Aufsatz 
Landwirtschaftliche Skizzen aus Ober-Italien : 2. Teil
Entstehung
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angenommen), ſo daß noch Ausfuhr ſtattfindet, während man den Eiſenverbrauch in Rußland auf 6 bis 8 Pfund, in Spanien auf 10 bis 12 Pfund, in Oſterreich auf 19 bis 21 Pfund, in Schweden auf 52 Pfund, in Preußen auf 58 bis 60 Pfund, in Frankreich auf 68 Pfund, in Belgien auf 100 Pfund und in England auf 150 Pfund pro Kopf der Bevölkerung be⸗ rechnet hat. Ich führe dieſe, ſelbſtverſtändlich auf abſolute Genauigkeit keinen Anſpruch machen⸗ den aber immerhin annähernd genauen Zahlen deshalb an, weil der Verbrauch an Eiſen, dieſes unentbehrlichſten aller Metalle, einen ſicheren Maßſtab für den Stand der Induſtrie und des Nationalreichtums eines Volkes abgibt. Die Fabrik von Krupp in Eſſen verarbeitet allein jährlich 2,5 Millionen Zentner Gußftahl, wohl ebenſo viel, als ganz Italien jährlich an Eiſen ver⸗ braucht. Kupfer wird in Ober⸗Italien gewonnen bei Agordo in Venetien, auch in Toskana und Piemont(zuſammen jährlich 12,000 Zentner); Queckſilber bei Vallata, Provinz Belluno(Venetien); etwas Silber aus den Bleierzen auf Sardinien und in den Provinzen Genua und Lucca; Zinn⸗ erze und Bleierze namentlich in der Umgegend von Igleſias im Süden Sardiniens. Wie in Frankreich die Rhone und ihre Nebenflüſſe goldführend ſind, ſo auch einige vom Monte Roſa kom⸗ menden Nebenflüſſe des Po(Sesia, Cervo), die Ausbeute iſt aber ſo gering, daß bei der Gold⸗ wäſcherei kaum die Koften herauskommen. Bekanntlich wurde dieſelbe hier ſchon von den Alten be⸗ trieben, namentlich an der Dora Baltea, welche vom kleinen St. Bernhard kommt.

Außer den genannten Erzen finden ſich noch Mangan in Piemont, etwas Nickel und Antimon. Von ſonſtigen nutzbaren Mineralien ſind zu erwähnen in Oberitalien mehrere Marmorarten in der Gegend von Como(Geburtsort Volta's). Aus dem hier vorkommenden weißen Marmor wurden die Figuren zur Vollendung des prächtigen Domes zu Mailand gefertigt. Der carrariſche Marmor iſt nicht ſo flecken⸗ los weiß, als der hier vorkommende, aber feinkörniger. Porzellanerde oder puzzolana im vul⸗ kaniſchen Tuff in der Umgegend von Rom, gibt mit Kalk vermiſcht einen äußerſt dauerhaften Mörtel; Alaunſtein auf Gängen und Druſenräumen im Alaunfels bei Tolfa in der Nähe von Civita⸗Vecchia, aus ihm wird der bekannte römiſche Alaun gewonnen. Das Tolfagebirge, welches hauptſächlich aus Trachyt mit Umlagerungen von Sandſtein und Kalk beſteht, enthält auch noch Eiſenſtein, Bleiglanz, Spuren von Gold und Marmor.

Kochſalz wird als See⸗, Quell⸗ und Steinſalz gewonnen. Als Seeſalz durch Verdunſtung des Meerwaſſers in ſog. Salzgärten z. B. an der Tibermündung, in der Gegend des Po⸗Deltas (Comacchio), auf Sardinien, Sicilien, Elba ꝛc. Das Mittelmeer beſitzt durch ſeine eigentümliche Lage, welche die Verdunſtung außerordentlich begünſtigt, einen durchſchnittlich größeren Salzgehalt(3%), als der Ocean(3 ½%) und als die Oſtſee und das ſchwarze Meer(1%%). Quellſalz in der Saline zu Volterra in Toskana, Steinſalz in Calabrien und Sicilien.(Jährliche Produktion an Seeſalz 6 Millionen Zentner, an Quellſalz 230 000 und an Steinſalz 160 000 Zentner, ſo daß auf den Kopf der Bevölkerung 22 Pfund kommen). Einen ſehr bedeutenden Handelsartikel bildet der Schwefel, wovon jährlich, namentlich in Sicilien, 5,6 Millionen Zentner gewonnen werden.

In keiner Gegend Italiens dagegen findet man in nur irgend erheblicher Menge Steinkohlen, jene ſchwarzen Diamanten, welche in ihrem volkswirtſchaftlichen Werte alle andern Foſſilien weit überſtrahlen, da ſie die mächtigſte Stütze der Induſtrie ſind. Nur durch die bedeutenden Steinkohlenlager Englands wurde es der dortigen Eiſeninduſtrie möglich, den gewaltigen Aufſchwung zu nehmen, der ſie an die Spitze der geſammten Eiſeninduſtrie der Welt geſtellt hat. Die blühendſte Induſtrie ſehen wir aber auch in England immer nur in der Nähe mächtiger Steinkohlenlager und wie ſchon Say richtig be⸗ merkt,mittelſt einer geologiſchen Karte, welche die Reichhaltigkeit der Kohlenminen angäbe, könnte man eine Induſtriekarte von England entwerfen. Ländern aber, welche wie Italien wenig oder keine Steinkohlen beſitzen, wird der Gebrauch derſelben durch die koſtſpielige Fracht außerordentlich erſchwert; die ſämtlichen Erzeugniſſe der Induſtrie werden wenigſtens um die Transportkoſten verteuert, teure Produkte finden wenig Abnahme, und dies iſt mit ein Grund, daß die italieniſche Induſtrie noch nicht den Aufſchwung genommen hat, den ſie den ſonſtigen Verhältniſſen nach hätte nehmen können. Etwas Steinkohlen finden ſich im Thale von Aoſta in Piemont, die jährliche Ausbeute beträgt aber nicht mehr als durchſchnittlich 8400 Zentner. Zum Beweiſe, wie ſehr der weite Transport der Stein⸗ kohlen in Italien deren Bezug erſchwert und verteuert, führe ich an, daß wir zum Betrieb einer Dampfbrennerei auf dem gräflich Collalto'ſchen Hofgute Barco bei Conegliano, durch Vermittlung