Aufsatz 
Aus der Vorgeschichte unseres Kalenders
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

75 568, d. h. 344 oder 345 Tage auſserordentlicher Weise ausgeschaltet haben; oder es war K 355: dann mufs man in den 209 Jahren bis t 113 170 76 568 76 535= 33 Tage aufserordentlicher Weise eingeschaltet haben. Tertium non datur.

Schon auf den ersten Blick empfiehlt sich der zweite Fall als der bei weitem wahrschein- lichere, weil die Abweichung vom normalen Kalender, welche anzunehmen er nötigt, eine zehnfach geringere ist, als im ersten Fall. Dazu kommt, daſs sich von aufserordentlichen Ausschaltungen in der ganzen römischen Überlieferung auch nicht die leiseste Spur findet ¹).

Anders steht es mit der Einschaltung. Macrobius berichtet(Saturnal. I, 13, 16 19): Sed cum saepe eveniret, ut nundinae²) modo in anni principem diem, modo in Nonas caderent (utrumque autem perniciosum reipublicae putabatur), remedium, quo hoc averteretur, excogitatum est, quod aperiemus, si prius ostenderimus, cur nundinae vel primis Calendis vel Nonis omni- bus cavebantur. Nam quotiens incipiente anno dies coepit, qui addictus est nundinis, omnis ille annus infaustis casibus luctuosus fuit, maæimeque Lepidiano tumultu opinio ista firmata est. Nonis autem conventus universae multitudinis vitandus existimabatur, quoniam populus Romanus exactis etiam regibus diem hunc Nonarum mawxime celebrabat, quem natalem Servii Tullii existimabat, quia, cum incertum esset, quo mense Servius Tullius natus fuisset, Nonis lamen natum esse con- staret, omnes Nonas celebri notitia frequentabat. Veritos ergo, qui diebus praeerant, ne quid nundinis collecta universitas ob desiderium regis novaret, cavisse, ut Nonae a nundinis segregarentur. Unde dies ille, quo abundare annum diæimus d), corum est permissus arbitrio, qui fastis pracerant, ati, cum vellent, intercalaretur, dummodo eum in medio Terminaliorum) et Regifugiib) vel mensis intercalaris ita locarent, ut a suspecto die celebritatem averterent nundinarum. Atgue hoc est, quod quidam veterum retulerunt, non solum mensem apud Romanos, veram etiam diem inter- calarem fuisse.

Dieser Extra-Schalttag bildet einen der bestrittensten Punkte in der ganzen römischen Chronologie. Th. Mommsen) verwirft ihn gänzlich; Huschke) dagegen acceptiert den Bericht des Macrobius, wie gewöhnlich, mit Haut und Haar. ¹

Man sieht leicht, sagt Mommsen,dafs dies nichts ist als ein Kunststückchen, wodurch das leidige 355tägige Jahr aus der Welt geschafft und durch das 354tägige ersetzt werden soll; nicht leicht aber ist wohl ein verkehrter Zweck mit einfältigeren Mitteln verfolgt worden. Denn erstens ist ein 354tägiges Jahr mit einem Schalttag keineswegs ein 355tägiges Jahr. Zu- gegeben.

Zweitens dünkt ein Schalttag neben einem Schaltmonat mir wenigstens eine üble Erfindung, und noch übler die Einschaltung des ersteren unmittelbar vor dem letzteren. Mir auch, ebenso wie der ganze römische Kalender; aber das wird vielleicht jene Erfindungen ebenso wenig wie diese hindern, Thatsachen zu sein.

Drittens ist diese Einschaltung»zwischen dem 23. Februar oder dem Schaltmonat« reiner Galimathias. Hört aber auf, es zu sein, wenn man mit seinem Bruder et Regifugii einfügt,was sich hören lässt, wie Mommsen anmerkungsweise selbst zugiebt.

) Das alte Römische Jahr S. 52 59. 1*