Aufsatz 
Gedanken zu einem französischen Lesebuch aus den Werken Friedrichs des Großen
Entstehung
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verfallen wäre, da bei dieſem Wort der Unterſchied der lateiniſchen(ab-usus) von der franzöſiſchen (a-bus) Ausſprache das thatſächliche Verhältnis einigermaßen verdunkelt. Aber ſelbſt wenn dieſe Suppoſitionen zu peſſimiſtiſch ſein ſollten, ſo viel bleibt unbeſtritten: bei der Syntheſe ermutigt das Reſultat, bei der Präparation verdrießt es; und ferner die eigene Thätigkeit iſt viel größer das erſte wie das zweite Mal.

An dem vorgeführten Beiſpiel haben wir gezeigt, wie die Bedeutung mit Hilfe der Etymo⸗ logie*) eruiert wird; nicht ſelten aber iſt es der Zuſammenhang, durch den das Neue gewonnen werden muß. Zum Exempel es liegt zur Ueberſetzung vor: L'Angleterre donnait alors des subsides au Danemark pour l'entretien de 6000 hommes; à la Hesse pour un nombre pareil; ce qui, joint à 22 000 Hanovriens lui fournissait en Allemagne un corps de 24 000 hommes à sa disposition, und pareil iſt den Schülern unbekannt; dann wäre es fehlerhaft den etymologiſchen Weg zu beſchreiten, der ja, genau genommen, der Schule ſogar verſchloſſen iſt; hier hätte vielmehr der Schluß aus dem Zuſammenhang in ſeine Rechte zu treten und erſt nach Auffindung der Bedeutung wäre die Verkettung mit dem lateiniſchen Stammwort anzubahnen, natürlich mit übergehung von pariculus. Nicht alle hierher gehörigen Fälle ſind ſo einfach und, wenn der Schluß aus dem Zuſammenhang durch etymologiſche Betrachtungen keinen Anhalt hat, ſo wird er meiſt vag bleiben. Das darf aber nicht verleiten die Schlüſſe nicht ziehen zu laſſen. Ob man dann den vagen Begriff ſelbſt präziſiert, oder die Sache in suspenso läßt und bis zu dem Moment verſchiebt, wo daſſelbe Wort in einem deutlicheren Zuſammenhange vorkommt, hängt ledliglich von der Wichtig⸗ keit ab, welche es für die Auffaſſung des Ganzen hat, und von der Zeit, die bis zur Entſcheidung verfließen würde.

Ableitung und Schlußfolgerung aus dem Zuſammenhang werden in der großen Mehrzahl der Fälle als Hilfsmittel genügen; aber ſie thun es nicht immer. Und es ereignet ſich nicht ſelten, daß alle Interpretationskünſte nichts verfangen, wie z. B. an der Stelle: Les épargnes que le cardinal avait faites pendant son administration, furent absorbées en partie par la guerre de 1733, et en partie par la disette affreuse de l'année 1740, qui ruina les plus floris- santes provinces du royaume. Hier wird man disette Mangel an Lebensmitteln, Teuerung einfach anzugeben haben, mit Uebergehung der Etymologie, die nur eine neue Bürde für das Ge⸗ dächtnis wäre. Ebenſo würde man zu Ce prince avait porté le petit collet en France be- merken müſſen: le petit collet das Bäffchen der Geiſtlichen; ferner müßten Anmerkungen das ent⸗ halten, was vielleicht auch die Lexika, welche dem Schüler zur Verfügung ſtehen, nicht bieten, wie etwa maitre ehemals Bezeichnung für eine Art ſchwerer Reiter, oder le vendeur d'orviétan der Quackſalber ꝛc.

Damit dürfte das Lexikaliſche erſchöpft ſein und wir wenden uns nun dem Syntaktiſchen zu. Nur dieſer Abſchnitt der Grammatik verdient hier Erwähnung, weil die Formenlehre ſchon ab⸗ ſolviert iſt, bevor man ſich an eine Lektüre wie dieſe begiebt, und was davon in Vergeſſenheit oder ins Schwanken geraten iſt, leicht bei der Analyſe ſeine Erledigung finden können muß.

Wenn man vielleicht dem Princip noch nicht überall beigeſtimmt hat, daß die Formenlehre aus der Lektüre und im Anſchluß an ſie gelehrt werde, ſo ſollte doch darüber kein Zweifel mehr be⸗ ſtehen, daß die Kenntnis der Syntax aus keiner andern Quelle zu ſchöpfen ſei. Dabei kann oder vielmehr ſoll das weite Feld doch in Klaſſengebiete geteilt bleiben, doch ſo daß das, was ſich fort⸗ während wiederholt und ſich dadurch als ein Fundamentalgeſetz ausweiſt, aus dem ſyſtematiſchen Verband, der es einer ſpäteren Stufe vorbehielt, herausgehoben, betrachtet und eingeprägt wird. Trägt man dann noch bei den Erercitien dieſer allmählichen Entwickelung gewiſſenhaft Rechnung und leiſtet auf vollſtändige Abſolvierung von Kapiteln der Grammatik Verzicht, ſo iſt man auch einer ſo mühſeligen und ſchwer einzurichtenden Statiſtik überhoben, wie ſie M. Heynacher und auf ſeine Aufforderung hin auch andere aufopferungsfähige Jugendfreunde für die lateiniſche Syntax übernommen

*) Zuweilen, nämlich überall da, wo Benennungen mit Bezug auf einen Begriff ſtattgefunden haben, der durch ſie dem Geiſte nicht dargeboten wird z. B. ascendant(astre), ſcheinen Etymologie und Bedeutung in einem disparaten Verhältnis zu ſtehen. Der Unterricht darf die Erklärung ſolcher Wörter nicht übergehen. Daſſelbe gilt von Wörtern, deren Bedeutung eine ganz eigenartige Entwickelung genommen haben, wie goutte Gicht. Beiden Klaſſen kommt meiſt auch kulturhiſtoriſche Wichtigkeit zu.