4—
entgegen zu arbeiten hat, an je zwei verſchiedenen Punkten der Erde, die nicht in denſelben Iſogonen liegen, verſchieden iſt. Jeder Beſitzer einer Tangenten⸗Bouſſole hat daher den ſogenannten Reduk- tionsfaktar ſelbſt zu beſtimmen, d. h. ſein Inſtrument zu„eichen“.
Ehe dazu geſchritten werden konnte, mußten an dem in Rede ſtehenden Apparate verſchiedene Verbeſſerungen angebracht werden, um ſeine Brauchbarkeit zu erhöhen; derartige kleine Korrekturen, die Jeder ohne Mithülfe des Mechanikers ſelbſt vornehmen kann, erhöhen, ſo unſcheinbar ſie ſind, doch mitunter den Wert eines Inſtrumentes ganz ungemein, wenn ſie auch nur dazu beitragen, den Ableſungen eine größere Schärfe, zu verleihen. Da an unſerem Apparat die Längenachſe der Magnet⸗ nadel 25 mm, und der Durchmeſſer des 32 mm breiten Kupferringes 30 cm beträgt, mithin das zwölffache der Nadel, ſo ſind dieſe Dimenſionen die geeigneten, um den Bedingungen einer guten Tangenten⸗Bouſſole zu entſprechen, daß der Ablenkungswinkel der Nadel der Stromſtärke proportional ſein ſoll. Um die Nadelſpitze auf einer größeren Kreisteilung ſpielen zu laſſen, iſt der kleine Stahl⸗ magnet durch feine Aluminiumſpitzen in der Richtung ſeiner Achſe verlängert. Da dieſe Spitzen alſo nicht, wie es bei feineren Tangenten⸗Bouſſolen der Fall zu ſein pflegt, rechtwinklig auf die Nadel aufgeſetzt ſind, ſo ſind die Ablenkungen in der Nähe des Nullpunktes bis zu 20 nicht genau zu be⸗ obachten, was um ſo mehr ins Gewicht fällt, als die Tangenten kleiner Winkel ſo wenig von ein⸗ ander abweichen. Das beobachtende Auge muß an dem Kupferring vorbeiſehen und es entſteht da⸗ durch ein parallaktiſcher Fehler, der bis zu ½0 betragen kann. Ein kleines Loch, das man in der Mitte des Ringes bohrt, geſtattet zwar eine genaue Einſtellung auf den Nullpunkt, läßt aber immer noch Beobachtungsfehler von ½ 0 zu. Erſt zwei weitere Löcher zu beiden Seiten des mittleren ver⸗ ringern den Fehler auf ein Minimum und nimmt man gar aus zwei Ableſungen durch zwei Löcher oder durch ein Loch und am Rande des Ringes vorbei das Mittel, ſo kommt man für ſolche kleine Ablenkungsmittel der Wahrheit ſehr nahe.
Sehr empfiehlt ſich noch folgende kleine Verbeſſerung: man ſpitze die meiſt etwas breiten Enden der Aluminiumnadel mit einer feinen Feile haarſcharf zu und ſchwärze ſie mit Tuſche. Sie wird ſich dann bei richtiger Beleuchtung, nötigenfalls mit einer Kerze ſelbſt am Tage, ſo deutlich von dem verſilberten Grunde der Skala abheben, daß man bei einem Teilkreis von nur 4 cm Radius ganz gut 10 Minuten abſchätzen kann.
Da die Tangenten⸗Bouſſole nicht direkt die Stromſtärke angiebt, ſondern zunächſt nur relative Meſſungen geſtattet, d. h. die Beſtimmung des Verhältniſſes zweier Stromſtärken, ſo iſt es nötig, behufs abſoluter Meſſungen die Zahl zu beſtimmen, mit der man die trigonometriſche Tangente des jedesmaligen Ablenkungswinkels der Nadel zu multiplicieren hat, um die Stromſtärke in bekannten Einheiten auszudrücken. Dieſe Zahl wird bekanntlich der Neduktionsfaktor der Tangentenbouſſole genannt. Welche Einheit man dazu wählt, iſt an ſich willkürlich und es wird die Feſtſtellung der⸗ ſelben nach dem in der Praxis gerade üblichen Syſtem ſich zu richten haben. Jedenfalls wird man aber auf dieſe Beſtimmung des Reduktionsfaktors die größte Sorgfalt verwenden müſſen, da von der Genauigkeit dieſer Zahl die Richtigkeit aller Meſſungen mit dem fraglichen Inſtrument abhängt. Die einmal gefundene Einheit läßt ſich jeder Zeit durch Rechnung in eine andere überführen und erſt die jüngſte Entwicklungsperiode der elektriſchen Meßſtunde hat, wie wir unten ſehen werden, die deutſchen Phyſiker genötigt, ſich von der altgewohnten Einheit für Stromſtärken einer neuen zuzuwenden.
Da die Verechnung des Reduktionsfaktors mit großen Schwierigkeiten verbunden iſt und die vorherige Beſtimmung der horizontalen Intenſität des Erdmagnetismus vorausſetzt, ſo wird man in den meiſten Fällen denſelben empiriſch beſtimmen müſſen, indem man die Ablenkung der Nadel mit: der gleichzeitigen chemiſchen Wirkung des Stromes vergleicht, alſo das Inſtrument auf chemiſches Maß eicht. Das Princip dieſer Beſtimmung iſt ſehr einfach: man läßt einen möglichſt konſtanten Strom eine gemeſſene Zeit lang durch das Inſtrument und gleichzeitig durch irgend einen Zerſetzungs⸗ Apparat, ein Voltameter, gehen, beobachtet den Ablenkungswinkel der Nadel und die an einer oder an beiden Elektroden ausgeſchiedene Quantität. Reduciert man die letztere auf eine Minute, ſo hat man es nur noch mit zwei beobachteten Größen zu thun, mit der Menge des zerſetzten Elektrolyten und mit dem Ablenkungswinkel. Nennen wir die Stromſtärke S, die zerſetzte oder ausgeſchiedene Menge a, den Ablenkungswinkel x, die Stärke eines anderen durch die Tangentenbouſſole zu meſſenden


