Aufsatz 
Landwirtschaftliche Skizzen aus Ober-Italien : 2. Teil
Entstehung
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eines Trieſter Hauſes Grieskohlen von Sagor in Steiermark bezogen, den Waggon(200 Zentner) zu 84 Fiorini und 75,20 Lire Transportkoſten, zuſammen nach deutſchem Gelde 228 Mark. Ein Waggon(1 Tonnellata 200 Zentner) engliſcher Steinkohlen, die wir verſuchsweiſe aus Venedig kommen ließen, koſtete 360 Lire und 38,90 Lire Transport, zuſammen in Mark 318,48. Braun⸗ kohlen(Lignite) und Glanzkohlen(Anthracite) werden in Toskana gewonnen, bieten aber quantitativ und qualitativ keinen Erſatz für die fehlende Steinkohle. Auch in der Gegend meines früheren Wohn⸗ ortes San Salvatore in Oberitalien, findet man da, wo die letzten Schichten der Molaſſe mit mäch⸗ tigen Conglomeratbänken abwechſeln, kleine neſterförmige Lager von Braunkohlen wie bei Refrontolo, Pieve di Soligo, Corbaneſe, Cordignano ꝛc. Bis jetzt iſt es aber noch nicht gelungen, dürfie auch wenig Ausſicht vorhanden ſein, ein Lager von einiger Ausdehnung aufzufinden. An Bergbauprodukten führt Italien hauptſächlich aus: wie ſchon erwähnt Eiſen, dann Schwefel, Alaun, Marmor, Kupfer⸗, Blei⸗, Zink⸗ und Manganerze, deren Geldbetrag fürs Jahr 1873 auf 46,8 Millionen Lire an⸗ gegeben wurde.

Wir ſehen hieraus, daß Italien an unterirdiſchen Schätzen zwar nicht reich, aber auch nicht arm genannt werden kann und gewiß ließe ſich der Bergbau durch intenſiveren Betrieb noch bedeutend heben, man ſcheut aber die riskante Kapitalanlage bei einem ſo mühevollen, unſicher lohnenden Betriebe.

Was den Waldreichtum Italiens anlangt, ſo läßt ſich derſelbe in Ober⸗Italien mit dem von Hannover, Oldenburg und Mecklenburg vergleichen, wo 10 bis 15% des Flächengehaltes auf den Wald kommen, nur die an Südtirol grenzenden Provinzen überſchreiten dieſe Durchſchnittsziffer; in den Compartimenten Ligurien(Genua), Rom und Sardinien dagegen ſind 20 bis 24% des Bodens mit Wald bedeckt, ähnlich wie in Elſaß-Lothringen, Schleſien und Poſen; die übrigen Pro⸗ vinzen enthalten weniger als 10%, die waldärmſten(Abruzzen, Apulien und Sicilien) etwas mehr als 3% Waldland, während die waldreichſten Gegenden Deutſchlands, wie Heſſen⸗Naſſau, Großherzog⸗ tum Heſſen und Rheinpfalz über 35%, die waldärmſten, Schleswig⸗Holſtein, unter 10% der Ge⸗ ſammtfläche an Wald beſitzen. Nach der offiziellen Statiſtik entfallen von den 296,323 Kilo⸗ metern, die das Königreich groß iſt, 41474([ Kilometer auf den Wald, alſo 13,99% der Ge⸗ ſammtfläche. Von dieſem Waldkomplexe ſind 53,67% im Beſitze von Gemeinden und Korporationen, 41,41% von Privaten und nur 4,92% im Beſitze des Staates.

Die Geſchichte lehrt uns, daß das alte Italien bedeutend waldreicher war, als das gegen⸗ wärtige und daß die ſchönen Wälder in dem Maße, als die Bevölkerung des Landes namentlich auch durch Einwanderung griechiſcher und karthagiſcher Koloniſten ſich vermehrte, zuſammenſchmolzen. Das Holz reproduziert ſich nicht ebenſo leicht, als es konſumiert wird und die Ausrodung von Wäldern, der fortwährende Verbrauch von ungeheuren Maſſen Holz zum Städte⸗ und Schiffsbau und zu den gewöhnlichen menſchlichen Lebensbedürfniſſen mußte allmählig die Wälder bis auf die unzugänglichen Stellen erſchöpfen(Silawald in Calabrien). Auch in Ober⸗Italien, nördlich von Treviſo erhebt ſich von der Ebene von Cornuda aus, längs des rechten Piaveufers da, wo die Piave die Richtung von W. nach O. einſchlägt bis gegen Nerveſa hin, wo ſie wieder die ſüdöſtliche Richtung nimmt, ein pracht⸗ voll mit Eichen*) ꝛc. ſeit undenklichen Zeiten bewaldeter Hügel, der bosco Montello 402 m über dem Meere von ca. 650 Kilom. Flächengehalt. Sein Boden iſt bedeckt von den Reſten einer vielhundertjährigen Waldvegetation. Leider aber iſt der ſchöne Flecken Erde der Schandfleck der Provinz. Er gibt nämlich den etwa 6000 Bewohnern der zunächſt ihn umgebenden Gemarkungen eine dauernde Gelegenheit zum Diebſtahl und Raub und dieſe unter dem Namen Boscaioli bekannten Leute ſind in der ganzen Provinz verachtet. Das Gefängnis iſt für ſie, wie Carpend ſich ausdrückt, keine ehrloſe Strafe mehr, ſie haben den Sinn für Moralität vollſtändig verloren. Der Boscaiolo gibt von den Einnahmen ſeines Diebſtahles kaum ſeiner Familie ſo viel heraus, daß ſie knapp davon leben kann und konſumiert das Mehr täglich in der Oſteria(dem Wirthshauſe), ſich darauf verlaſſend und es ausſprechend, daß die Vorſehung nicht unterlaſſen wird, für den nächſten Tag zu ſorgen. Doch kehren wir wieder zu unſerem Thema zurück. Der Holzmangel wurde ſchon im alten Italien fühlbar und Strabo, der alte Meiſter der antiken Länder⸗ und Völkerkunde, empfiehlt ſchon in ſeiner unter Kaiſer Tiberius etwa ums Jahr 18 n. Chr. verfaßten Beſchreibung Italiens, den Anbau von Arundo donax, einem 4 bis 5 m hohen und 3 bis 4 cm dicken Rohre(Pfahlrohr, in Italien Die Rottanne oder Fichte fehlt den italieniſchen Waldungen ganz.