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drückt, ganz am Platze, wenn mit„mutatio“ ein Wort vom Schriftsteller gebraucht wird, durch dessen Zusammenstellung mit„detractio“ und„adjectio“ alle in§ 6 erwähnten Arten umfasst werden.
Die Überlieferung in III, 6, 12:„nec in causa Milonis circa primas quaestiones, quae sunt ante pro(h)oemium positae, judicabo conflixisse causam“ enthält in„ante prooemium“ sicher einen Fehler, denn die„quaestiones“ stehen bei Cicero thatsächlich nicht„ante prooemium.“ Als Verbesserungsvorschläge führt Halm in seiner Ausgabe folgende an:
juxta(vel: post) prooemium(Regius),
ante in prooemium, i. e. ut faciant prooemium(Badius), tamquam prooemium(Luenemann),
y„& οουνοο(Buttmann),
ante pro prooemio(T. Baden).
Halm selbst hält den ganzen Satz„quae sunt ante prooemium positae“ für ein Einschiebsel und klammert ihm als unecht ein.
Die Vermutungen, welche den Sinn in den Relativsatz legen, dass bei Cicero die Fragen die Stelle des„prooemium“ vertreten, scheinen mir sachlich das Richtige zu treffen. Nach Halms Anmerkung vergleicht T. Baden mit unserer Stelle IV, 2, 26:„ergo hae quoque quaestiones(ge- meint sind die III, 6, 12 bezeichneten) vim prooemii obtinebant“, mit vollem Recht. Desgleichen lassen sich mit unserer Stelle zusammenhalten:
IV, 1, 30— 31. Sed ex iis quoque, quae non sunt personarum nec causarum, verum adjuncta personis et causis, duci prooemia solent... Ad causam extra pertinent tempus... locus... habitus, unde pro Milone...(Von dem„habitus“ handelt bei Cicero die erste„quaestio“, vgl. IV, 2, 25. Hier nennt also Quintilian die„quaestiones“ geradezu„prooemium“.)
IV, 3, 17. unde Ciceroni quoque in prooemio, cum diceret pro Milone, degredi fuit necesse.
Die angeführten Stellen, besonders IV, 2, 25— 26, beweisen, dass die Vermutung„juxta (vel: post) prooemium“ nicht richtig ist. Mit dem, was Qu. IV, 2, 25— 26 ausdrücklich als„quae- stiones“ bezeichnet, beschäftigt sich Cicero ja von den ersten Worten seiner Rede an.
Einen Grund den ganzen Relativsatz für eingeschoben zu halten sehe ich nicht. Wer einen solchen Zusatz machte, musste doch über jene„quaestiones“ selbst unterrichtet sein und hätte dann wohl, zumal wegen dar bald folgenden Stelle IV, 2, 26, nicht„ante“ geschrieben. Es kommt, denk ich, nur darauf an, das sicher falsche„ante prooemium so zu ändern, dass der durch IV, 2, 26 als richtig nabogelegte Sinn hineinkommt. Was T. Baden vorschlägt,„ante pro prooemio“, hat Buch- stabenwahrscheinlichkeit für sich; aber das„pro pro...“ traue ich dem Quintilian nicht zu. Ich kenne bei ihm nichts Ahnliches. Mit I, 8, 18„persequi quidem, quid quis umquam...“ kann man es doch wohl nicht verteidigen.— Die grösste äusserliche Wahrscheinlichkeit erreicht jedenfalls Buttmanns Vermutung dyrl xροωιυνμ⁴ιο Zur Beurteilung derselben gehört eine Berücksichtigung des Verhaltens unseres Schriftstellers gegenüber den Fremdwörtern, im besonderen gegenüber den griechischen. Die aus anderen Sprachen als der griechischen entlehnten Fremdwörter weist Quintilian zurück; ihre Anwendung gilt ihm rundweg als„barbarismus“(I, 5, 8). Anders steht er den aus dem Griechischen entlehnten Wörtern gegenüber. Er liebt den Klang griechischer Laute sehr(XII, 10, 27— 28). Es finden sich bei ihm eine recht grosse Zahl griechischer Wörter, teilweise aurch lateinische Formbildung ein klein wenig nach römischem Schnitt gekleidet, teil. weise ganz im Gewande ihrer Heimat. Unter dieser Menge gibt es aber eine erhebliche Anzahl von Beispielen, wo ein zugesetztes„quod Graeci vocant“ oder dergleichen uns daran hindert, im eigent-
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