Aufsatz 
Gedanken zu einem französischen Lesebuch aus den Werken Friedrichs des Großen
Entstehung
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greifen zu Hilfsmitteln, durch welche faſt der ganze Zweck des Unterrichts vereitelt wird. Die Haupt⸗ thätigkeit des Lehrers beſteht dann in der Kontrolle deſſen, was die Schüler mit ihren Hilfsmitteln herausgebracht haben, in der Richtigſtellung der Irrtümer und in der grammatiſchen, vielleicht auch lexikaliſchen und ſachlichen Interpretation.

Was an dieſer Methode zu tadeln iſt, iſt daß ſie nicht genug die geiſtige Thätigkeit in Anſpruch nimmt, daß ſie auf dumpfen Fleiß rechnet, anſtatt die freudige Regſamkeit des Verſtandes ins Spiel zu bringen. Nicht ſelten übrigens lchlägt ihr der jugendliche Mutwille ein Schnippchen und macht ſich keck ans Extemporieren.

Dieſes Lehrverfahren iſt nun durch die Herbart⸗Zillerſche Methode überholt worden. Dieſe Methode hat zwei bedeutende eng mit einander verknüpfte Vorzüge: ſie gründet ſich ganz auf die eigene Thätigkeit des Schülers und hat zum erſten Male eine feſte Norm entworfen für alle Lehr⸗ gegenſtände. Das Weſentliche derſelben beſteht in den ſogenannten fünf Formalſtufen: Analyſe, Syntheſe, Aſſociation, Syſtem und Methode. Die Analyſe iſt die Bearbeitung deſſen, was die Schüler von dem zur Behandlung geſtellten Gegenſtande bereits wiſſen; die Syntheſe bietet das Neue, für welches der Geiſt durch die Analyſe bereits empfänglich gemacht worden iſt; auf der Stufe der Aſſociation erfolgt die Verſchmelzung des Alten und Neuen; die Syſtemſtufe ordnet das Reſultat der Behandlung in das Wiſſen des Schülers ein; die Methode endlich verlangt den Beweis, daß das Gelehrte wirklich Eigentum des Schülers geworden iſt. Das Quantum des Lehrſtoffes, welches ſich nach dieſen Stufen bearbeiten läßt, bildet eine Einheit. Die Behandlung derſelben beginnt mit der Aufſtellung des Zieles, d. h. der Lehrer ſagt den Schülern, was der Gegenſtand der Betrachtung ſein ſoll.

Dieſes Lehrverfahren findet nun auch bei den fremden Sprachen die beſte Anwendung.

Das Ziel, mit deſſen Aufſtellung der Unterricht zu beginnen hat, bildet der vorliegende Abſchnitt des Leſebuches; im weitern Fortgange des Unterrichts wäre es pedantiſch dies jedes Mal hervorzuheben, der Schüler iſt durch die im Buche gegebene Reihenfolge ſchon genügend orientiert, wenn nicht der Lehrer vielleicht dieſes oder jenes überſpringen will.

Da die Analyſe damit anhebt, daß die Schüler aus ihrem Wiſſensvorrat das herbeibringen, was ſie über den in Rede ſtehenden Gegenſtand bereits wiſſen, ſo ſetzt der Unterricht nicht nur keine Präparation voraus, ſondern erreicht, wie ſich aus dem Folgenden ergeben wird, ohne dieſelbe ſeine Abſicht ſogar beſſer. Der aufgerufene Schüler lieſt einige Sätze, welche zuſammen dem ganzen Ab⸗ ſchnitte gegenüber in einem gewiſſen Gedankenverhältnis ſtehen und alſo einen organiſchen Teil deſſelben bilden. Darauf beginnt er mit der Ueberſetzung, indem er in genauem Anſchluß an die grammatiſche Form ſo viel davon überſetzt, als ſeine lexikaliſche und grammatikaliſche Kenntnis, ver⸗ bunden mit der Auffaſſung des Inhalts und Zuſammenhangs ihm dies ermöglicht. Wenn er da⸗ mit zu Ende iſt, werden die übrigen Schüler aufgefordert ihre Meinung über die Leiſtung des erſten zu äußern. Da treten nun ſofort zwei Fälle ein: Entweder hat A geleiſtet, was überhaupt von der Klaſſe zu erwarten war, dann wird das Schweigen der Schüler oder die ausgeſprochene Billigung eines der beſſeren das relative Lob der Leiſtung bekunden d. h. das abſolut richtige Prä⸗ dikat feſtſtellen. Oder es erhebt ſich Widerſpruch, deſſen Berechtigung und Umfang im umgekehrten Verhältnis zu der Güte der Leiſtung ſtehen. Dieſer zweite Fall iſt nicht nur der häufigere, ſondern auch der wichtigere..

(I Der Widerſpruch iſt berechtigt.

Er kann es nach zwei Seiten hin ſein: a) Der erſte Schüler hat poſitive Irrtümer gegen die ſprachliche Form d. h. Grammatik, Lexikon und Syntax und gegen den Inhaltbegangen. Die Entdecker haben dann nicht nur das Richtige anzugeben, ſondern es auch zu begründen, ſo daß A ſofort ſeinen Irrtum einſieht; ihm ſteht auch das Recht des Einſpruchs zu, ſo daß an die Ent⸗ ſcheidung und Entwickelung durch den Lehrer erſt bei allgemeiner Ratloſigkeit appelliert wird. Gram⸗ matiſche Formen, die nicht erkannt oder verwechſelt worden ſind, werden wieder raſch eingeübt, Lexikaliſches wieder in ſeine Sippe geordnet, von der es ſich losgeriſſen hatte, Syntaktiſchem wieder die Stelle im Syſtem(Syſtem im Sinne Zillers) angewieſen, von der es ſich im Gedächtniſſe gelöſt hatte. Ebenſo werden die Verſtöße gegen den Sinn nachdrücklich erörtert durch eine klare Darlegung