— 9—
einer Stelle nicht genügend versteht, ist es seine Pflicht, durch Besprechung derselben dem Schüler das Verständnis zu vermitteln.
Aus der öfter wiederkehrenden sprachlichen Erscheinung die Regel zu finden wird der Schüler meist mit Hilfe des Lehrers imstande sein; hierfür die knappste und bezeichnendste Form des Ausdrucks zu geben ist Sache des Lehrers, bezw. des Lehrbuchs. Man wird diese Regeln auch fest einprägen, auswendig lernen lassen, damit sie bei Gelegenheit gleicher Spracherscheinung in dieser Form wiedergegeben werden können. Gewöhnlich wird der Lehrer auch leicht angeben können, warum gerade diese Form der Regel die beste ist, und er wird gut daran thun, dies nicht zu unterlassen, da es stets ein grosser Gewinn für den Unterricht ist, wenn der Schüler das Warum dessen begreift, was ihm geboten oder von ihm verlangt wird.
Je mehr gelesen werden kann und je weniger man es versäumt, das, was sich schematisch und systematisch zusammenschliesst, auch mechanisch zu üben und einzuprägen, um so grössere Sicherheit in der Formenlehre und in der Syntax wird der Schüler erlangen, namentlich wenn auch beizeiten der freie mündliche Gebrauch der französischen Sprache, das Sprechen, geübt wird. Schon im ersten Unterrichtsjahre kann dies geschehen. Anfangs wird es, wie auch das Über- setzen, ein blosses Reproduzieren, ein Wiedergeben, ein Wiederzusammenstellen von Formen sein, die dem Schüler soeben vorgeführt sind, vielleicht zu allererst ein Nachsprechen des Vor- gesprochenen, ein Ablesen aus dem Buch. Aber alsbald muss es eine gewisse Selbständigkeit gewinnen, wenn es sich auch noch so eng an das eben Durchgenommene anschliesst. Wie man im Deutschen auf die Antworten in vollständigen Sätzen hält, nicht mit abgerissenen Worten sich begnügt, so muss dies im französischen Unterricht natürlich auch geschehen. Nach und nach wird die Unterhaltung zwischen Lehrer und Schüler eine freiere Form annehmen können, und in den oberen Klassen wird sie zuweilen die Übersetzung eines Stückes ersetzen können, namentlich wenn das ausdrucksvolle Lesen der betreffenden Stelle durch den Schüler sicher erkennen liess, dass er Verständnis für dieselbe hatte. Die gleichzeitige Ubung im mündlichen Gebrauch der Sprache wird später, im Leben, jedem sehr zu gute kommen, schon dadurch, dass die Scheu anders als in der Muttersprache sich auszudrücken rechtzeitig überwunden ist; sodann wird sie auch auf der Schule ihre Früchte tragen, indem sie den französischen Aufsatz ganz wesentlich erleichtert. Ein gewisses Sicherheitsgefühl für den mündlichen Ausdruck wird auch den schriftlichen Gedankenausdruck leichter machen, obschon dieser natürlich viel stärkere Anforderungen, namentlich auch bezüglich des sinngemässen Zusammenhanges und des Stils, stellt.
Die Behandlung des syntaktischen Lehrstoffs in französischer Sprache wird von den Lehr- plänen mit Recht als dem Verständnisse nachteilig und für die Sprachübung von unerheblicher Bedeutung bezeichnet. Verständnis wird man immer am sichersten und schmellsten durch die Muttersprache herbeiführen.—
Ganz besonders wichtig für den französischen sowie überhaupt für den neusprachlichen Unterricht ist das Auswendiglernen poetischer und prosaischer Stücke. Es setzt sich auf diese Weise nicht blos der Wortklang mehr im Ohr, der Wortsinn besser im Gedächtnis fest; auch Formenlehre und Satzlehre gewinnen feste Anhaltspunkte an dem Auswendiggelernten. Für den Anfang empfiehlt sich das Lernen von Gedichten, namentlich von Liedern, welche die Schüler nach einer ihnen bekannten Melodie singen können; z. B.: J'avais un camarade, Le meilleur d'ici-bas. Natürlich müssen auch die einfachsten Lieder, die etwa in Quinta gegeben werden sollen, dem


