Aufsatz 
Landwirtschaftliche Skizzen aus Ober-Italien : 1. Teil
Entstehung
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zeigen ihr ſchönes Grün nur im Frühjahr und Herbſt, während ſie den Sommer über, von Juni bis Anfang September, mehr dürren Steppen gleichen. Viele derſelben liefern nur einen Schnitt, der Ende Juli bis Anfangs Auguſt genommen wird.

Dieſer obere Theil der treviſaniſchen Ebene wird etwa begrenzt durch eine Kurve, welche man über Caſtelfranco weſtlich von Treviſo, Paeſe, Ponzano, Maſerada, Vazzola, Codogne und Orſago gezogen denkt.

Das Hügelland gehört vorzugsweiſe der Tertiärformation an. So bilden rote und grünliche Mergel abwechſelnd mit Kalkbreccie die Hauptmaſſe der Hügel bei Poſſagno(Geburtsort des berühmten Bildhauers Antonio Canova), Cavaſo, Pedorobba, Valdobbiadene; zäher, blauer Thon abwechſelnd mit Sandmergel und Nummulitenkalk die Hügel bei Sarmede und weſtlich der Piave, die Hügel bei Cavaſo und Caſtelcucco. Mergelig⸗ſandiger Kalkſtein mit 17 bis 22% Thonerdeſilikat find et ſich in den Hügeln bei Serravalle und dient dort zur Bereitung von hydrauliſchem Kalk, wes⸗ halb es auch möglich war, den procentiſchen Gehalt desſelben an Thonerdeſilikat anzugeben. Nagel⸗ flueartiges Conglomerat und plaſtiſcher Thon, der zur Ziegelfabrikation benutzt wird, finden ſich auf den Hügeln bei San Salvatore. Die meiſten Hügelböden ſind daher Mergelböden, gewöhnlich ſandige, kalkige Mergelböden, zuweilen Lehmmergel, vereinzelt auch Thonmergel, mit mehr oder weniger tiefer Ackertrume, größerer oder geringerer Bindigkeit, mit meiſt mittlerer, aber auch beſſerer und ſchlechterer Ertra gsfähigkeit. Überall wo die Oberfläche eine bedeutendere Schicht fruchtbarer Erde zeigt, was beſonders am Fuße der Hügel und in den oft reizenden Thälern der Fall, findet man, wenn die nötige Feuchtigkeit nicht fehlt, ein recht üppiges Wachstum der Rebe, des Maulbeerbaumes und des Getreides, hier und da erheben ſich auch ſchlanke, ſchwarzgrüne Cypreſſen, die zwar oft, aber nicht immer den campo santo ankündigen, denn Cypreſſen und Pinien ſind die eigentlichen Charakterge⸗ ſtalten der italieniſchen Landſchaft, die derſelben nicht fehlen dürfen. Vereinzelt findet ſich auch einmal am ſüdlichen unteren Hang eines Hügels ein Olbaum oder ein Granatbaum, dagegen bemerkt man ziemlich viel Feigenbäume(kultivierte und verwilderte) und Pfirſichbäume in ſo großer Menge, daß mit ihrem überreichen Fruchtertrage häufig die Schweine gefüttert werden. Andere Obſtbäume, wie Äpfel⸗ und Birnhochſtämme habe ich in der Ebene ſelten, auf den Hügeln in beſcheidener Menge, aber nie⸗ mals in ſo kräftigen Exemplaren geſehen, wie wir ſie in Deutſchland beſitzen. Recht ſchönes Zwergobſt findet man in den Gärten. Beſſer ſcheint der dortige Boden und das dortige Klima der Kaſtanie zuzu⸗ ſagen, welche namentlich an den weſtlichen und nördlichen Abhängen der Hügel oft ganze Wälder bildet.

Das Bergland im Norden der Provinz, vom Monte Grappa nördl. der Stadt Aſolo bis zu den Belluneſer Bergen nördl. von Fregona, umfaßt Geſteine, welche vorzugsweiſe der Jura⸗ und Kreideformation angehören. Die Kalkſteine dieſer Formationen herrſchen vor. Man findet weiße, graue, gelbe und rote Kalkſteine, letztere enthalten oft Perebratula dyphia, die weißen und grauen ebenfalls Reſte von Meerestieren(Muſcheltieren) wie z. B. mehrere Arten von Terebratula und Rhyn- chonella. Chloritiſcher Kalkſtein findet ſich ſehr ſchön entwickelt am Monte Grappa. Nach den Belluneſer Alpen zu treten auch dolomitiſche Kalkſteine auf. Welchen Wert dieſes Bergland in land⸗ wirtſchaftlicher Beziehung hat, mag annähernd daraus erſehen werden, daß das gräfliche Haus Collalto für 1200 Campi= 600 Hektare, welche es in den Belluneſer Bergen liegen hat, 2786 italiane Lire(1 Lire= 1 Franc) Pacht erhält, alſo pro ha 4.65 i. L.*)

Die Stadt Treviſo liegt im Süden der Provinz 450 40 nördlicher Breite, 29⁰ 55 b. L. und 16 Meter über dem Meere, die Stadt Vittorio im Norden der Provinz, unter 45⁰ 59, nörd⸗ licher Breite und 29⁰ 58 ö. L. und 132 Meter über dem Meere; das Klima der Provinz iſt da⸗ her in Folge dieſer Lage, ſowie durch den Schutz, welchen die mächtig emporragenden Alpen vor den rauhen Nordwinden gewähren, und durch die Luft des nahen Meeres, welche die Wirkungen der un⸗ gehindert in das offene Land eintretenden warmen Südwinde abſchwächt, ein mildes mit äußerſt reiner, geſunder Luft, namentlich im oberen Teil der Ebene und auf den Hügeln. Trotz der mildern⸗ den Einwirkung der Seeluft macht ſich aber der aus Afrika herüberwehende Scirocco immer noch fühlbar genug, indem er gewöhnlich bedeckten Himmel mit drückender Hitze bringt und erſchlaffend auf Menſchen und Tiere wirkt. Oft hat er Gewitter und Regen im Gefolge, häufig aber auch nicht.

*) Im Handel rechnet man auch nach venete Lire= 20 öſterr. Kreuzern oder italiane Lire= 50 Centesimi.