— 5— Stromes 8., die dabei beobachtete Ablenkung y, ſo iſt, da die Tangenten der Ablenkungsmittel den Stromſtärken proportional ſind: S: 8= tang X: tang y und da nach Faraday's elektrolytiſchem Geſetz die Stromſtärken auch den chemiſchen Zerſetzungspro⸗
dukten proportional ſind, haben wir, wenn wir die Einheit der Stromſtärke mit 1 und die von dieſer gelieferte Quantität des zerlegten Elektrolyten ebenfalls mit 1 bezeichnen: 1.
:S= 1: a. Die Multiplikation beider Proportionen ergiebt 1 81= tang x: a tang y, alſo die geſuchte Stromſtärke 8= a tang vy. tang X
a und tang X ſind die bei der einmaligen gleichzeitigen Beobachtung von Tangentenbouſſole und Voltameter erhaltenen Werte, ſind alſo konſtante Größen und bilden eben den als Reduktionsfaktor bekannten Quotienten, mit dem man bei jeder Stromſtärkebeſtimmung die Tangente des Ablenkungs⸗ winkels y zu multiplicieren hat. Wir baſieren alſo unſere Maßeinheit und demgemäß auch die Be⸗ ſtimmung des Reduktionsfaktors auf die chemiſche Wirkung des galvaniſchen Stromes und haben nur die Wahl, entweder ein Salz, am beſten ein Silberſalz, der Elektrolyſe zu unterwerfen und die an der Kathode ausgeſchiedene Quantität des Metalls durch die Wage zu beſtimmen, oder verdünnte Schwefelſäure, um nicht zu ſagen: angeſäuertes Waſſer, zu zerlegen und die Zerſetzungsprodukte, Waſſerſtoff und Sauerſtoff, an beiden Elektroden vereint aufzufangen. Letztere Methode, bei der das ausgeſchiedene Knallgas volumetriſch beſtimmt werden kann, erfordert zwar mehrfache Umrechnung des gefundenen Wertes, führt aber doch, da ſie einfacher zu handhaben iſt, als die Gewichtsbeſtimmung, ſchneller zum Ziel. Ich habe ſie daher vorgezogen, ſodaß unſeren Meſſungen die alte Jacobi'ſche Einheit zu Grunde liegt: ein Strom, der in einer Minute 1 ccm Knallgas von 00 GC bei 760 mm Barometerſtand liefert, hat die Stärke 1.
Um den Reduktionsfaktor mit möglichſter Genauigkeit zu beſtimmen, wurden drei verſchiedene Beobachtungsreihen vorgenommen, zu verſchiedenen Zeiten und mit jedesmal verbeſſerten Beobachtungs⸗ Methoden und ſtets genauerem Herbeiführen der günſtigſten Bedingungen. Als Stromquelle diente anfangs eine vierzellige Bunſenſche Tauchbatterie; die Inkonſtanz derſelben aber, welche ein fortwäh⸗ rendes Zurückweichen der Magnetnadel zur Folge hatte, geſtattete nicht, da die Abnahme der Strom⸗ ſtärke in keinem einfachen Verhältnis zur Zeit ſteht, aus der Anfangs⸗ und Schlußſtellung der Nadel auf das Mittel zu ſchließen und die Reſultate wichen daher erheblich von einander ab.
Als bei den ſpäteren Verſuchsreihen die Tauchbatterie durch eine konſtante Bunſenkette von 3 Zink⸗Kohlen⸗Elementen, mit Salpeterſäure und verdünnter Schwefelſäure geſpeiſt, erſetzt wurde, er⸗ gab ſich eine ſehr befriedigende Konſtanz, ſodaß die Nadel nur innerhalb ſehr enger Grenzen während der Beobachtung zurückwich und einmal mehr als 8 Minuten ihre Stellung nicht änderte. Schließ⸗ lich wurden ſtatt der 3 Bunſen⸗Elemente nur 2 als Stromquelle benutzt, wodurch allerdings der Strom ſchwächer, mithin die Knallgasentwickelung langſamer wurde; die dadurch bedingte längere Dauer der einzelnen Verſuche war aber von keinem Belang, da wie geſagt, die Elemente ſehr konſtant waren und durch die Stromſchwächung offenbar zwei weitere Vortheile erreicht wurden: geringere Erwärmung der Sperrflüſſigkeit und langſameres Aufſteigen der Gasblaſen, was ein genaueres Ableſen des Gas⸗ volumens ermöglichte.
Das Voltaineter beſtand aus einem kleinen weithalſigen Glas, in welches nur 5 mm von einander entfernt zwei Platinplatien von je 15 qem Flächeninhalt die Elektroden bildeten. Dieſe waren an zwei iſolierten Drähten angelötet, welche, ebenſo wie das Gasentbindungsrohr, luftdicht durch den Kork hindurchgingen. Auf den guten Schluß dieſes Korkes, den man vorteilhaft noch mit Siegellack verkittet, kommt viel an, da das Gas den Druck der Sperrflüſſigkeit zu überwinden hat und ein Entweichen deſſelben durch den Kork eine erhebliche Fehlerquelle bieten würde. Da der Durch⸗ gang des Stromes durch das Voltameter, auch bei ſchwächerer elektromotoriſcher Kraft, wegen des großen Widerſtandes der verdünnten Säure— auf einen Gewichtsteil H. SO, wurden zwei Ge⸗ wichtsteile Waſſer genommen, weil dieſe Miſchung den geringſten Leitungswiderſtand bietet— eine


