Aufsatz 
Anschauliche Darstellung vom Bau und Laub der Holzgewächse / vom ... Karl Völker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Finden wir doch z. B. noch im Jahrgange 1810 des Wetzlariſchen gemeinnützigen Wochenblattes in einigen Nummern amtlich die durch Prämien und durch öffentliches Lob für Fleiß und gute Auf⸗ führung belohnten Schüler und Schülerinnen in den dortigen Schulen aufgeführt! Auch hier in Kaſſel haben wir in der am 1. Oktober 1812 gegründeten Bürgerſchule eine ausführliche Anweiſung inbetreff des Cenſurweſens in dem Berichte vom Jahre 1818, dem ſehr bezeichnend als Motto vorangeſetzt iſt: Das Ehrgefühl ſteigert den Wert des Menſchen immerfort und läßt ihn nicht bis zum letzten Hauche. Die andern Triebfedern zur Thätigkeit erſchlaffen, ſobald ſie ſich ausgedehnt haben, wenn die Abſichten erreicht ſind.

Wie richtig ſagt ſolchen Ausſchreitungen gegenüber Herbart in ſeinem Umriſſe pädagogiſcher Vorleſungen:Man ſoll keinen Ehrgeiz künſtlich nähren, aber auch kein natürliches und richtiges Ehr⸗ gefühl erdrücken.

An einer Reihe von Unterrichtsanſtalten werden noch jetzt alljährlich Prämien verteilt, und zwar beſtehen dieſelben meiſtens aus Büchern, was ja den Zwecken der Schule am beſten entſpricht. Freilich iſt hierbei die richtige Auswahl ſchwer und manchem Schüler dürfte wohl die Freude an ſeinem Prämienbuche, die ihm doch bereitet werden ſoll, durch den Inhalt desſelben verringert worden ſein, ſei es, daß er demſelben wenig Intereſſe entgegenzubringen vermag, ſei es, daß er das Buch ſchon beſitzt. Auch wird der weniger bemittelte Schüler über ein gutes Buch eine größere Freude empfinden, als der Sohn reicherer Eltern, die ihn leicht und gern mit guter geiſtiger Nahrung verſorgen. Somit haben Bücher einen ungleichen Wert für die Schüler, ja ſie können ihn in ſpäteren Jahren mehr und mehr ver⸗ lieren. Anders dürfte dies bei Prämienmünzen, ſogenannten Brabeonen, ſein, da auf dieſe dergleichen Ausſtellungen nicht zutreffen. Darum finden wir ſeit langer Zeit auch Medaillen zu dieſem Zwecke ver⸗ wendet, ſo namentlich ſchon ſeit dem 16. Jahrhundert in den Schulen der Schweiz, ferner auch zu Hamburg.

Außer ſolchen Medaillen ſtößt man in der Schulgeſchichte auch auf Erinnerungszeichen für be⸗ ſtimmte Ereigniſſe, wie Gründungs⸗ oder Jubiläumstage, und vielleicht kann manche Münze uns für die Entzifferung der Geſchichte einer Lehranſtalt von nicht zu verachtendem Nutzen werden.

Auch im ehemaligen Kurheſſen treffen wir ziemlich viele Münzen beiderlei Art an. Zunächſt kam ich auf Brabeonen und dann auf Gedächtnisſtücke, ich wurde darauf durch die Mitteilungen der Ge⸗ ſellſchaft für deutſche Erziehungs⸗ und Schulgeſchichte und beſonders durch Herrn Oberrealſchuldirektor Dr. Ackermann zu weiterem Suchen und zu der folgenden Zuſammenſtellung veranlaßt. Letzterem bin ich auch für die Angabe von Litteratur ganz beſonders verpflichtet. Als Hauptquelle diente mir natürlich: Jacob C. C. Hoffmeiſter, Hiſtoriſch⸗kritiſche Beſchreibung aller.... heſſiſchen Münzen, Medaillen und Marken. Die fernere Litteratur bot mir nur geringe weitere Ausbeute, ebenſo wenig eine Anfrage an eine große Anzahl von Schulen unſeres Regierungsbezirks; dagegen fand ſich noch einiges in Münz⸗ ſammlungen, die mir bereitwilligſt zur Durchſicht dargeboten wurden. Allen verehrten Herren, die mir mit gefälliger Auskunft dienten, und beſonders den Herren Verwaltern und Beſitzern von Sammlungen, die mich ſo freundlich unterſtützten, ſage ich auch hier meinen verbindlichſten Dank.

Vielleicht, und ich möchte faſt ſagen: hoffentlich, iſt die nachſtehende Aufzählung noch recht lücken⸗ haft. Möge dieſelbe dazu beitragen, zum Aufſuchen von ferneren Stücken anzuregen, damit auf dieſem beſchränkten Gebiete einmal eine Vollſtändigkeit erzielt werden kann!

I. Univerſitäten.

1) Fulda. Auf Antrag ſeiner jeſuitiſchen Berater gründete der Biſchof von Fulda, Balthaſar von Dermbach, zu wirkſamer Bekämpfung der lutheriſchen Lehre ein Kollegium zu Fulda, das am 20. Oktober 1572 er⸗