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Schülern zu erreichen, hat je nach dem in der betreffenden Gegend herrschenden Dialekte einen verschiedenen Grad der Schwierigkeit; aber bis zu einem gewissen Grade muss diese Aufgabe jedenfalls erfüllt werden.“
Die Erkenntnis der Wichtigkeit und Schwierigkeit dieser Aufgabe hat einerseits die phone- tischen Studien bei uns ins Leben gerufen, andererseits die Forderung nahegelegt, dass der Lehrer des Französischen eine Zeitlang in Frankreich selbst gelebt habe, um dort durch Hören und Sprechen Ohr und Zunge so zu üben, dass er zu voller praktischer Anwendung bringen kann, was die Laut- lehre ihm über die Aussprache der fremden Laute angibt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass eine gründliche Kenntnis der Lautlehre und ein gut benutzter nicht zu kurzer Aufenthalt in Frankreich höchst wichtige Mittel zur Ausbildung des Lehrers des Französischen sind. Vor allen Dingen muss derselbe imstande sein den Schülern das zu Lernende gut vorzusprechen und deutlich zu hören, ob sie es richtig nachsprechen. Sodann muss er, wo wiederholtes Vorsprechen und Nachsprechen- lassen nicht ausreicht dem Schüler die richtige Aussprache beizubringen, es verstehen, die richtigen Angaben über die Lautbildung zu machen, wodurch der schlechthörende oder die Sprachwerkzeuge unrichtig anwendende Schüler darauf hingeführt wird, nunmehr Lippen, Zähne, Zunge, Gaumen u. s. w. So anzuwenden, dass der richtige Laut zustande kommt. Hierbei kann der Lehrer auch einiges über die Bildung der Laute im allgemeinen hinzufügen, jedenfalls muss er sich davor hüten, ein lautphysiologisches System, besonders vor den Schülern der unteren Klassen, aufhauen zu wollen. Es ist immer ein Zeichen geringer pädagogischer Erfahrung, wenn man das, was man selbst gelernt hat, nicht früh genug mitteilen zu können glaubt. In der Beschränkung zeigt sich der Magister.
Um nun die Schüler möglichst rasch zu guter französischer Aussprache zu bringen, wird man am besten folgendermassen verfahren. Der Lehrer spricht, bezw. liest ein zusammenhängendes Stück vor, gibt den Inhalt desselben wieder und lässt dann einzelne Sätze nachsprechen und deren Übersetzung wiederholen. Nachdem er so einen allgemeinen Begriff davon gegeben, wie Franzö- sisch klingt und was das dem Ohr so Neue bedeutet, geht er methodisch in der Weise vorwärts, dass er vom einzelnen Satz sehr bald zum zusammenhängenden Stück gelangen kann. Die Ein- fachheit der französischen Deklination ermöglicht ihm rasch zum Verbum überzugehen, den Übungssätzen einen nicht zu unbedeutenden Inhalt zu geben und zusammenhängende Stücke ohne Schwierigkeit zu lesen, vorausgesetzt, dass diese richtig ausgewählt, bezw. im Anfang richtig zusammengestellt sind. Jedenfalls muss vom zusammenhängenden Gedanken, nicht vom Wort, nicht vom einzelnen Laut, nicht vom Zeichen für denselben, dem Buchstaben, oder gar von der Laut- lehre, der Hervorbringung von Lauten überhaupt, ausgegangen werden.
Allerdings wird auch die Einübung einzelner Laute notwendig werden, da namentlich, wo dieselbe besondere Schwierigkeiten macht, wie die Aussprache des j und g sowie des erweichten! fast überall in Deutschland, wie die des stimmhaften s, der tenues und namentlich der mediae sowie des v und der Nasale besonders in unserer Gegend; aber der Lehrer wird diese Einübung an ein wirkliches Beispiel knüpfen, das im Satz sich bietet, nicht etwa vom Einüben einzelner Laute ohne solche Beispiele ausgehen. Wenn diese Regel des Ausgehens vom Gedanken im Sprach- unterricht überhaupt jetzt ziemlich allgemein gilt, so muss sie für den in einer lebenden Sprache ganz besonders massgebend sein. Die einzelnen Sätze werden also vorgesprochen und zunächst nur vom Lehrer übersetzt. Dann wiederholt ein Schüler, in der ersten Zeit gewöhn- lich ein sitzengebliebener, der den Kursus schon einmal durchgemacht, oder ein solcher neuer, der besonders gutes Ohr und entsprechende Aussprachebefähigung zeigt, den Satz mit deutscher Uber-


