugeſetzt ſein, wenn es nur hieße: welcher ſich überlaſſen hatte? Nein, das iſt noch nie vorgekommen. Alſo die Veranlaſſung des dem Deutſchen fremdartigen Zuſatzes? Iſt et son royaume. Damit iſt alles gewonnen. Man kann nun der Klarheit halber den Fall noch ein Mal nur mit Bezug auf das vorliegende Beiſpiel und mit Anwendung der darin vorkommenden Wörter klar legen laſſen. Dann verlangt man mit Einſetzung der bekannten gramma⸗ tiſchen Kategorien verbe pronominal, Object und pronom personnel absolu die Regel. Damit hat man der Sache genügt; auf analoge Fälle ohne reflexives Pronomen braucht man ſich nicht ein⸗ zulaſſen, wenn ſie nicht ſchon vorgekommen ſind.— Die Schüler fixieren den Satz und das erarbeitete Reſultat. Es liegt auf der Hand, daß dieſe Uebung die Ausbildung des Geiſtes außerordentlich fördern muß; ſie kommt aber auch dem Sprachunterricht ſelbſt zu gute, indem ſie den Schüler in den Stand ſetzt und gewöhnt, die grammatiſchen Regeln ſozuſagen aus dem Text des fremden Autors abzuleſen, ſo daß er ſich müheloſer mehr aneignet. Die beſſere Kenntnis der Mutterſprache fällt ihm dabei von ſelbſt zu. So viel ſteht feſt, daß zu dieſer ganzen Operation die Kraft des Schülers voll⸗ kommen ausreicht, und daß daher jede ſchlechthin dargebotene Auseinanderſetzung unter dem Text oder von ſeiten des Lehrers nur als ein pädagogiſcher Mißgriff bezeichnet werden muß. Dennoch mahnt die Kürze der Zeit ſolche Übungen nicht zu häufen; ſie würden auch ermüden. Vieles kann man übergehen, das teinen Anſtoß erregt und nicht oft zur Anwendung kommt.
Sodann iſt der innere Grund von Wichtigkeit. Dahin gehört beſonders die Erkenntnis von dem Weſen der Modi, der Negation, der abſoluten Konſtruktionen, des Unterſchiedes der verbundenen und ſelbſtändigen Fürwörter u. d. m. Dieſen innern Grund, deſſen Erforſchung bis zur Volksſeele führt, wird man immer erſt aufſuchen laſſen dürfen, wenn man mit den Schülern im Laufe der Lektüre ein reiches Material zuſammengebracht hat und ihnen der Thatbeſtand, die Erſcheinung an ſich, deren philoſophiſcher Grund zur Diskuſſion ſteht, vollſtändig bekannt iſt. Daraus folgt, daß ſolche Unterſnchungen nur mit vorgerückten Schülern, und am beſten in einer Stunde vorgenommen werden, welche zu einem Überblick über die in einem verfloſſenen Zeitabſchnitt beobachteten Erſcheinungen be⸗ ſtimmt iſt; d. h. ſie bilden ein beſonderes Ziel für ſich und gehören mithin nicht in die Syntheſe. Das aber kann ich hier nicht unterlaſſen ausdrücklich hervorzuheben, daß nach meinem Dafürhalten das hier angegebene Lehrverfahren weit erſprießlichere Früchte zeitigen muß, als ein von der Lektüre losgelöſtes Traktieren der Grammatik, in der— nebenbei bemerkt— gerade die pſychologiſche Seite der Sprache höchſt ſtiefmütterlich behandelt zu ſein pflegt, ſo daß ich alles Ernſtes der Anſicht bin, daß die allgemeine Aufnahme der oben wieder einmal in Vorſchlag gebrachten Behandlungsweiſe auch der Grammatik als Wiſſenſchaft zum Vorteil und zur Förderung gereichen wird.
Es erübrigt noch auf eine andere Seite der Syntax in aller Kürze hinzuweiſen. Bei der erſtaunlichen Beweglichkeit und Akkommodationsfähigkeit unſerer Mutterſprache, die in vielen Fällen dem franzöſiſchen Ausdruck bis ins Einzelne gerecht zu werden vermag, kommt nach der von uns aus⸗ einandergeſetzten Methode vorwiegend nur die Seite des deutſchen zur Geltung, welche mit der fremden Sprache übereinſtimmt, viel weniger die andere. Es ſind das die Fälle, in welchen es in den Grammatiken heißt: nie aber geſchieht das und das. Dieſe Fälle ſind nicht gefliſſentlich herbei⸗ zuziehen, ſondern bleiben in durchaus naturgemäßer Weiſe dem Stadium vorbehalten, wo der Schüler


