Aufsatz 
Lehrplan für den Unterricht im Französischen am Realgymnasium zu Cassel : in Gemeinschaft mit den Fachlehrern entworfen und dem Königlichen Provinzialschulkollegium eingereicht / von Wilhelm Wittich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

genommen, so kann die Arbeit keine Schwierigkeiten machen; sie muss bei Schülern, die ihre Pflicht gethan und nicht leichtfertig sind, gut ausfallen. Dies verleiht Selbstvertrauen; und ist dies vor- handen, dann freut sich der Schüler jedesmal auf die Gelegenheit seine Kenntnisse zeigen zu können.

Wie für andere Unterrichtsgegenstände muss auch hier die Forderung peinlichster Gewissen- haftigkeit an die Schüler bezüglich der Anfertigung der schriftlichen Arbeiten, auch im Kusseren, gestellt werden. Die Arbeit muss womöglich gut, jedenfalls sauber und deutlich geschrieben sein. Der Rand muss scharf eingehalten werden, indem weder über denselben hinausgeschrieben noch Raum davor freigelassen wird. Die Seiten sind vollzuschreiben. In den häuslichen Arbeiten darf nichts korrigiert sein. Der Lehrer muss bei seiner Durchsicht auch auf die unbedeutendsten Dinge, 2. B. die Weglassung oder falsche Setzung eines I-Zeichens, achten; er muss die Fehlerverbesserung genau durchlesen. Diese wird in der Weise unter der Arbeit vorgenommen, dass die ganzen Sätze, nicht bloss einzelne Worte, hingeschrieben werden, und zwar als besondere Arbeit unter die vom Lehrer durchgesehene. Nur bei den Aufsätzen wird der Lehrer die Anderungen im Stil am besten selbst vornehmen und nur Fehler gegen Rechtschreibung, Formenlehre und Syntax besonders ver- bessern lassen. Ganz ungenügende Arbeiten lässt man am besten ganz abschreiben. Die schein- bare Kleinlichkeit bei diesem ganzen Verfahren wird um so sicherer reiche Früchte tragen, je früher sie den Schüler an Ordnungsliebe und Gewissenhaftigkeit gewöhnt; für den Anfangsunterricht ist sie darum besonders wichtig, wie dessen Beschaffenheit ja überhaupt für den Schüler von der verhängnisvollsten Bedeutung sein kann.

Die Übersetzung ins Deutsche ist natürlich anfangs eine ganz wörtliche; das muss schon der UÜbersetzungsstoff selbst fordern. Sobald zu längeren zusammenhängenden Stücken übergegangen wird, treten auch die Verschiedenheiten der beiden Sprachen hervor; die wörtliche Übersetzung ist nicht mehr immer möglich. Es muss gutes Deutsch sein, was zur Wiedergabe gewählt wird, und der Schüler muss sich merken, wie der dem französischen Sprachgeist entsprechende Ausdruck lautet, um diesen in der Übersetzung ins Französische oder im freien mündlichen Verkehr anwenden zu können. So gewinnt er Bekanntschaft mit den wichtigsten Synonymen und erwirbt mit der Zeit einen für das Verständnis der zur Schullektüre geeigneten prosaischen und poetischen Schriftwerke ausreichenden Wortschatz.

Anfangs wird bei der Übersetzung die Erklärung der Formen wie des Satzbaues nicht übergangen werden dürfen. Soll doch überhaupt nur an dem Satz Grammatik getrieben werden. Der Schüler muss wo möglich selbst die neuen sprachlichen Erscheinungen am besten bringt jeder neue Satz nicht mehr als eine solche erkennen und sie zu erklären versuchen. Die Ordnung der UÜbungssätze oder UÜbungsstücke muss eben so beschaffen sein, dass aus der Aufeinanderfolge der Einzelbeobachtungen von selbst das System sich aufbaut, dass namentlich z. B. das Schema der Konjugation nach und nach vor dem Ohr und vor dem Auge des Schülers entsteht, so dass er es sich selbst um so leichter zusammensetzen kann, als er das Konjugieren selbst bereits in Sexta am Lateinischen gelernt hat. Dies schliesst die Notwendigkeit förmlicher Einübung und fester Ein- prägung nicht aus, wobei wieder das Chorsprechen zu öfterer Anwendung kommen kann. Was dann aus der Grammatik bereits erkannt, geübt und fest geworden ist, braucht künftig beim Über- setzen nicht mehr hervorgehoben zu werden; nach und nach wird man dazu kommen, neue gram- matische Erscheinungen nur selten noch erklären zu müssen. Es ist wünschenswert, ansprechende Lesestücke ganz ohne grammatische Bemerkungen mit den Schülern übersetzen zu können. Aber sobald der Lehrer im einzelnen Falle merkt, dass der Schüler den grammatischen Zusammenhang