Aufsatz 
Chronologische Untersuchungen zur Geschichte der Könige von Juda und Israel
Entstehung
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Nach Ahabs Tode fiel nun Meſa von Israel ab; das bedeutet zunächſt, daß er aufhörte, ſeinen Wolltribut(II. K. 3, 4) zu zahlen, nicht aber, daß Israel nun ſofort auch das in Moab beſetzte Gebiet verlor. Letzteres kann vielmehr ſehr wohl erſt nach dem Mißlingen des Feldzuges geſchehen ſein, welchen Joram von Israel mit Joſaphat von Juda gegen Meſa unter⸗ nahm(II. K. 3, 6 27). Nichts hindert, dieſen Feldzug ganz kurz vor Joſaphats Tod(874) zu ſetzen und anzunehmen, daß Medaba entweder in dieſem Jahre oder bald darauf von den Israeliten geräumt worden iſt. Dann hat man genau die 40 Jahre der Inſchrift, wenn anders man ſie haben will. Denn bekanntlich iſt im Hebräiſchen 40 häufig bloß der Ausdruck einer unbeſtimmten großen Zahl, und in dem eng verwandten moabitiſchen Dialekt wird das wohl nicht anders geweſen ſein. Aber man kann die Zahl ruhig feſthalten; denn die Annahme Dunckers, daß Medaba nur zu Omris und Ahabs Zeiten in der Gewalt Israels geweſen ſei, weil die Inſchrift nur dieſe beiden mächtigſten Könige der größten Dynaſtie des Reiches Israel und nicht auch ihre viel weniger be⸗ deutenden Nachfolger nennt, involvirt ein unzuläſſiges argumentum a silentio.

2) Benhadad von Damaskus und Ahab von Israel.

Duncker rückt Ahabs Tod bis 853 herab, weil nach den aſſyriſchen Inſchriften 854 ein König Achabbu von Sirlai zuſammen mit einem Könige Rimmon⸗hidri oder Bin⸗hidri von Damaskus von Salmanaſſar II. geſchlagen wird(II5, 88, 89; 191 193).

Mit der Beſprechung dieſer Identification treten wir in die berühmte Polemik zwiſchen A. von Gutſchmid und E. Schrader ein. Gutſchmid hat ſich bekanntlich in ſeinenNeuen Bei⸗ trägen zur Geſchichte des alten Orients, 1876, in geiſtreicher Weiſe gegendie Aſſyriologie in Deutſchland gewandt, Schrader dieſelbe in ſeiner ErwiderungKeilinſchriften und Geſchichtsforſchung, 1878, mit Lebhaftigkeit zu rechtfertigen geſucht.

Auch die Gleichungen Bin⸗hidri= Benhadad und Achabbu= Ahab hat v. Gutſchmid angegriffen, ohne übrigens die Chronologie dabei in Betracht zu ziehen(S. 47 52). Schrader vertheidigt ſie(S. 356 395) und ſchließt mit den Worten: Man wird, wenn mannicht zu ein⸗ fach unhiſtoriſchen Aufſtellungen ſeine Zuflucht nehmen will, bei dem dermalen vorliegenden Material und bei dem bis jetzt erreichten Verſtändniſſe desſelben für die von uns von Neuem ins Licht geſetzte Löſung ſich entſcheiden müſſen, ohne damit einer künftigen definitiven Entſcheidung präjudicirlich vorzugreifen.

Dieſe Entſcheidung möchte in Folgendem zu finden ſein.

In den aſſyriſchen Inſchriften ſind als Könige von Damaskus vor 800 erwähnt:

Rimmon⸗hidri oder Bin⸗hidri, von Salmanaſſar II. 854 mit Achabbu, dann noch 851, 850 und 846 geſchlagen(D. II5, 244 246).

Chazailu; 842 ſchlägt ihn Salmanaſſar II., ſchließt ihn in Damaskus ein und empf ängt von Jahua Sohn des Chumri(d. h. Jehu von Israel) Tribut; 839 zieht er wiederum gegen ihn, erwähnt aber nicht, daß er ihn bezwungen habe(D. II5, 246, 247).

Mari', 803 von Bin⸗nirar III. unterworfen(D. Ils, 253).

Die hebräiſchen Königsbücher nennen für das 9. Jahrhundert folgende Könige von Da maskus:

Benhadad, welcher 884 883 und 880 gegen Ahab, dann auch gegen Joram von Israel (878 865) Krieg führt und unter dieſem ſtirbt.

Haſael, dargeſtellt als ein Mann, in welchem der Prophet Elias ſchon vor 884 das Werkzeug der Strafe Jehovahs an Ahabs Geſchlecht erblickt(I. K. 19, 15. 17). Von Benhadad zum Propheten Eliſa geſchickt, wird er von dieſem bewogen, ſich an deſſen Stelle zu ſetzen, wie es ſcheint, noch vor dem Regierungsantritt Jorams von Juda, 874(lI. K. 8, 716). Dann ſchlägt er Joram von Israel nebſt Ahasja von Juda 865(lI. K. 8, 28.29; 9, 14. 15; lI. Chron. 22, 5. 6).

Wiederum Haſael ſchlägt den Jehu, wie es ſcheint(lI. K. 10, 30 33), gegen das Ende von deſſen Regierungszeit(837), daun auch Joas von Juda, und zwar nach dem 23. J. der Re⸗ gierung deſſelben, d. h. nach 836(II. K. 12, 6. 17. 18; vgl. II. C. 24, 22 24), undzwang Israel, ſo lange Joahas lebte(reg. 837 820), ſtarb alſo wahrſcheinlich erſt unter deſſen Nach⸗ folger Joas.