Aufsatz 
Galvanische Messungen
Entstehung
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bedeutende Erwärmung der Flüſſigkeit herbeigeführt, mußte auf Abkühlung derſelben Bedacht genom⸗ men werden; denn, wenn auch das erwärmte Gas die kühlere Sperrflüſſigkeit paſſieren muß, ſo kann es doch in der kurzen Zeit die Temperatur der Umgebung nicht wieder annehmen und man erhält leicht ein zu großes Gasvolumen. Das Voltameter wurde in ein großes Gefäß mit Waſſer geſtellt, deſſen Wärmegrad vorher genau dem der Luft des Beobachtungszimmers gleich gemacht worden, außer⸗ dem wurde das Sperrwaſſer und das Waſſer in der Meßröhre ebenfalls von derſelben Temperatur genommen, ſodaß, während bei Vernachläſſigung dieſer Vorſichtsmaßregel nach einer Reihe von Ver⸗ ſuchen das Voltameter ſich heiß anfühlte, nun die ganze Zeit hindurch Sperrwaſſer und Voltameter einen gleichen Wärmegrad behielten.

Als Gefäß zum Auffangen des Gaſes wird gewöhnlich eine graduierte Glasröhre, ein Endio⸗ meterrohr, empfohlen; dieſes bietet den Vorteil, daß man, mit der Uhr in der Hand, außer der Tangentenbouſſole nur jener ſeine Aufmerkſamkeit zu widmen hat und nach Verlauf einer beſtimmten Zeit den Strom ſofort ſchließen und das Gasvolumen in Ruhe ableſen kann. Ich gab die Röhre jedoch bald auf, weil mir mit ihrer Anwendung zwei Nachteile verbunden zu ſein ſchienen: einmal iſt bei der Länge der Röhre die Möglichkeit gegeben, daß in ihrem oberen und unteren Teil verſchie⸗ dene Temperaturen herrſchen, da ſie ja vertikal ſtehen muß, und ſodann bedingt der geringe Inhalt eine Füllung in kürzerer Zeit, alſo ein Operieren mit kleineren Quantitäten, was bei ſonſt gleichen Verſuchsbedingungen eine größere Unſicherheit in der Volumenbeſtimmung herbeiführt. Das Eudio⸗ meter wurde daher durch ein Kölbchen von 150 cem Inhalt mit einer Marke am Hals erſetzt, zu deſſen Füllung mit Knallgas bei Anwendung von zwei Bunſen⸗Elementen circa 8 Minuten erforder⸗ lich waren. Hierdurch entſtand freilich eine neue Schwierigkeit: es mußte gleichzeitig im richtigen Moment, d. h. wenn der Waſſerſpiegel bis zur Marke herabgeſunken war, der Strom geſchloſſen und die Stellung des Uhrzeigers beobachtet werden, was ohne Gehälfen unmöglich iſt. Ueberträgt man aber die Aufgabe zweier gleichzeitigen Beobachtungen zwei verſchiedenen Sinnen, ſo iſt das Problem leicht gelöſt. Iſt man in Beſitz einer Chronograph⸗Uhr, ſo übernimmt das Gefühl die Regiſtrierung der einen Beobachtung, indem im entſcheidenden Moment ein Druck des Fingers den Sekundenzeiger anhält und ſo die Zeit fixiert, während das Ange die Marke am Kölbchen beobachtet. Steht dieſe nicht zu Gebote, ſo überläßt man die Beobachtung der Uhr dem Gehörſinn, indem man einige Se⸗ kunden vor der vollendeten Füllung die verfloſſene Zeit notiert und die noch fehlende Sekunden bis zum Schluß der Beobachtung durch Zählen der Unruhſchwingungen der Taſchenuhr oder noch beſſer der Pendelſchläge eines Regulators markiert. Auf dieſe Weiſe gelingt es, bis auf eine Sekunde ge⸗ nau die Dauer des Verſuches feſtzuſtellen.

Anfang und Ende jeder Meſſung pflegt man durch plötzliches Schließen, beziehungsweiſe Oeffnen des Stromes zu bewirken, etwa durch eine Morſetaſte. Dieſe Methode bedingt aber weitere Ungenauigkeiten. Ein Teil des Knallgaſes wird von dem Waſſer abſorbiert und ſelbſt wenn dieſes nicht der Fall wäre, verſtreichen doch vom Augenblick des Stromfluſſes bis zum Aufſteigen der erſten Gasblaſen einige Sekunden und ebenſo dringen nach der Oeffnung der Kette immer noch Gasblaſen ein, was bei der Anwendung eines Eudiometers eine ungenaue Abmeſſung des Inhalts zur Folge hat. Ich verfuhr daher folgendermaßen: vor Beginn der ganzen Verſuchsreihe wurde durch Strom⸗ ſchluß ſo lange Waſſer zerſetzt, bis daſſelbe mit den Gaſen geſättigt war, was ſich durch einen inten⸗ ſiven Ozongeruch des Sperrwaſſers zu erkennen gab. Zur Neufüllung des Kölbchens für eine fol⸗ gende Meſſung wurde immer daſſelbe geſättigte Waſſer benutzt, indem es aus der kleinen Glasſchale, welche das Sperrwaſſer enthielt, entnommen wurde. Endlich wurde der Beginn jeder einzelnen Be⸗ obachtung nicht durch den Stromſchluß angezeigt, ſondern das nach dem Schließen der Kette ſich ent⸗ wickelnde Gas wurde einige Sekunden lang an der unter Waſſer befindlichen Mündung des Kölbchens vorbei in die Luft entweichen laſſen und erſt im Augenblick, da der Sekundenzeiger eine zum Beginnen der Beobachtung geeignete Stellung hatte, durch eine kleine aber ſchnelle Bewegung die Entwicklungs⸗ röhre unter die Oeffnung geſchoben. Arbeitet man mit einer Eudiometerröhre, an der man das Volumen nachträglich in Ruhe ableſen will, ſo wird das Ende der Meſſung, ſtatt durch Stromunter⸗ brechung, durch Zurückſchieben der Entwicklungsröhre herbeigeführt, während man bei Anwendung des Kölbchens, wenn der Waſſerſtand die Marke erreicht hat, nur die Zeit zu beſtimmen hat, ohne für