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Hagelſchläge ſind ſehr häufig, 2 bis 3 kann man jedes Jahr ſicher rechnen. Zum Glück treten dieſelben nicht immer in gleicher Heftigkeit und meiſt in ſchmalen, aber langen, ſich viele Stun⸗ den weit erſtreckenden Streifen auf, zerſtören dann oft auf 3 bis 4 Jahre die Weinſtöcke und ver⸗ nichten den Mais, die Hauptbrodfrucht der Contadini(Bauern), was die armen Leute in große Not bringt, da die wenigſten unter ihnen ihre Feldfrüchte verſichern laſſen. Die Verſicherungsprämien ſind trotz der Häufigkeit der Hagelſchläge dort nicht viel höher, als unter denſelben Verhältniſſen ander⸗ wärts, wir zahlten z. B. bei der Riunione Adriatica di Sicurtä zu Oderzo,(Stadt in der Provinz Treviſo, in deren Nähe auf einem kleinen Landgute der in Deutſchland zu wenig gekannte Dichter Francesco Dall' Ongaro geboren wurde), pro 100 italiane Lire Verſicherungsſumme für Getreide⸗ arten und Futterpflanzen 6 i. L.; dagegen iſt die Verſicherungsprämie für Wein ſo außerordentlich hoch(25, 30% und höher), daß Verſicherungen von Weinbergen faſt nicht vorkommen.
Da der Beginn, der Fortgang und die Beendigung der jährlichen Feldarbeiten, ſowie der Verlauf der Vegetation ein getreues Bild des Klimas der betr. Gegend abgeben, geſtatte ich mir noch einige kurze Andeutungen darüber.
Noch ehe der Monat Februar zu Ende geht, beginnen, wenn es die Witterung erlaubt, die Feldarbeiten und überall ertönt dann der Ruf: Al campo! al lavoro! Zum Feld! zur Arbeit!
Al campo, amici, al campo! Zum Felde, Freunde, zum Felde! Jl ciel si fa seren: Der Himmel heitert ſich auf, Del sole il primo lampo Der erſte Schein der Sonne
Ci trovi sul terren. Finde uns auf dem Feld.
Nati al lavor Geboren zur Arbeit
Siam tutti, à ver; Sind wir Alle, es iſt wahr;
Ma dal sudor Aber der ſauren Arbeit
Nasce il piacer. Entſpringt das ſüße Vergnügen.
Der Contadino(Bauer) pflügt zur Sommerſaat, bringt, wenn dies nicht ſchon früher geſchehen, die Hecken, welche überall die Grundſtücke umgeben, in Ordnung, pflanzt Weinreben, Maulbeerbäume, beſchneidet Bäume und Weinſtöcke und ſät bis Mitte März Hafer, Wickhafer, hier und da auch etwas Gerſte; die gegen Froſt ſehr empfindlichen Pflanzen dagegen, wie Mais(Granturco), Mohren⸗ hirſe(Sorghum vulgare, dort Sorgo genannt), meiſt erſt Mitte April bis Anfangs Mai. Im⸗ März fangen die Knospen an ſich zu entwickeln, die Wieſen werden grün, blaue und weiße Veilchen erſcheinen in Menge, che annunzia la primavera(welche anzeigen den Frühling), wie der Italiener ſagt. Anfangs April blühen Aprikoſen, Pfirſiche, die Bäume ſchlagen aus. Mitte April erſcheinen die Blätter des Maulbeerbaumes und die 5 Wochen in Anſpruch nehmende Seidenraupenzucht be⸗ ginnt etwa 8 Tage ſpäter. Gleichzeitig mit dem Erſcheinen der Maulbeerblätter tritt der Roggen in die Aehren(1871 am 16. April), anfangs Mai in Blüten(1871 am 4. Mai). Beim Weizen dagegen erſcheinen die Ahren anfangs Mai(1871 am 8. Mai) und die Blüten gegen Ende Mai. Anfangs Juni kommen die Rispen des Hafers zum Vorſchein, und gegen Ende des Monats tritt er in Blüte. Mitte Juni blüht der Wein, die Cocons(Bozzoli) der Seidenraupen werden ge⸗ erntet. Gegen Ende Juni beginnt die Ernte der Winterhalmfrüchte, Anfang Juli die Gerſtenernte und Mitte Juli die Haferernte. Nach der Ernte der Halmfrüchte ſät man auf die leer gewordenen Grundſtücke Spätmais(Granturco tardivo), gewöhnlich Cinquantino als Nachfrucht. In der erſten Hälfte des Oktober beginnt die Ernte des Maiſes und die Weinleſe, letztere zuerſt in der Ebene, dann auf den Hügeln.
Die ſchönſte und angenehmſte Witterung des ganzen Jahres tritt gewöhnlich im September ein und dauert bis Mitte, auch gegen Ende Oktober, während das Frühjahr viel zu kurz iſt um ſchön genannt zu werden, da ſchon Mitte Mai die heißen Tage ſich einſtellen.
Im November werden hier und da die früher zu Gründüngung(sovescio) eingeſäten Lupinen, die jetzt ſchon bis zur Blüte herangewachſen ſind, untergeackert, auch wird noch Weizen ge⸗ ſät. Zu neuen Weinbergsanlagen wird von jetzt an und den ganzen Winter hindurch Land ange⸗ rodet und ſehr willkommen iſt dann der ſpäter eintretende Winterfroſt, welcher das Zerfallen der Schollen bewirkt, das der Italiener mit dem Ausdruck„la terra si cucina“(das Land kocht ſich),


