Aufsatz 
Landwirtschaftliche Skizzen aus Ober-Italien : 1. Teil
Entstehung
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und in den Hügeln ſich an den ſie ſtützenden hohen Maßholderbäumen(Oppi) und Eſchen(Frassini) bis über die Aeſte hinaufwinden läßt, häufig erhalten ſie jedoch einen einfachen Bogenſchnitt. Ge⸗ wöhnlich ſind um einen ſolchen als Pfahl dienenden Baum 2 bis 3 Reben gepflanzt. Außer Eſche, und Maßholderbäumen dienen als Stützbäume noch Maulbeerbäume, Ahorn, Pappeln, Weiden⸗, Kirſch⸗, ja ſelbſt die ſchattigen Nußbäume(wie in der Gegend von Padua). Es iſt leicht einzuſehen, daß dieſe Bäume den darunter poſtierten Kulturen Licht, Luft, Feuchtigkeit und Nührſtoffe entziehen, die Reife der Früchte, namentlich der Trauben verzögern, eine tüchtige Bodenbearbeitung erſchweren oder ganz unmöglich machen, z. B. das Querpflügen; allein es iſt ſchwierig, dieſes auf antiken Tra⸗ ditionen und Vorurteilen beruhende Syſtem zu ändern, und die in dieſem Sinne auftretenden Refor⸗ matoren können ſehr zufrieden ſein, wenn ihrem Rate ſoweit Folge gegeben wird, daß unter den ge⸗ nannten Bäumen nur die wenigſt ſchädlichen zu Weinſtützen gewählt werden, und dies ſind un⸗ ſtreitig die Eſche und der Maßholder, deren kurze und ſchwach belaubte Aſte nur wenig Schatten werfen. In den Zweigen dieſer Bäume ſchwirrt die ſommerliche Cicade(Zirpe) und läßt in den heißen Mittagsſtunden bis gegen Abend einen Geſang erſchallen, der zwar den griechiſchen Lyriker Anakreon zu einer Ode begeiſtern konnte, dem römiſchen Dichter Virgil aber als ein die Ohren be⸗ täubendes widriges Gezirpe erſchien, wofür wir ihn heute noch halten.

Der Maulbeerbaum kommt überall auf geringerem Boden fort und wird teils als Hochſtamm, teils in niederen Stämmen, ſog. Siepi(Hecken), kultiviert. Bei der Anpflanzung der Maulbeerbäumchen werden 4 Meter lange, 4 Meter breite und 0,75 Meter tiefe Löcher, meiſt im Herbſte vor der Anpflanzung, gemacht. Im März des nächſten Jahres füllt man dieſe Löcher mit gut zerſetztem Stalldünger und dann mit fruchtbarer Erde aus und ſetzt die aus einer guten Baumſchule bezogenen, gewöhnlich 3jährigen Stämme hinein. Wir ließen die Gruben im Akkord anfertigen und zahlten per Stück i. Lire 1.15. Jedes Bäumchen erhielt einen bis zum Beginn der Krone reichenden Pfahl, der gleichzeitig mit ein⸗ geſetzt wurde. Das beſte Laub für die Seidenraupen liefert der weiße Maulbeerbaum(Morus alba), der in verſchiedenen Varietäten veredelt und nicht veredelt kultiviert wird. Der nicht veredelte(Gelso selvatico) liefert zwar beſſeres, aber weniger Laub, als die durch Pfropfen veredelten.

Es iſt für das Gelingen der Seidenraupenzucht unbedingt nötig, daß jährlich vor Beginn der Kampagne der zu erwartende Ertrag an Maulbeerblättern wenigſtens approximativ feſtgeſtellt wird, woraus ſich dann an Hand der durch Erfahrung gefundenen Zahlen über den Futterbedarf der Bachi(Seidenraupen) die Anzahl der Cartoni Seidenraupeneier ermitteln läßt, welche man halten und ausſchlüpfen laſſen kann. Auf 152 ha Ackerland wurden z. B. unter meiner Aufſicht und Con⸗ trole 3852 Maulbeerbäume von verſchiedenem Durchmeſſer und 3681 Zwergſtämme(Siepi) gezählt. Dieſe lieferten zuſammen 1092 Sacchi foglia(Säcke Blätter). Ein Sack Maulbeerblätter mit Zweigen wiegt durchſchnittlich 52 libbre(Pfund). Um die von einem Carton Seidenraupeneier aus⸗ ſchlüpfenden Raupen ernähren zu können ſind 25 Sacchi Maulbeerblätter(mit Zweigen) erforderlich. Mit den auf obigem Complexe geernteten 1092 Sacchi Maulbeerblätter konnten daher die aus 1092 ⁄35= 43 Cartoni Seidenraupeneier ausſchlüpfenden Raupen ernährt werden. Man rechnet ferner, daß man von einem Sack Maulbeerblätter(52 libbre) durchſchnittlich 2 libbre(Pfund) Galetten (Cocons) erhält, von obigen 1092 Sacchi würde man alſo 1092 Kilogramm Galetten zu erwarten haben. In der Gegend von Verona, überhaupt in der Lombardei iſt es nicht Sitte, die jährigen Zweige mit den Blättern den Seidenraupen vorzulegen, ſondern man verabreicht nur die abgeſtreiften Blätter. Ein Sack ſolcher, nach dem uso lombardo-veronese, wie der Treviſaner dieſe Methode nennt, gewonnener Blätter wiegt 45 Libbre(Pfund).

Was die Gartenkultur der Treviſaner anlangt, ſo ſteht dieſelbe auf einer ſehr hohen Stufe, und der angeborene Schönheitsſinn der Italiener weiß den Gärten eine Form und Aus⸗ ſchmückung zu geben, welche das äſthetiſche Gefühl in hohem Maße befriedigen. Schattige Gänge in 3 bis 4 Meter hohen Lorbeergebüſchen wechſeln mit ſchönen Alleen, Felsgrotten, Teichen und die herrlichſten Ziergewächſe des In⸗ und Auslandes, wie die lederblätterige Magnolie mit ihren ſchnee⸗ weißen Tulpenblüten, die Ceder vom Libanon, die während der froſtfreien Zeit im Freien ſtehenden Agrumi(Citronen, Limonen, Orangen) ꝛc. ſchmücken nebſt großen und kleinen Statuen, die ſelbſt

den kleinſten Gärten nicht fehlen, die Gartenanlagen.