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gandwirtſchaftliche Skizzede aus Ober⸗Italien.
Zweiter Teil.
Reichtum Italiens, Produkte des Bergbaues, der Forſt⸗ und Landwirtſchaft, Induſtrie.
Iſt das ſchöne Italien, das ſo oft„der Garten Europas“ genannt wird, auch ein ebenſo reiches Land?
Die Beantwortung dieſer Frage kann verſchieden ausfallen, je nachdem der ohnedies ſehr relative Begriff reich aufgefaßt wird. Verſteht man darunter die Summe derjenigen Güter, welche die Natur den Bewohnern des Landes umſonſt und in reichem Maße geſpendet hat, die ſog. natür⸗ lichen Reichtümer, ſo läßt ſie ſich bejahen; begreift man darunter die Geſammtheit der Güter, welche auf den Tauſch und das Eigentumsrecht ſich gründen, alſo die ſog. geſellſchaftlichen Reichtümer, ſo muß man es bezweifeln, daß Italien ein reiches Land ſei und leider bekennen, daß es noch nicht dahin gelangt iſt, den hohen Gipfel des Wohlſtandes zu erſteigen, wozu ſein Boden, ſein Klima, ſeine geographiſch⸗politiſche Weltlage und die Intelligenz ſeiner Bewohner es berufen haben. Wenn man auch in jedem Lande der Welt den Vermögensbeſitz der Bewohner niemals gleich, ſondern in den bekannten Rau'ſchen 7 Abſtufungen: Elend, Mangel, Dürftigkeit, Auskommen, Wohlſtand, Reichtum, Ueberfluß, verteilt findet, ſo iſt doch in Italien die dritte der genannten Stufen gar zu ſtark vertreten und dabei denke ich namentlich an die Contadini, die armen italieniſchen Bauern, welche trotz ange⸗ ſtrengteſter Arbeit die gewöhnlichſten, äußerſt beſcheidenen Lebensbedürfniſſe einen großen Teil des Jahres kaum knapp befriedigen können. Und woher dieſer Notſtand? Iſt es wie oberflächliche Be⸗ obachter ſo leicht zu behaupten geneigt ſind, das dolce fare niente der Italiener, der Hang zum ſüßen Nichtsthun, der ihn bewirkt? Wer das behaupten wollte, hat niemals den italieniſchen Bauer täglich 12 bis 16 Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf ſeinem Felde arbeiten ſehen, hat niemals Gelegenheit gehabt, dabei ſeine Mäßigkeit und Genügſamkeit zu bewundern, die ihn ſchon zufrieden ſein läßt, wenn er ſeinen Hunger oft nur an acqua cotta, in Waſſer und Salz gekochtem Brode ſtillen kann. Wahrlich dem italieniſchen Bauer und namentlich dem oberitalieniſchen, kann man nicht vorwerfen, daß er wie die Vögel unter dem Himmel lebe, wenig oder nichts arbeite und ſeine Nahrung dennoch finde, wie man dies in Italien ſpottweiſe, den meiſt von Fremden lebenden Bewohnern des kleinen Fürſtentums Monaco nachſagt:
Son Monaco sopra un scoglio Bin Monaco auf der Klippe dort, Non semino e raccoglio Säe nicht und ernte nicht E pur mangiare voglio. Und will doch eſſen fort und fort.
Der italieniſche Bauer ſät und erntet, iſt fleißig früh und ſpät, intelligent, ſparſam, genügſam und beſcheiden und hat dennoch oft nicht genügend zu eſſen. An ihm kann es daher nicht liegen, daß er ſich nicht im Wohlſtande befindet.—
So liegt es denn doch wohl am Lande? Man ſagt, der Reichtum Italiens an nutzbaren Mineralien, namentlich an Metallen iſt zu unbedeutend um eine blühende Induſtrie und damit beſſere Verwertung der Ackerbauprodukte, größere Bewegung im Handel und größeren Wohlſtand der Be⸗ völkerung hervorzurufen. Sehen wir uns daher den Reichtum Italiens an unterirdiſchen Schätzen einmal etwas näher an. Ober⸗Italien beſitzt Eiſengruben in der Gegend von Brescia und Bergamo, welche neben Braun- und Thoneiſenſtein auch Eiſenſpat enthalten, aus welchem unter anderem der Acciajo di scultore, der Bildhauerſtahl bereitet wird. Vortreffliches und viel Eiſen wird bei Oligiſto auf Elba und in Toskana gewonnen, trotzdem aber wird in Oberitalien viel Eiſen aus Steiermark bezogen. Die jährliche Eiſenproduktion im ganzen Königreiche wird zu 5 Millionen Zentner ange⸗ geben, der Eiſenkonſum zu 8 bis 11 Pfund pro Kopf der Bevölkerung(dieſelbe zu 27 Millionen


