Aufsatz 
Das botanische Pensum der Tertia. Anhang: Übersicht der Klassen des Linné'schen Systems
Entstehung
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Der Umſtand, daß die dritte Klaſſe der Landwirtſchaftsſchulen Schüler von Gymnaſien und Realſchulen, ſowie privatim Vorbereitete aufnimmt, deren botaniſche Kenntniſſe höchſt ungleich, oft kaum niedrig genug anzuſchlagen ſind, macht einerſeits einen Beginn mit den erſten Elementen nötig, wäh⸗ rend andrerſeits die relative geiſtige Reife ein verhältnismäßig ſchnelles Fortſchreiten nicht nur ge⸗ ſtattet ſondern geradezu fordert. So muß die beſchränkte Zahl leichterer Pflanzenfamilien und Ord⸗ nungen, deren möglichſt gründliche Kenntnis Verf. für unbedingt erforderlich hält, bereits im erſten Kurſus angeeignet werden. Aus dieſem Grunde wird von Anfang an die Betrachtung der Blüte und Frucht in den Vordergrund geſtellt und ebenſo die Vergleichung generiſch oder familiär verwandter Pflanzen geübt. Die durchgängig nach der Blütezeit geordneten Übungspflanzen ſind ent⸗ weder, mit wenigen Ausnahmen, überall leicht zu beſchaffende wilde, oder, und zwar vorzugsweiſe landwirtſchaftlich wichtige Gewächſe, die ohnehin auf den Verſuchsfeldern der Anſtalten kultiviert wer⸗ den. Es iſt ferner darauf Bedacht genommen, daß unter den gleichzeitig zu betrachtenden Familienreprä⸗ ſentanten ſich faſt ſtets zwei oder mehrere Pflanzen aus ein und derſelben Gattung befinden, wodurch dem Schüler die Beurteilung erleichtert wird, ob die betr. Pflanzen generiſch oder nur familiär ver⸗ wandt ſind. Keineswegs ſoll jedoch der Lehrer gezwungen werden, die morphologiſchen Begriffe immer gerade an der aufgeführten Pflanze zu beſprechen. Deshalb ſind die kurzen Erläuterungen föortlaufend numeriert und bei jeder Pflanze die Nummern, welche früher oder ſpäter an ihr eingeübt werden können, am Schluß aufgeführt. Die Formen der Blätter ſind ebenfalls am Ende der Paragraphen beſchrieben. Hierdurch wurden gleichzeitig die ausführlichen Beſchreibungen der ganzen Pflanzen über⸗ flüſſig, es wurde Raum erſpart und dem Lehrer die Möglichkeit gegeben, einzelne Pflanzen, nament⸗ lich die mit einem* bezeichneten, in einem kürzeren Sommerſemeſter ganz fortzulaſſen. Das Wich⸗ tigere wurde vom Unwichtigeren durch den Druck unterſchieden, die lateiniſchen, morphologiſchen Termini, eine vielfach ganz überflüſſige Belaſtung des Schülergedächtniſſes, zwar in Klammern beigefügt, aber, ſo gut es gehen wollte, durch deutſche Ausdrücke erſetzt. Faſt Alles, was eine verſchiedene morpho⸗ logiſche Deutung zuläßt, wurde fortgelaſſen. So bleibt dem Lehrer volle Freiheit, z. B. die Stel⸗ lung der Ranken des Weinſtocks und des Kürbis nach ſeiner morphologiſchen Parteiſtellung zu er⸗ klären, den Blütenſtand der Aſperifolien als Wickel, oder, auf Grund der neueſten entwickelungsgeſchicht⸗ lichen Unterſuchungen, als dorſiventrale Traube zu deuten. Gattungs⸗ und Familiencharakter ſind nur je einmal nebſt einer Vergleichungstabelle in extenso aufgeführt; bei allen übrigen Gattungen, Familien und Ordnungen ſoll der Schüler die Charaktere entweder unter Leitung des Lehrers, oder ſelbſtändig z. B. in häuslichen Arbeiten zuſammenſtellen. Damit iſt für dieſe ein reicher, ſonſt oft fehlender Stoff gegeben.

Werden in dieſer Weiſe im erſten Kurſus leichter verſtändliche Pflanzen und Abteilungen von ſolchen beſprochen, ſo ſollen im zweiten die ſchwierigeren angioſpermen Holzgewächſe, die Gra⸗ mineen(Getreidearten und Wieſengräſer) Gymnoſpermen u. ſ. w. folgen, bei paſſenden Gelegenheitendie wich⸗ tigeren ausländiſchen Kulturgewächſe abgehandelt und weiter auf morphologiſche und biologiſche Verhältniſſe eingegangenwerden. Am Schluß des zweiten Kurſus folgt die Zuſammenfaſſung der abgehandelten Pflanzen im natürlichen Syſtem. Auf dieſe Weiſe wird(bei 4wöchentlichen Stunden in III und 4 in II) am Ende des dritten Sommerquartals die äußere Morphologie und die Syſtematik abgeſchloſſen und es bleiben noch drei Sommerquartale(eins in II, zwei in I) für Anatomie, Phyſiologie, Kryptogamen und Pathologie übrig. Der vollſtändige, alle drei Kurſe umfaſſende Leitfaden wird mit ausführlicher Vorrede demnächſt bei Winckelmann und Söhne in Berlin erſcheinen.

Anmerkung: Mag man über die Verteilung des Unterrichts auf Sommer und Winter in anderen Disci⸗ plinen denken wie man will Botanik im Winter mit Nutzen treiben iſt nahezu unmöglich, denn auch Anatomie und Phyſiologie können wegen einzelner notwendiger lebender Demonſtrationsobjekte in erſterer, und wegen der Experimente in letzterer mit Nutzen nur im Sommer gelehrt werden, und zudem wird durch zweckmäßig eingelegte Repetitionen aller Schaden vermieden, der aus der ausſchließlichen Behandlung der Botanik im Sommer, der Zoologie im Winter allenfalls erwachſen könnte. Nur eine Pflanze kann zu Ausgang des Winters durchgenommen werden, das Schnee⸗ glöckchen, das deshalb am Ende des erſten Kurſus für eine Stunde aufgeſpart iſt, in der, neben einer Repetition der Pflanzen von 8 1, 8, 15, 23, 38 bezüglich ihrer Verwandtſchaftsverhältniſſe, die Charaktere der Amaryllidaceen und der Ordnung Liliiflorae entwickelt werden.