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Wiſſenſchaftliche Beilage II. zum Programm 1 NM 4 der Oberrealſchule in Kaſſel.’ Ves⸗.
Oſtern 1894.. 7
Über Öchulmünzen im ehemaligen Kurheſſen.
Von
Oberlehrer Dr. Karl Knabe.
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Die Pädagogik iſt ſich einig in der Forderung:„Aller Unterricht muß erziehend ſein!“ Der Zögling ſoll nicht nur eine gewiſſe Summe poſitiver Kenntniſſe ſich aneignen, ſondern ſein Geiſt und Gemüt ſoll vor allem erzogen, d. h. fähig werden, das Wahre und Schöne zu erkennen und das Gute um ſeiner ſelbſt willen zu thun.
Von einem Kinde kann man die dazu nötige Einſicht und Reife noch nicht verlangen, und darum geht das Streben jeder geſunden Erziehung dahin, dem Schüler die Liebe zur Sache zu eigen zu machen, ihn ohne weitere äußere Reizmittel zu veranlaſſen, ſeine Schuldigkeit zu thun. Trägt doch das Bewußt⸗ ſein der erfüllten Pflicht den ſchönſten Lohn in ſich ſelbſt! Fleiß und gutes Betragen wird ja durch die Zeugniſſe, die Rangordnung und durch das Aufſteigen in höhere Klaſſen in ſo angemeſſener Weiſe belohnt, das Lob eines Lehrers, die Anerkennung des erfolgreichen Strebens eines Schülers vonſeiten der Eltern und Lehrer gewähren ja einem braven Knaben eine ſo hohe Freude, daß es eines äußern Zeichens dafür gar nicht bedarf.
In früheren Jahren dachte man nicht ſo, vielmehr hat man in Belohnungen von Schülern oft jedes Maß überſchritten und hierdurch einer richtigen Erziehung derſelben weit mehr geſchadet als ge⸗ nützt. Allgemein bekannt iſt ja, daß in den Jeſuitenſchulen und von deren Nachahmern die Anregung zum gegenſeitigen Wetteifer mit größter Erregung des Ehrgeizes eine bedeutende Rolle geſpielt hat. Daß durch den Hinweis auf eine Auszeichnung und durch ein hieraus ſich ergebendes Streben der Zöglinge die Er⸗ ziehung zur wahren Sittlichkeit nicht gefördert werden kann, liegt auf der Hand. Darum ſind Be⸗ ſtimmungen, wie wir ſie in einer Jeſuitenſchule finden, von einer guten Pädagogik längſt verurteilt und verworfen.„Die öffentliche Preisverteilung“, ſo leſen wir,„wird mit aller möglichen Zurüſtung und bei volkreicher Verſammlung gefeiert..... Die Namen der Sieger werden öffentlich verkündigt; ſie treten in die Mitte hervor, und darnach werden einem jeden ſeine Prämien ehrenvoll verteilt, nicht ohne ein ſehr kurzes, der Sache ſehr angemeſſenes Carmen, welches von dem Präfekten zuvor geſehen und ap⸗ probiert ſein muß.“


