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ausſtattete, auch in dem abgelaufenen Jahre neben der feſten Staatsſubvention durch ſonſtige Zuwendungen verſchiedener Art das lebhafte Intereſſe, welches es an dem Gedeihen der Anſtalt nimmt, bethätigt. Die Spitzen der Königlichen Behörden der Provinz und des Regierungs⸗ bezirks haben durch Beſuche, mit denen ſie uns beehrten, das Gleiche gethan. Der Gemeinde⸗ rath hat durch Berufung nicht bloß ausreichender, ſondern vorzüglicher Lehrkräfte, durch Uebernahme der pecuniären Verpflichtungen, die der Stadt aus der Herſtellung des Gebäudes erwachſen ſind, und der Koſten für die ſpecifiſch wiſſenſchaftlichen Einrichtungen an demſelben, ſowie durch vieles Andere uns ſein dauerndes fürſorgliches Wohlwollen bewieſen und dadurch zu ergebenſtem Danke verpflichtet.— Perſönlich habe ich endlich noch meinen Herren Collegen zu danken, deren treuer Eifer, deren ſtetes wahrhaft collegialiſches Zuſammenwirken, deren oft bis an die Grenze des Möglichen gehende Thätigkeit auf das Weſentlichſte dazu beigetragen hat, die neue Anſtalt ſo raſch über die großen Schwierigkeiten einer erſten Organiſation hinwegzubringen, wie das bei uns geſchehen iſt.—
Doch nun genug von uns und unſerer Anſtalt im Speciellen. Ich wende mich einem zweiten Punkte zu, den ich heute, wo ich zugleich vor dem landwirthſchaftlichen Bezirksverein“*) zu ſprechen die Ehre habe, noch erörtern wollte, der Frage nämlich, die wohl noch eine geraume Zeit immer wieder aufgeworfen werden wird: Aber wozu denn dieſe Anſtrengungen, wozu überhaupt dieſe ganze neue Organiſation? Warum ſoll es für einen jungen Menſchen aus dem landwirihſchaftlichen Mittelſtande nicht mehr ausreichen, wenn er eine der beſtehenden höheren Schulen, etwa das Gymnaſium, bis Secunda beſucht, ſich dort die nöthige all⸗ gemeine Bildung und das Einjährig⸗Freiwilligenrecht erwirbt und dann ſich praktiſch mit der Landwirthſchaft beſchäftigt, wie es die Väter gethan?
Die Antwort auf dieſe Frage deutet wiederum jenes Bild an, das dort hängt. Sie ſehen in der Mitte deſſelben Alexander von Humboldt dargeſtellt; um ihn gruppiren ſich die Väter der deutſchen Landwirthſchaft; unter Humboldt ſieht man Liebig. Warum dies?
Liebigs Hauptwerk„Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur“ iſt A. v. Hum⸗ boldt gewidmet. In der Widmung(1840) ſagt er von ihm:
„Zu Ende der Sitzung(der Pariſer Akademie der Wiſſenſchaften, in welcher Liebig ſeine erſte Arbeit zum Vortrag brachte) vom 28. Juli(1823) näherte ſich mir, aus der Reihe der Mitglieder der Akademie, ein Mann und knüpfte mit mir eine Unterhaltung an; mit der gewinnendſten Freundlichkeit wußte er den Gegenſtand meiner Studien und alle meine Beſchäf⸗ tigungen und Pläne von mir zu erfahren; wir trennten uns, ohne daß ich, aus Unerfahrenheit und Scheu, zu fragen wagte, weſſen Güte an mir Theil genommen habe.
Dieſe Unterhaltung iſt der Grundſtein meiner Zukunft geweſen, ich hatte den für meine wiſſenſchaftlichen Zwecke mächtigſten und liebevollſten Gönner und Freund gewonnen.
Unbekannt, ohne Empfehlungen, in einer Stadt, wo der Zuſammenfluß ſo vieler Men⸗ ſchen aus allen Theilen der Erde das größte Hinderniß iſt, was einer näheren perſönlichen Berührung mit den dortigen ausgezeichneten und berühmten Naturforſchern und Gelehrten ſich entgegenſtellt, wäre ich, wie ſo viele Andere, in dem großen Haufen unbemerkt geblieben und vielleicht untergegangen; dieſe Gefahr war völlig abgewendet.
Von dieſem Tage an waren mir alle Thüren, alle Inſtitute und Laboratorien geöffnet; — Ihr Vertrauen bahnte mir den Weg zu einem Wirkungskreiſe, den ſeit 16 Jahren ich un⸗ abläſſig bemüht war würdig auszufüllen.
Wie Viele kenne ich, welche, gleich mir, die Erreichung ihrer wiſſenſchaftlichen Zwecke Ihrem Schutze und Wohlwollen verdanken!— Was die Viſſenſchaften in dieſer beſonderen Beziehung Ihnen ſchuldig ſind, iſt nicht zur Kunde der Welt gekommen, allein es iſt in unſer Aller Herzen zu leſen.
*) Anm. Der landwirthſchaftliche Bezirksverein des Oberlahnkreiſes hielt an demſelben Tage ſeine
Herbſtverſammlung in Weilburg ab; die ſehr zahlreichen Beſucher derſelben beehrten zugleich den Einweihungs⸗
actus durch ihre Gegenwart.


