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Mommsen S. 296 vorgesehen hat:„Wer vielmehr 1. Jan. 714= A setzen wollte, würde immer um zwei Buchstaben zurückgehen, also statt A der Tafel setzen müssen F,... statt D— A, . statt G— D“¹¹).
Allein auch damit würde das Richtige noch nicht ganz getroffen sein.„So würden“, sagt Mommsen(S. 297 f.),„die Nundinalbuchstaben der Neujahre sich gestaltet haben, wenn die abergläubische Furcht vor dem A-Neujahrstag nicht zu Kalenderveränderungen geführt hätte. Uber die Art, wie diese ins Werk gesetzt wurden, findet sich nirgends eine Andeutung; doch geht aus den gegebenen Verhältnissen, wie mir scheint, unzweifelhaft hervor, daſs man zu diesem Ende keinen anderen Weg einschlagen konnte als den der Verlegung des Schaltjahres... Es wird.. niemand sich leicht überreden, dass die römischen Kalenderordner einem der festen Monate einen Tag genommen oder gegeben haben werden, so lange mittelst des an sich schwankenden 28— 29tägigen Februars die Procedur auszuführen war. Man wird darum“,
fährt Mommsen fort, fahre ich fort,
„um den 1. Jan. 715 nicht mit A bezeichnen um den 1. Jan. 714 nicht mit A bezeichnen zu müssen, lediglich die Schaltung von 715 auf zu müssen, lediglich die Schaltung von 714 auf 714 geworfen haben, wodurch der 1. Jan. 715 713 geworfen haben, wodurch der 1. Jan. 714 B ward;“ B ward;
„und wollte man, wie es doch gewifs der Fall war, ein derartiges Zusammentreffen ein für allemal vermeiden, so konnten die Pontifices, so lange sie von drei zu drei Jahren schalteten, dies einfach dadurch bewirken, dafs sie die Schaltung durchaus um ein Jahr antecipirten“, also
Mommsen: nach berichtigter Interpretation des Dio: „B²) 714 D B 717 D B²) 713 D B 716 D 715 B 718 B 714 B 717 B 716 G 719 G.“ 715 G 718 G
Mommsen schliefst(S. 299):„Gar wohl könnte dieser Umstand, dals das pontificale Schaltsystem zwar den Kalender vom Sonnenjahr entfernte, aber dafür eine bequeme Formel darbot, um das A-Neujahr zu vermeiden, während es kaum möxglich war, bei richtiger Handhabung des cäsarischen Kalenders nicht auf die eine oder die andere Weise dem besagten verhängnissvollen Neujahr zu verfallen, wo nicht bei der Auslegung des cäsarischen Regulativs selbst, doch bei dem beharrlichen Festhalten der seltsamen Interpretation eine wichtige Rolle gespielt haben. Auf keinen Fall wird man es überflüssig nennen können, wenn wir versuchen, diese Kalender- schwankungen so weit als möglich festzustellen; wie gleichgültig der Aberglaube sein mag, aus dem sie hervorgingen, so kann es für weitere chronologische Untersuchungen von grolser Wichtig- keit werden, wenn es sich bestätigen sollte, daſs die effectiven Schaltjahre von den bisher angenom- menen sehr häufig verschieden gewesen sind.“
Alles vortrefflich, und diese scheinbar kleinliche Untersuchung wäre von der grölsten Wichtigkeit geworden, wenn Mommsen nicht, abgesehen von seiner verfehlten Interpretation der Stelle des Dio, auf halbem Wege stehen geblieben wäre. Denn es ist klar, dafs die Periodicität der Nundinalbuchstaben, welche Mommsen für die Jahre von V 714, berichtigt V 713, abwärts aufgezeigt hat, auch auf die Jahre von V713 aufwärts ausgedehnt werden kann, wodurch sich ergiebt:
B 710 D B 713 D 711 B u. s. w. wie oben rechts. 709 G 712 G
Damit erledigt sich die Kontroverse zwischen Mommsen und Lepsius dahin, daſs weder V 709 noch 712 das erste julianische Schaltjahr gewesen ist, sondern V 710, und die älteste Geschichte der julianischen Schaltung gestaltet sich folgendermafsen.
Cäsar hat seinen Schalttag nicht theoretisch einem willkürlich angenommenen Anfangs- oder Endjahr seines Cyklus zugeteilt, sondern— praktisch wie immer— denselben einfach mit dazu bestimmt, das nun einmal für ominös gehaltene Zusammentreffen von nundinae und Neujahrstag
¹) Wie Huschke, nur mit anderer Bezeichnungsweise, auch annimmt. * ²) Das vorgesetzte B bezeichnet das Schaltjahr(Bissextiljahr).


