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Unterbrechung der Gasanſammlung Sorge tragen zu müſſen.— Auf den Gasentwicklungs⸗Apparat und die Uhr hat man ſeine Aufmerkſamkeit nur bei Beginn und Schluß der Beobachtung zu richten, die dazwiſchen liegende Zeit kann man der in den Stromkreis eingeſchalteten Tangentenbouſſole widmen. Eine einmalige Notierung des Standes der Nadel, nachdem ſie zur Ruhe gekommen, genügt nicht, ſelbſt wenn der Strom ſo konſtant iſt, daß ein Zurückweichen derſelben kaum zu bemerken iſt, denn eine ſehr geringe Verminderung der Stromſtärke entſpricht gewiſſermaßen einer ſehr kleinen Kraft, welche der gegebenen entgegenwirkt und ſo klein ſein kann, daß ſie die Reibung der in Ruhe befind⸗ lichen Nadel nicht zu überwinden vermag. Setzt man dagegen die Nadel durch momentanes Oeffnen des Stromes in Bewegung, ſo hat ſie Gelegenheit, eine neue, der veränderten Stromſtärke entſprechende Stellung anzunehmen.
Das jedesmalige Schließen und Oeffnen des Stromes wurde durch einen Kommutator be⸗ wirkt, der ſo eingerichtet iſt, daß der Strom faſt in demſelben Moment, in welchem er unterbrochen war, auch ſchon wieder im entgegengeſetzten Sinne geſchloſſen wurde. Die lebhaft hin und her ſchwingende Nadel wurde durch einen kleinen genäherten Magneten beruhigt, und ſobald die neue Ab⸗ leſung des Ablenkungswinkels notiert war, wiederholte ſich derſelbe Vorgang in der anderen Richtung. Während der Verſuchsdauer, d. h. während der 7— 8 Minuten, die zur Füllung des Kölbchens er⸗ forderlich waren, konnte der Strom 8—9 mal kommutiert werden, ſo daß das Mittel ſich aus eben ſo vielen Ableſungen ergab. Nicht nur oben genannter Zweck war dadurch erreicht, ſondern auch noch ein etwaiger Fehler in der Einſtellung der Nadel auf den Nullpunkt vollkommen eliminiert. Die Schätzung des Ablenkungswinkels wurde jedesmal nach Zehntelgraden vorgenommen.
Bisweilen fällt bei kleinen Magnetnadeln von verhältnismäßig großer Breite— unſere iſt bei 25 mm Länge 4,5 mm breit— die magnetiſche Achſe nicht mit der geometriſchen Achſe zu⸗ ſammen, wodurch ein genaues Einſtellen auf den Nullpunkt, ſelbſt unter Anwendung des Kommutators, illuſoriſch wird. Da ein ſolcher Fehler durch Verſuche nur ſchwierig zu ermitteln und noch ſchwieriger quantitativ zu beſtimmen iſt, die Wahrſcheinlichkeit ſeiner Exiſtenz aber immer vorliegt, ſo wird man gut thun, ihn als einen gegebenen Faktor zu betrachten und ihn dadurch zu eliminieren, daß man an beiden Aluminiumſpitzen Ableſungen vornimmt, was in unſerm Fall im ganzen 16—18 Ableſungen für jede Meſſung ergiebt. Das aus dieſen gewonnene Mittel giebt ein ſehr genaues Reſultat, das ſelbſt bei nicht ganz korrekt gebauten Inſtrumenten zuverläſſig iſt, wenn nur die weſentlichſte Be⸗ dingung erfüllt iſt, ein mindeſtens 12mal ſo großer Ringdurchmeſſer als die Länge der Nadel.
Der oben genannte Kommutator hat Schleifkontakte von Meſſing, die, wenn ſie auch im Allgemeinen ſicher ſind, doch keine Garantie bieten, daß der Widerſtand an den Berührungsſtellen immer derſelbe iſt. Da in der That eine ſorgfältige Beobachtung, unter Ausſchaltung des Voltameters, zeigte, daß die Stromſtärken bei verſchiedenen Kommutatorſtellungen nicht immer gleich waren, nahm ich bei ſpäteren Verſuchen einen Queckſilber⸗Kommutator, den man ſich leicht aus einem mit 6 Löchern verſehenen Brettchen und 3 an einander gelöteten Kupferdrähten ſelbſt herſtellen kann. Die Enden der Drähte, welche in das Queckſilber tauchten, waren amalgamiert und dadurch ein ſehr ſicherer, in Bezug auf den Widerſtand ſich immer gleichbleibender Kontakt erzielt.
. Das unter den bisher genannten Vorſichtsmaßregeln aufgefangene und gemeſſene Gasvolumen mußte, nachdem es auf gleiche Zeiteinheiten, immer auf eine Minute, umgerechnet worden, nun noch auf Normal⸗Temperatur und Normal⸗Druck reduciert werden, da alle Gasmeſſungen, alſo auch die zur Beſtimmung der Stromſtärkung dienenden, auf die Temperatur 00 C und den Barometerſtand 760 mm bezogen werden, um unter einander vergleichbar zu ſein. Dieſer Reduktion hatte aber noch eine andere vorauszugehen, da das abgeleſene Gasvolumen unter dem negativen Druck einer Waſſer⸗ ſäule ſich befindet, welche der Differenz der Waſſerhöhen innerhalb und außerhalb des Sammelgefäßes entſpricht. Die Höhe der Waſſerſäule wurde durch Diviſion mit 13,596, dem ſpecifiſchen Gewicht des Queckſilbers, in Queckſilberdruck umgerechnet, der, um den wahren Druck, unter dem ſich das Gas befindet, zu ermitteln, von dem zu gleicher Zeit abgeleſenen Barometerſtand abzuziehen iſt. Letzterer erfuhr ſelbſt noch vorher eine Reduktion, indem er nach den hierfür exiſtierenden Tabellen auf eine Queckſilber⸗Temperatur von 0° umgerechnet wurde, was bei der vorhandenen Temperatur von 18⁰ C eine Verringerung von circa 2 mm herbeiführte. Nimmt man als Sperrflüſſigkeit das


