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8,21% von Emilia(den früheren Herzogtümern Parma und Modena) ꝛc. und 6,31% der Geſammt⸗ fläche des Königreiches einnimmt. Die jährliche Weinproduktion beträgt durchſchnittlich 27 bis 30 Millionen Hektoliter. Neben dieſer Gabe des Bacchus nenne ich das Geſchenk der Pallas Athene (Minerva), den Olbaum(it. olivo oder ulivo), der durch ſeine lanzettlichen Blätter und ſeine ganze Geſtalt ſehr an unſere Weidenbäume erinnert. Seine kleine, ovale, öligfleiſchige Steinfrucht, die von Dezember an bis April geerntet wird, liefert das geſchätzte Olivenöl, das in ganz Italien wie überhaupt im Süden Europas ſtatt der Butter und der andern tieriſchen Fette, als Zuthat zu den Speiſen dient und dies um ſo mehr, als die Faſtenſpeiſen weder mit Butter noch mit ſonſtigen tieriſchen Fetten bereitet werden dürfen. Die Frucht enthält 50% Ol, davon kommen 25% auf die fleiſchige Fruchthülle, 17% auf die Kernſchale und 8% auf den Samen. Das feinſte Ol iſt das helle, weiße olio vergine(Jungfernöl), das durch gelindes Preſſen der äußeren Fruchthülle nur reifer Oliven gewonnen wird. Durch ſtärkeres Preſſen, Behandlung mit heißem Waſſer ꝛc. erhält man geringere Sorten. Die feineren Sorten werden faſt alle exportiert, nur die geringeren im In⸗ lande konſumiert, und es dauert lange, bis ſichßder Fremde an den oft ranzigen Geſchmack und den eigentümlichen, üblen Geruch derſelben gewöhnt. In Ober⸗Italien kommt der Olbaum wegen der ſtrengeren Winterkälte nur vereinzelt, in beſonders geſchützten Lagen fort, wie z. B. an den Seen, er nimmt daher in Venetien nur 0,15%, in der Lombardei 0,19% des Flächengehaltes ein, in Ligurien (Genua) dagegen 11,95% und im ganzen Königreich 3,04% der Geſammtfläche. Die jährliche Produktion wird auf 3,385100 Hektoliter angegeben und die jährliche durchſchnittliche Ausfuhr auf 1 ½ Millionen Zentner, ſo daß Italien in der Olproduktion von keinem Lande der Welt übertroffen wird. Würdig an Weinſtock und Olbaum reihen ſich die goldenen AÄpfel der Hesperiden, die Agru— men oder Edelfrüchte, worunter man die 7 bis 8 m hohen und faſt ohne Unterbrechung Blüten und Früchte tragenden Orangen⸗ und Limonenbäume begreift. Man unterſcheidet: 1) die gemeine oder bittere Orange oder Pomeranze(Citrus vulgaris, it. arancio) mit kugeliger, rauhſchaliger Frucht. 2) Die Apfelſine oder ſüße Orange(Citrus aurantium it. arancio dolce di Portogallo oder nur portogallo) mit kugeliger, glattſchaliger Frucht, die edelſte aller Orangenarten. 3) Die Bergamotten⸗ orange(Citrus Bergamia*), it. bergamotto), Frucht mehr birnförmig und ſäuerlich. 4) Die Limone (Citrus Limonum, it. limono) mit ellipſoidiſcher, dünnſchaliger, ſehr ſaurer Frucht, dient zur Be⸗ reitung der beliebten Limonade und wird in Deutſchland unter dem Namen Citrone verkauft. 5) Die Citrone(Citrus medica, it. cedro) mit ellipſoidiſcher, dickſchaliger, warziger, ſäuerlicher Frucht. Alle dieſe aus den Tropen ſtammenden Gewächſe finden in Ober-Italien nur an einzelnen ganz beſonders geſchützten Orten mit milden Wintern die Bedingungen ihres Gedeihens, wie z. B. längs der Ufer der Alpenſeen, beſonders des größten derſelben, des 52 km langen Gardaſees, auch an der Riviera, jenem ſchönen Küſtenſtriche am Golf von Genua, von Nizza bis Spezia. Dieſer Küſtenſtrich iſt von den liguriſchen Apenninen in einem Bogen umgeben, der die ſchmale Küſte vor Nordwinden ſchützt und die anprallenden Sonnenſtrahlen wie ein weit geöffneter ſphäriſcher Konkavſpiegel auf dieſelbe zurückwirft, wodurch ſie ſehr hochgradige Wärmeſtrahlen empfängt und fähig iſt, auch Pflanzen aus ſüdlicheren Breiten zu tragen. Dazu kommt nun noch der die Kälte und Hitze mäßigende Einfluß des nahen Meeres, wodurch die Temperaturunterſchiede nicht zu grell und namentlich die Winter milder werden.
An allen dieſen Orten bedürfen die Agrumi aber einer ſchützenden Decke im Winter(Bretter⸗ verkleidung von November bis März) ſelbſt um Florenz und oft um Rom. Erſt in Süd⸗IJtalien, etwa von Terracina an, finden ſich dieſelben recht zu Hauſe und bilden hier eine Haupteinnahme⸗ quelle der Bevölkerung und wohl den lohnendſten Theil der Pflanzenproduktion, denn ein Hektar Agrumen bringt in günſtigen Jahren einen Rohertrag von 4000 fes. Dieſer Berechnung iſt die Annahme zu Grunde gelegt, daß auf einem Hektar durchſchnittlich 125 fruchttragende Bäume ſtehen und jeder vollſtändig entwickelte Agrumenbaum durchſchnittlich jährlich 800 verkaufsfähige Früchte liefert, von denen das Hundert mit 4 fcs. bezahlt wird. Hochgeſchätzt ſind in Mailand die Agrumi des Lago di Garda, welche für ſchmackhafter und aromatiſcher gehalten werden, als die der ſüdlichen Provinzen. Eine ſehr wichtige Stelle unter den Fruchtbäumen Italiens nimmt auch die echte
b*) Der Name iſt nicht von der Stadt Bergamo in Ober⸗Italien, ſondern von Bergama in Kleinaſien abzuleiten.


