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In den Küchengärten der Provinz Treviſo findet man angebaut: Kartoffeln(patate), Erbſen (Piselli) und zwar Winter⸗ und Sommererbſen, Linſen, Bohnen, Kopfkohl(Cavolo capuccio), Blu⸗ menkohl, Spargelkohl(Cavolo broccoli), Wirſing, Kohlrübe, gelbe Rübe(Carota), rote Rübe (Barbabietola), Spinat(Spinace), Sauerampfer(Acetosa), Lattichſalat, Endivie, Cichorienſalat (Radicchio, der beliebteſte aller Salatarten), Kürbis(Zucca), namentlich Flaſchenkürbis, der von den Contadini(Bauern) allgemein zu Trinkgefäßen bearbeitet und benutzt wird; Gurken(cetriuoli), Waſſermelonen(cocomeri), auswendig grün und inwendig rot; Melonen(Poponi), Spargel, Arti⸗ ſchocke(carciofo), Cardone oder ſpaniſche Artiſchocke, Zwiebeln, Knoblauch(Aglio), der beſonders ſehr beliebt iſt und„gut für die Bruſt“ ſein ſoll, Lauch(Aglio porro), Schalotten(Scalogno), Sellerie(Sedano), Peterſilie(Prezzemolo), Meerrettig(Oren oder Rafano), ſpaniſcher Pfeffer (Peperone), Liebesapfel oder Tomate(Pomo d'ore), als Sauce zu Fleiſchſpeiſen oder als Gemüſe benutzt; Erdbeeren(Fragole), ſüßer Fenchel(Finocchio dolce), deſſen junge Triebe und Stengel als Salat und als Gemüſe verſpeiſt werden, während die aromatiſchen Samen unter dem Namen „römiſcher Fenchel“ einen bedeutenden Handelsartikel bilden und zur Darſtellung eines feinen Tafel⸗ liqueurs dienen; Salbei(Salvia), beſonders beliebt zum Umwickeln der Vögel beim Braten am Spieße; Rettig(Ravanello). Häufig enthält der Hausgarten als Einfaſſung der Rabatten Zwerg⸗ obſtpflanzungen und an geeigneten Stellen Oliven⸗, Granat⸗, Äpfel, Birn⸗, Pflaumen⸗, Kirſch⸗, Man⸗ del⸗, ſchwarze Maulbeerbäume, Haßelnußſtämme, an den umgebenden Mauern Weinſtöcke, auch die Lauben werden meiſt aus Reben gebildet.
Bei der Gartenkultur gilt dem Italiener als Fundamentalſatz:„Senza concimi non puo essere produttivo un' Orto“(ohne Düngung kann ein Garten nichts hervorbringen), er verwendet daher alle Aufmerkſamkeit auf die Beſchaffung und rechtzeitige Anwendung des Düngers. Pferdemiſt, Latriunendünger, Tauben⸗ und Hühnermiſt, Schafdünger, Dünger von mit Mais gefütterten Schweinen, Weintreſter ſind ihm ſehr willkommen, der Rindermiſt hat ihm etwas zu wenig Wärme, aber er ſei pingue(fett), wie er ſich ausdrückt, und könne auch friſch verwendet werden, während die andern erſt eine fermentazione(Gährung) durchmachen müßten. üÜberall beſchäftigen ſich arme Leute mit dem Einſammeln des auf Land⸗ und Ortsſtraßen ſich findenden Düngers und verkaufen denſelben im ver⸗ rotteten Zuſtande zu 10 i. L. pro Carro(15 Centner). Auch der ſog. natürliche Dünger(Concime naturale) der Società dei pozzi neri in Venezia(Geſellſchaft der ſchwarzen Brunnen in Venedig), findet hier und da Anwendung zu dem billigen Preiſe von i. L. 1.65 per Centner. Der Gang der in der treviſaniſch⸗venetianiſchen Ebene üblichen monatlichen Gartenarbeiten, mag aus folgender Zuſammenſtellung erſehen werden.
Venetianiſcher Küchengarten-Kalender.
Januar. In der Regel wird in dieſem Monate nicht geſät, ausnahmsweiſe Peterſilie, Salat, Spinat für das Frühjahr. Die Artiſchocken⸗ und Spargelbeete, welche im Dezember nicht mit langem, ſtrohigem Pferdedünger nnd Laub bedeckt worden ſind, erhalten, namentlich wenn ſchnee⸗ loſe Kälte eintritt, ſchleunigſt eine ſolche Decke, welche bei eintretendem Thauwetter jedesmal entfernt, bei wiederkehrender Kälte aber wieder aufgelegt wird.
Februar. Man ſät Peterſilie, Spinat, frühen Kopfſalat und Kohlarten, Sauerampfer, Endivien und Möhren, Linſen, Sommerzwiebeln, rote Rüben, Früherbſen(Piselli primaticci) in Reihen von 50 bis 60 Centimeter Entfernung, Radicchio oder Cichorienſalat, Cardone oder ſpaniſche Artiſchocke, Sellerie, Kartoffeln, Liebesapfel oder Tomate in Entfernungen von wenigſtens 1 Meter, ſpaniſchen Pfeffer(Peperone) in Entfernungen von 40 Centimeter. Ausgepflanzt werden zum Samentragen: Knoblauch und Zwiebeln, Sellerie, Möhren, Rettig und die Kohlarten. Meerrettig⸗ wurzeln werden gelegt. Die Spargelbeete werden behackt und neue angelegt.
März. Geſät werden: Artiſchocken, Cardone oder ſpaniſche Artiſchocke, Peterſilie, Peperone (ſpaniſcher Pfeffer), Salat, Rettig, Radicchio oder Cichorienſalat, Kohlarten, Erbſen, Bohnen, Zwiebel, Sellerie. Man pflanzt Spargel oder rekrutiert die Spargelbeete, Kartoffeln, Meerrettig, Erdbeeren und nimmt von letzteren die Ausläufer weg, Himbeeren, Stachel⸗ und Johannisbeeren werden be⸗ ſchnitten und umgeſetzt. Die im Herbſt(Oktober) geſäten Erbſen(Piselli tardivi) werden durch dürre Reiſer unterſtützt.


