Aufsatz 
Gedanken zu einem französischen Lesebuch aus den Werken Friedrichs des Großen
Entstehung
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Auge geſchaut hat, das giebt ſeine Feder klar wieder. Nicht bloß wie die politiſchen Ereigniſſe der einzelnen Staaten in einander greifen und ſich gegenſeitig beeinfluſſen, lernt man aus ſeinen hiſtoriſchen Darſtellungen, ſondern auch, worin die Stärke eines Staates beſteht, welches der wahre Reichthum einer Nation ſei, wiediejenige Menſchenklaſſe, welche man das Volk nennt und welches die Aecker be⸗ baut, ſei la plus utile à la société; kurz, eine Menge Dinge, die man wohl als die Elemente der allgemeinen Staatslehre bezeichnen könnte, die Jedermann ſich aneignen muß. Und bei alledem unterläßt er doch nicht auf den Wert der innern Tüchtigkeit nachdrücklich hinzuweiſen

So glaube ich denn, daß man die Eingangs aufgeworfene Frage nur im bejahenden Sinne beantworten kann. Ich bin ſogar der Anſicht, daß ſich kein beſſerer Leſeſtoff wünſchen läßt. Wenn ich Jemand in eine fremde Sprache einzuführen habe, ſo habe ich in erſter Linie für einen Leſeſtoff zu ſorgen, den er kennt, zu dem er viele Beziehungen hat, damit er ſich wenigſtens den Gedanken nach nicht in einer terra incognita befinde. Das iſt ja auch einer der Hauptgründe, weshalb man die fremde Sprache ſo raſch in ihrer Heimat lernt: man iſt mit den Verhältniſſen des Lebens ſo ver⸗ traut, daß man leicht dem Gedankenaustauſch, den der Tag mit ſich bringt, zu folgen vermag und concentrirt daher die Aufmerkſamkeit vorzugsweiſe auf den fremden Laut. Aehnlich iſt das Verhältnis, wenn man dem Anfänger ein Buch in die Hand giebt, deſſen Inhalt ihm in den Hauptzügen bekannt iſt, an das ihn mannigfaltige Beziehungen feſſeln, deſſen Helden er verehrt. Alle dieſe Vorzüge treffen bei Friedrich zu.

Gleichwohl begegnet man oft einer entſchiedenen Abneigung bei den Lehrern des Franzöſiſchen ihn als Schulautor zuzulaſſen. Dieſe Gegner ſagen, Friedrich ſei doch kein Franzoſe geweſen; ſie unterziehen ihn einer ſtrengen philologiſchen Prüfung und finden dann mancherlei an ſeiner Grammatik auszuſetzen. Allerdings muß zugegeben werden, daß hier und da kleine Nachläſſigkeiten begegnen; wenn man aber daraus die Folgerung zieht: alſo iſt der Schriftſteller in den Schulen nicht zu ge⸗ brauchen, ſo muß man das wohl eine arge Ueberſtürzung nennen. Kann man denn dieſe Fehler nicht beſeitigen? Iſt es denn wirklich unſtatthaft in einer Schulausgabe einmal ein de zwiſchen savoir und dem Infinitiv ſtillſchweigend ja, ich meine, ſogar ohne Anmerkung zu tilgen? Man reproduciert ja auch nicht ſeine Orthographie! Zugleich darf man wohl auch billigerweiſe daran erinnern, daß bei der Schnelligkeit, mit welcher Friedrich producierte, und bei der Sorgloſigkeit, mit der man bei dem Druck verfuhr, man offenbar Unrecht thut, wenu man ihm jeden Fehler aufmutzt. Und ſchließlich, ſollte es nicht geboten ſein, bei einer Entſcheidung über die Zuläſſigkeit der Lektüre, den Inhalt gegen die Form in die Wagſchale zu legen?

Aber den Engherzigen gegenüber ſei es rühmend hervorgehoben, daß ſich auch tüchtige Männer gefunden haben, die ſich über ſolche Kleinigkeiten wegzuſetzen verſtanden, und den hohen Wert den dieſer Schriftſteller für unſere Jugend hat, erkannt haben.

In das Jahr 1876 fallen allein zwei Ausgaben derHistoire de mon temps, die eine von Hermann Semmig in Leipzig, die andere mit einigen Anmerkungen von Wilhelm Knörich in der bekannten Weidmannſchen Sammlung erſchienen. Es wird nicht Wunder nehmen, daß man vor⸗ nehmlich dieſes Werk ins Auge gefaßt hat, da hier die geiſtesſprühende Darſtellung auch in dem jugendlichen Geiſte Begeiſterung erzeugen muß, der Lehrer alſo der Wirkung des Stoffes ſchon ohne weiteres gewiß iſt. Weit weniger iſt dies ſchon der Fall bei der Histoire de la Guerre de sept ans, welche F. Fiſcher für die bei Velhagen u. Klaſing erſcheinenden Prosateurs français bearbeitet hat. Die Perſönlichkeit des königlichen Autors tritt nicht mehr ſo deutlich hervor; er hat die Sub⸗ jektivttät, die ſich früher nicht zurückdrängen ließ, abgeſtreift. Er ſchreibt auch in ganz anderer Ab⸗ ſicht. In dem Avant-propos von 1764 ſpricht er ſelbſt darüber:J'avais éerit les deux guerres que nous avons faites en Silésie et en Bohème; Gëtait l'ouvrage d'un jeune homme, et la suite de cette démangeaison d'écrire qui, en Europe, est devenue une espèce de maladie épidémique. Der König hatte den Ehrgeiz gehabt als Geſchichtsſchreiber aufzutreten und dabei ein glänzendes Zeugnis von Wahrhaftigkeit zu liefern, die er bei den meiſten Geſchichtsſchreibern vermißt hatte. Anders in derGeſchichte des ſiebenjährigen Krieges. J'ai eu en vue dans cet ouvrage deux objets principaux: l'un de prouver à la postérité et de mettre en évidence qu'il n' a pas dépendu de moi d'crire cette guerre; que l'honneur et le bien de l'Etat m'ont empéché de consentir à la paix à d'antres conditions qu' à celles oQ elle a eté