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durch Baggern befreit und dadurch ein niederer Stand des Waſſerſpiegels herbeigeführt werden, was neben den jährlich ſich wiederholenden Reparaturen an Dämmen und Ufern den angrenzenden Beſitzern, Gemeinden und dem Staate nicht geringe Koſten verurſacht. Die frühere Regierung hat außerordent⸗ lich große Summen zur Regulierung der Flüſſe, namentlich der Piave geſpendet, baute 1861 eine neue ſehr gut conſtruirte Brücke über den wilden Strom und erleichterte dadurch bedeutend den Per⸗ ſonenverkehr und Waarentransport, die früher durch Aus⸗ und Einſteigen, Ab⸗ und Einladen an der Piave außerordentlich gehemmt oder bei Hochwaſſer vollſtändig geſtört waren. Auch die jetzige Re⸗ gierung thut was ſie kann, außerdem wirken aber ſehr ſegensreich die trefflich organiſirten consorzi di scolo(Flußgenoſſenſchaften).
Die Größe und Menge der mit den Flüſſen fortgeführten Geſteinstrümmer wird immer geringer, je weiter ſie ſich von ihrem Urſprunge entfernen und an ihrer Mündung ſetzen ſie faſt nur Schlamm und Sand ab. Die Ebene der Provinz Treviſo iſt daher in ihrem höher gelegenen Teil im ganzen Bereich der Flüſſe und Torrenten mit Gerölle Kies und Sand bedeckt, auf welchen ſich nur eine dünne Schicht fruchtbarer Erde befindet; der niedere, ſüdliche Teil der Ebene dagegen beſteht aus einem nach dem Meere zu immer tiefgründiger werdenden fruchtbaren Boden, unter wel⸗ chem ſich erſt in größerer Tiefe feineres Gerölle wiederfindet.
Schiffbar ſind die Piave und Livenza nur in ihrem unteren Lauf und haben für die dortige Gegend daher einige Bedeutung. Der Waſſerſtand aller dieſer Flüſſe wechſelt ſehr und die meiſten kleineren Waſſerläufe bleiben in den heißen Sommermonaten ganz aus. Nur eine bemerkenswerte Ausnahme macht das Flüßchen Sile, an welchem die Stadt Treviſo liegt Dasſelbe entſpringt nicht in den Alpen, ſondern 1 ½ Stunden weſtlich der Stadt in der Nähe von Morgano, hat aber gleich bei ſeinem Erſcheinen eine ſo ſtattliche Größe, daß es in der Stadt Treviſo ſchon be⸗ deutende Mühlwerke treibt, und iſt nie ohne Waſſer, ſondern immerwährend, zu allen Jahreszeiten bei gleichgutem Waſſerſtande, was für die Gegend von großem Werte iſt. Man glaubt, daß die Sile, welche nach kurzem Lauf im Golf von Venedig mündet, einem unterirdiſchen Kanale entſpringt, alſo vor ihrem Erſcheinen auf der Oberfläche ſchon unterirdiſch gefloſſen iſt, ähnlich wie der Timavo, der ſchon nach viertelſtündigem Laufe in den Buſen von Trieſt mündet, aber große Schiffe trägt.
Im Norden der Provinz liegen auch einige Seen, wie der Lago morto nördlich der Stadt Serravalle und der Lago di Lago ſüdweſtlich von Serravalle, welche teilweiſe, ebenſo wie die übrigen oberitalieniſchen Seen am Fuße der Alpen, als Ablagerungsbecken der ſie durchfließenden Alpenge⸗ wäſſer dienen, die, nachdem ſie darin geläutert, langſam ihren Lauf daraus fortſetzen, wie z. B. der Soligo, ein Nebenflüßchen der Piave.
Was die geognoſtiſche Bodenbeſchaffenheit der Provinz Treviſo anlangt, ſo beſteht die Ebene vorzugsweiſe aus Alluvial⸗ und Diluvialſchotter, einem mit Sand und Thon vermiſchten oder davon bedeckten Gerölle, welches ſeit undenklichen Zeiten durch Flüſſe und Torrenten von den Alpen herabgeführt und in der Ebene abgelagert wurde. Quarzgeſchiebe und in geringerer Menge Kalkſteintrümmer machen ſeinen hauptſächlichſten Beſtand aus. Da wo der Schotter rein zu Tage tritt, ſinkt der Boden bis zur Grenze der Kulturfähigkeit herab. Glücklicherweiſe iſt dies nur bei wenig Stellen der Fall und wenn auch— wie oben erörtert wurde— der obere Teil der tre⸗ viſaniſchen Ebene oft nur mit einer geringen Schicht fruchtbarer Erde bedeckt iſt, ſo gedeihen doch noch leidlich die drei hauptſächlichſten Kulturpflanzen Ober⸗Italiens, der Maulbeerbaum, die Rebe und der Mais, wenn auch nicht in der Üppigkeit wie im unteren Teil der Ebene. Aber auch die Strecken, auf welchen dieſe Kulturen nicht mehr angezeigt ſind, ſucht der fleißige treviſaniſche Bauer durch Anpflanzung geeigneter Holzarten nutzbringend zu machen, unter denen namentlich die Akazie (Robinia Pseudacacia) eine Hauptrolle ſpielt. Zur Anpflanzung nimmt man 2 bis Zjährige Pflanzen, welche, wenn nur etwas Erde vorhanden, in dem trockenen Geröllboden dennoch ſchnell heranwachfen, der holzarmen Gegend nicht allein vorzügliches Brennholz, ſondern auch ſehr geſchätztes Werkholz und brauchbare Pfähle für Weinberge liefern, außerdem aber nicht wenig zur Verſchönerung beitragen. Auch die Futterpflanzen finden in dem ſeichten Boden der oberen Ebene ein ſchlechtes Fortkommen, man findet daher nur hier und da etwas Rotklee und Luzerne(Spagna), und die natürlichen Futter⸗ felder, die Wieſen, deren durchgreifender Bewäſſerung ſich hier manche Hinderniſſe entgegenſtellen,


