18
8. V: In einem glatten erhabenen Ringe Kopfbild des Kaiſers von der linken Seite. Um⸗ ſchrift auf etwas erhöhter Randfläche: GVIILELMVS I IMPERATOR GERMAN. BORVSSIAE REX Eine Roſette gerade unter dem Kopfbilde. Am Rande abermals ein erhöhtes Reifchen.
R: Innerhalb eines glatten erhabenen Rings die Inſchrift: A. D. IV CAI. JICN. MDCCCLXXIX Außerhalb des Ringes auf etwas höherer Nandfläche die Umſchrift: UNIVERSI-
ATE LITTERAR. PHILIPPINA NOVIS AEDIBUS INSTRUCTA. Roſette. Am Rande ein erhöhtes Reifchen.
Größe: 78 mm D.
Bei dieſer Hochſchule haben wir noch der Medaillen zu gedenken, die auf den ſeiner Zeit be⸗ rühmten Philoſophen Chriſtian(ſeit 1745 Freiherrn von) Wolf geprägt ſind. Er war ſeit 1706 Pro⸗ feſſor der Mathematik in Halle a. S., mußte aber auf einen Cabinetsbefehl des Königs vom 8. No⸗ vember 1723 binnen 48 Stunden bei Strafe des Stranges die preußiſchen Lande verlaſſen. In Kaſſel wurde er vom Landgrafen Karl huldvoll aufgenommen und zum erſten Profeſſor der philoſophiſchen Fakultät zu Marburg ernannt, wo er 17 Jahre wirkte, bis er 1740 von König Friedrich II. wieder nach Halle zurückberufen wurde.
9. V: Bruſtbild mit Perrücke von der rechten Seite, in der Gewandung V.(Veſtner), darunter c. PR. S. C. M.(d. h. CUM PRIVILEGIO SACRAE CAESAREAE MAIESTATIS). Umſchrift: CHRI- STIAN. WOL.F. CONS. REGIM. HASS. PROF. PRIM. MATIH.& PHIL. MARBURG.
R: Inſchrift: ENÆvVI] NOSTRIHERMEITEN TRISMEG. NAT. VRATISL. A. MDCLXXIX D. XXIV. IAN.] QUIMATHESIN PERVIAM]PIHILOSOPHIAM]FIRMAM ET UTILEMREDDIDIT CLARE ET DISTINCITEVTRAMOVE DOCUITHALAE AB A. MDCCVIMARBURGI AB A. MDCCXXIII NXEMINI GRAVISNISI AEMUIIS. Darunter eine Verzierung, darüber ein ſechsſpitziger Stern.
Größe: 43 mm D. Sie exiſtiert in Silber, Kupfer und Zinn.
Die andern beiden zu Wolfs Verherrlichung geſchlagenen Medaillen haben keinen direkten Bezug auf Marburg; man findet ihre genaue Beſchreibung bei Hoffmeiſter, Nr. 5205 und Nr. 6460 und bei Laverrenz, die Medaillen und Gedächtniszeichen der deutſchen Hochſchulen, Teil II, S. 49.
II. AUkademiſche Inſtitute.
1) Collegium Carolinum in Kaſſel. Der gelehrte Landgraf Moritz(1592 bis 1627), der eine große Thätigkeit auf dem Gebiete des Scchulweſens entfaltete, hat auch namentlich für die höheren Schulen in Kaſſel viel gewirkt und hat hier den Grund gelegt zu einer eigenartigen Anſtalt, die unter verſchiedenem Namen und mit veränderten Zielen nach manchem Untergange und häufiger Neugründung faſt zwei Jahrhunderte hindurch beſtanden hat. Obwohl uns hier nur die letzten Jahrzehnte ihres Lebens beſchäftigen werden, ſo möchte ich doch in ein paar Strichen die Entwickelung derſelben, die einer genauen Darſtellung würdig erſcheint, verfolgen. Den Anfang bildet die im Jahre 1595 errichtete, von Th. Hartwig ausführlich behandelte, fürſtliche Hofſchule, welche ſchon am 3. Oktober 1599 unter dem Namen: Collegium Mauritianum zu einer Akademie erweitert wurde. Im Jahre 1605 verband ſie der Landgraf mit der Univerſität Marburg, aber ein Stamm blieb hier unter ſeiner eigenen Aufſicht, der dann zu einer förmlichen Ritterakademie ausgebaut wurde. Das an die Brüderkirche ſtoßende, ehemalige Kloſtergebäude der Kar⸗ meliterbrüder wurde dazu eingerichtet, und die Anſtalt am 15. Februar 1618 unter dem Namen Col- legium Adelphicum Mauritianum eingeweiht, die„zur Beförderung der ſtudirenden rittermäßigen Jugend in Künſten und Sprachen, ſodann zur Anführung in allen ritterlichen Tugenden und Uebungen“ dienen ſollte. Aber die folgenden Kriegsjahre wirkten ſehr ungünſtig auf den Beſuch der Schule ein.


