Aufsatz 
Aus der Vorgeschichte unseres Kalenders
Entstehung
Einzelbild herunterladen

. 32.

Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Der Brand und Roſt des Getreides.

Landwirtſchaftliche Arbeit: Die landwirtſchaftlichen Konſumvereine und ländlichen Darlehnskaſſen und ihre Bedeutung für den Landwirtſchaftsbetrieb.

Am 4. Okt. folgte die mündliche Prüfung, bei welcher als Königl. Kommiſſar Hr. Regierungs⸗, Schul⸗ und Konſiſtorialrat Bayer aus Wiesbaden, als Vertreter des Kuratoriums Hr. Bürger⸗ meiſter Weychardt in Weilburg fungierte. Den 3 Abiturienten wurde einſtimmig das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt) zuerkannt.

Am 5. Okt. fand die öffentliche Schlußprüfung für das Sommerſemeſter ſtatt, deren Ordnung

folgende war:

Vormittags 9 ½ 12 Uhr: V: Rechnen Ewald, Botanik Klee. IV: Latein Gotthardt, Geſchichte Krausbauer. III: Franzöſiſch Dr. Ottmann, Chemie Dr. Nauhaus, Geometrie Dr. Kienitz⸗Gerloff.

Nachmittags 24 Uhr: II: Botanik Dr. Kienitz⸗Gerloff, Deutſch der Direktor, Pflanzenproduktionslehre Dr. Henkelmann. I: Gemüſe⸗ und Obſtbau Klee, Chemie Dr. Nauhaus, Betriebslehre Dr. Henkelmann.

Zuletzt folgte die Entlaſſung der Abiturienten, welche alle drei in die landwirtſchaftliche Praxis übergingen.

An demſelben Tage ſtarb in der Klinik zu Gießen der Tertianer Konrad Daniel. Erſt in reiferem Alter(geb. 9. März 1859) in die Anſtalt eingetreten, berechtigte er durch ſeinen aus⸗ gezeichneten Fleiß zu den beſten Hoffnungen, als eine tückiſche Krankheit ſein Streben unterbrach und ihn nach mehrmonatlichem Leiden hinraffte. Die Anſtalt verlor in ihm einen ihrer bravſten Schüler.

Am 6. Oktober wurde das Sommerſemeſter mit dem Cenſur⸗ und Verſetzungsakt geſchloſſen.

Das Winterſemeſter begann für die Hauptſchule am 18., für die Winterſchule am 31. Okt.

Am 24. Okt. war Hr. Dr. Henkelmann beurlaubt, um an der Herbſtverſammlung des landwirtſchaftlichen Bezirksvereins für den Oberlahnkreis in Obertiefenbach teilzunehmen.

Mit Ende Okt. verließ uns Hr. Kandidat Klee, um eine Stelle als Landwirtſchaftslehrer und Inſpektor an der Ackerbauſchule zu Haus Füchten bei Neheim im Rbz. Arnsberg anzunehmen. Dem liebenswürdigen jungen Kollegen, welcher ſowohl in der Schule als auch auf dem Demon⸗ ſtrationsfelde der ihm anvertrauten Thätigkeit mit dem größten Eifer oblag, ſei auch an dieſer Stelle der Dank der Anſtalt ausgeſprochen.

Am 30. Nov. beehrte Hr. Regierungs⸗ und Schulrat Ernſt aus Straßburg die Anſtalt mit einem Beſuche, um, behufs Neugründung einer Landwirtſchaftsſchule im Elſaß, die Einrichtung derſelben kennen zu lernen. Nachdem er am gedachten Tage von den äußeren Einrichtungen der Anſtalt ſowie von den ſchriftlichen Arbeiten der bisherigen Abiturienten genaue Einſicht genommen, wohnte er am 1. und 2. Dez. dem Unterrichte beſonders der beiden oberen Klaſſen bei und reiſte am 3. Dez. morgens ab. Wir ſind dem geehrten Herrn für die freundliche Teilnahme an unſeren Beſtrebungen, welche er an den Tag legte, zu lebhaftem Danke verpflichtet.

Vom 22. Dez. 1881 bis zum 4. Jan. 1882 dauerten die Weihnachtsferien.

Am 4. Febr. 1882 wurde die Anſtalt von einem zweiten noch betrübenderen Todesfalle betroffen. Der Froſt der vorhergehenden Tage hatte die Lahn mit einer Eisdecke belegt; doch war die polizeiliche Genehmigung zum Betreten des Fluſſes noch nicht ergangen, und ein Platz zum Schlittſchuhlaufen für die Zöglinge der hieſigen Schulen noch nicht abgeſteckt. Trotzdem erlaubten ſich einige Schüler der Anſtalt, verleitet durch ein Gerücht, daß dies am nächſten Tage geſchehen ſolle, ſich außerhalb der Stadt auf das Eis zu begeben, darunter der 14 jährige Quintaner Karl Molz. Gegen Abend, als ſeine Genoſſen heimkehrten, äußerte er die Abſicht, den Fluß zu über⸗ ſchreiten, wurde aber von einem älteren Schüler ausdrücklich davor gewarnt. Einige Zeit darauf hörten die Heimkehrenden Hilferufe, und zurückeilend fanden ſie Molz eingebrochen. Ihre Rettungs⸗ verſuche, bei welchen der erwähnte Mitſchüler ſelbſt mehrmals einbrach, waren leider vergeblich: der arme Knabe war, als ihm herbeigeholte Stangen und Seile zugeworfen wurden, bereits ſo er⸗ ſtarrt, daß er ſie nicht mehr ergreifen konnte und unter dem Eiſe verſchwand. Seine Leiche wurde am nächſten Tage(Sonntag) gefunden. Am 6. Febr. vormittags richtete der Direktor an die in der Aula verſammelten Schüler eine ernſte Anſprache über das traurige Ereignis; nachmittags geleiteten wir den Sarg, den die älteren Mitſchüler trugen, zum Bahnhof. Allgemein war das tiefſte Mitleid mit der beklagenswerten Mutter, einer Wittwe zu Traben an der Moſel, die in dem lebhaften und hoffnungsvollen Knaben ihr einziges Kind verloren hat.