Aufsatz 
Gedanken zu einem französischen Lesebuch aus den Werken Friedrichs des Großen
Entstehung
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Eine beſondere Erwähnung verdient noch das Teſtament, von dem ich hier nur den Anfang*) mitteilen will:

Notre vie est un passage rapide du moment de notre naissance à celui de notre mort; pendant ce court espace l'homme est destiné à travailler pour le bien de la société dont il fait corps. Depuis que je parvins au maniement des affaires, je me suis appliqué avec tontes les forces que la nature m'avait données et selon mes faibles lumières à rendre heureux et florissant cet Etat que j'ai eu l'honneur de gouverner: j'ai fait régner les lois et la justice, j'ai mis de l'ordre et de la netteté dans les finances et j'ai entretenu l'armée dans cette discipline qui l'a rendue supérieure anx autres troupes de l'Europe. Après avoir rempli ces devoirs envers l'Etat, j'aurais un reproche éternel à me faire, si je négligeais ce qui concerne ma famille; c'est donc pour éviter les brouilleries qui pourraient s'élever entre mes proches à l'égard de mon héritage que je déclare par cet acte solennel mes dernières volontés:

1) Je rends de bon gré et sans regret ce souffle de vie qui m'anime à la nature bienfaisante qui a daigné me le prêter et mon corps aux éléments dont il a été composé. Jai vécu en philosophe et je veux étre enterré comme tel, sans appareil, sans faste, sans pompe; je ne veux ôtre ni disséqué ni embaumé, qu'on m'enterre à Sans-souci au haut des terrasses dans une sépulture que je me suis fait préparer.

Schon nach dieſer Probe wird der Leſer ſich meinem Urteile anſchließen, daß es wenig Dingen giebt, die in intellektueller wie moraliſcher Beziehung von ſolcher Wirkung ſind wie gerade dieſe Worte, mit denen der große König von der Welt Abſchied zu nehmen ſich vorgenommen hatte.

Aus dem Vorhergehenden wird meine Abſicht bereits mit genügender Klarheit hervorgetreten ſein: Ich will nicht dieſe oder jene Schrift Friedrichs dem Unterricht zu Grunde legen, ſondern aus allen zuſammen ein Buch komponieren, welches den großen König nach allen Seiten für die Jugend darſtellt. Ich werde mich daher nicht auf die genannten Quellen beſchränken, ſondern auch den Anti-Machiavel, die Mémoires depuis la paix de Hubertsbourg, en 1763, jusqu' à la fin du partage de la Pologne, en 1775, die Lettres sur l'amour de la patrie, in wel⸗ cher er dem Kosmopolitismus der Encyklopädiſten, die Dissertation sur l'utilité des sciences et des arts dans un Etat, in welcher er dem ihm widerwärtigen Rouſſean entgegentrat, ſorgfältig zu durchſuchen haben. Eine herrliche Ausbeute werden auch für die Vorgeſchichte ſeine Mémoires pour servir à l'histoire de la maison de Brandebourg gewähren.

Um endlich auch das Urteil eines Ausländers zu vernehmen, wird noch Mirabeaus De la Monarchie prussienne sous Frédéric le Grand herangezogen werden.

Alle dieſe einzelnen Stücke ſollen ihrem Inhalte nach ſtreng chronologiſch geordnet werden, ſo daß ſie eineGeſchichte Friedrichs des Großen aus ſeinen Werken zuſammengeſtellt bilden. Eine ununterbrochene Darſtellung wird freilich nicht zu erreichen ſein. Aber das iſt kein übelſtand, der gegenüber den erzielten Vorteilen irgendwie ins Gewicht fällt, zumal da der Unterricht ſchon an ſich eine Menge von Unterbrechungen mit fich bringt. Im Gegenteil, wenn die Geſchicklichkeit des Lehrers dieſe mit den Abſchnitten im Leſebuch zuſammenfallen macht, ſo könnte man darin ſogar noch einen ganz beſondern Vorzug finden. Das Stoffquantum wird bei wöchentlich zwei Stunden Lektüre wohl für drei bis vier Jahre in einer Unterſekunda ausreichen, ſo daß das Ganze leicht auch in einzelne Hefte zerteilt werden könnte.

Nachdem wir ſo unſere Idee ſkizziert haben, die ſich uns rückſichtlich des Leſeſtoffes heraus⸗ gebildet hat, müſſen wir nun die Grundſätze darlegen, nach welchen wir die Bearbeitung deſſelben vorzunehmen gedenken.

Vielfach wird wohl noch das alte Verfahren beobachtet, daß die Schüler ein gewiſſes Penſum zur Präparation erhalten und daß man eine möglichſt fließende Ueberſetzung von ihnen erwartet oder verlangt. Dieſer Aufgabe erledigen ſich die Schüler meiſt ſo, daß ſie mit den Augen ſchnell über die Zeilen fliegen, um die unbekannten Vokabeln im Lexikon aufzuſchlagen; viele, denen dieſe geiſtloſe Arbeit auf die Dauer doch gar verdrießlich wird und wer wollte das eigentlich auch leugnen?

*) nach Oncken, Das Zeitalter Friedrichs des Großen. Berlin 1881 2. Bd. II, S. 852 Faeſimile.