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Der UÜbergang von der Anschauung zum Lesestücke vollzieht sich auf ganz natür- lichem Wege. Das eine schlieſst das andere nicht aus. Indem die Sätze, die auf Grund der Anschauung gebildet sind, zu natürlichen Gruppen zusammengefaſst werden, entstehen die ersten Lesestücke, die unmittelbare Anschauung geht gewissermaſsen in die mittelbare über und schreitet mehr und mehr zum selbständigen Lesestücke fort. Gut wäre es, wenn die Lesestücke sich in erzählender Form zunächst unmittelbar an das anschlössen, was die Schüler in der Umgebung und auf dem Bilde gesehen und besprochen haben. In jedem Falle wird eine enge Verwandtschaft zwischen dem Lesebuche und der unmittelbaren Anschauung bestehen müssen. Nicht allein, daſs das Lesestück so weit wie mõöglich durch bildliche Darstellungen zu unterstützen ist, sondern das Interesse im einzelnen und ganzen, welches den Hauptvorzug der Anschauung bildet, muſs auch für die Wahl der Lesestücke maſsgebend sein. Ihr Inhalt muls den Schüler so erfassen, muſs derartig seiner Auffassung und seinem Gesichtskreise ange- messen sein, daſs er ihn innerlich erlebt. Kein totes Wort, kein leerer Satz, das ist die Grund- pedingung für das Ziel, für das Denken in der Sprache. Der Schüler muſs stets dermaſsen teilnehmen an dem, was er liest, daſs ihn der Inhalt innerlich ergreift, daſs er, wenn er ihn erzählt oder wenn er auf Fragen darüber antwortet, etwas Selbständiges bietet, etwas Erlebtes wiederzugeben glaubt. Es handelt sich zunächst nicht darum, den Schülern neuen Stoff zuzu- führen, ihnen neue sachliche Wissensgebiete zu eröffnen, sondern darum, den Stoff, den das Leben und die übrigen Unterrichtsgegenstände dem Schüler geboten haben, mit Rücksicht- nahme auf die Verschiedenheit, mit der zwei Völker denselben Gegenstand und dasselbe Vor- kommnis betrachten, in das Gewand der fremden Sprache zu kleiden. Sachlich könnte man zunächst die fremdsprachlichen Stunden als Wiederholungsstunden betrachten, wobei es natürlich ist, daſs die Rücksicht auf die Form und auf die abweichenden Verhältnisse des Landes, des Sprache gelehrt wird, eine Auslese und Einschränkung des Stoffes gebietet, der in anderen Stunden in deutscher Sprache behandelt worden ist. Aus diesem Gesichtspunkte ist es höchst wünschenswert, daſs sich in der Hand des Lehrers nicht nur Bücher befinden, welche dem Sprachunterrichte in dem betreffenden Lande zu grunde gelegt werden, sondern auch solche, welche die naturgeschichtlichen, die mathematischen Gegenstände, die Geschichte und Geo- graphie behandeln und in den fremden Schulen eingeführt sind. Auch die Erreichbarkeit pädagogischer Zeitschriften, welche ein Bild von der Behandlung verschiedener Unterrichts- gegenstände in den fremden Schulen geben, ist sehr erstrebenswert. Die beste Gewähr für ein sicheres Vorgehen bôten zeitweise gegenseitige Besuche der Lehrer der verschiedenen Länder, Besuche freilich, die erst dann wahren Nutzen stiften würden, wenn die Gesetze der Lautwissenschaft allgemeiner bekannt sind, als es zur Zeit noch der Fall ist, wenn die Lehrer, wenigstens die, welche Sprachunterricht erteilen, sich losgerissen haben von der Herrschaft des Buchstaben und sich klar bewuſst sind, wie sie und ihre Landsleute sprechen. Ob Bücher, welche in den fremden Schulen gebraucht werden, in die Hände der Schüler zu legen sind, das hängt von dem Zustande der pädagogischen Litteratur des betreffenden Landes ab, grund- sätzlich scheint mir die Frage sehr der Erwägung wert. Seien es aber ursprüngliche oder besonders für deutsche Schulen bearbeitete Bücher, wie dieselben in den Grundzügen beschaffen sein müſsten, darüber kann kein Zweifel obwalten. Engste Anlehnung an den Vorstellungs- kreis des Schülers und das dadurch ermõglichte Interesse für das Neue, für die Form, ist die erste und unerläſslichste Anforderung, welche an den Sprachstoff für den fremdsprachlichen


