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3) Kaſſel..
Veranlaßt durch die Sorge für den Beſtand des reformierten Bekenntniſſes in ſeinen nieder⸗ heſſiſchen Gebietsteilen und durch die Ueberlaſſung Marburgs an die Darmſtädter Linie verwandelte Land⸗ graf Wilhelm V. das 1618 eingeweihte Collegium Adelphicum Mauritianum zu Kaſſel im Jahre 1629 in eine hohe Schule und eröffnete ſie als Univerſität am 2. Januar 1633. Am 16. Juni 1653 wurde dieſe Hochſchule jedoch nach der Wiedervereinigung Marburgs mit Kaſſel durch einen Vergleich vom 14. April 1648 durch Wilhelm VI. wieder nach Marburg verlegt. Sie wurde insgeſamt von der für die da⸗ maligen Verhältniſſe ganz anſehnlichen Anzahl von über 600 Studierenden beſucht. Ihre Annalen und ihre Matrikel ſind in der Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte und Landeskunde N. F. XVIII. Bd. S. 190 bis 327 abgedruckt. Medaillen habe ich nicht gefunden.
4) Marburg.
Durch Philipp den Großmütigen wurde die Univerſität, deren Eröffnung am 30. Mai 1527 und deren Einweihung am 1. Juli desſelben Jahres ſtattfand, in erſter Linie zum Schutze und zur Ver⸗ breitung der evangeliſchen Lehre gegründet. Sie war die erſte deutſche Hochſchule, die ihre Privilegien nicht vom Papſte erhielt; die kaiſerliche Beſtätigung wurde ihr von Karl V. erſt am 16. Juli 1541 er⸗ teilt. Im Jahre 1624 fiel in dem mörderiſchen Kriege zwiſchen den beiden Heſſen Marburg an Darm⸗ ſtadt und kam erſt nach dem weſtphäliſchen Frieden wieder an Heſſen⸗Kaſſel zurück. Zu ihrem 200jährigen Jubiläum ernannte Landgraf Karl ſeinen ſiebenjährigen Enkel Friedrich zum Rector magnificentissimus. Von 1723 bis 1740 wirkte Chriſtian Wolf an der Univerſität in der Zeit, die als die fruchtbarſte in ihrem Leben gilt. Unter der weſtphäliſchen Regierung war die Gefahr der Aufhebung dieſer Hochſchule ſehr groß, nur den Bemühungen des damaligen Generaldirektors des öffentlichen Unterrichts Johann von Müller und des Präfekten zu Marburg Ludwig von Berlepſch war ihre Erhaltung zu verdanken.
Zur 100 jährigen Jubelfeier wurden ſilberne, nach einer alten Handſchrift auch goldene Medaillen ausgegeben mit folgender Prägung:
1. V: Langgelocktes Bruſtbild mit Harniſch, Spitzenkragen und Mantel von der rechten Seite. Darunter der Name des Stempelſchneiders L. S.(d. i. Lorenz Schilling). Darum ein doppelter Ring, außerhalb die zweizeilige Umſchrift: Im inneren Kreiſe: GEORGIUS. D. G. HASSI.E. LANPD- GRAVIUS. FIERI. FECIT. 30. MAV. ANNO. 1627. x Im äußeren Kreiſe in kleinerer Schrift: AD. DIVINI. NUMINIS CELEBRATIONEM. IMPERAT.ROM. VENERATIONEM. REIPUBLICR. CHRANRE. EXRDIFICATIONEM. X
R: Innerhalb eines Ringes die Inſchrift: A: PHILIPPO. HAS.. SIR.LANDGRAVIO PIEFUNDATA. WIILHELAMO.ET. LUDOVICO. SENIORE. FE:]LICITER CONSERVATA. LU: DOVICO. IUNIORE. PRUDEN:TER. RESTAURATA. ET IIBE:]RALITER.AMPLIFICATA. GE: ORGIO. SECULARI. FESTO. ALYSO. BENEFICVYS.LAUDABILITER.ORNATA:
Umſchrift: ACADEMIA MARPURGICA. PIETA TIS.SAPIENTI. Er. VIRTUTIS. OFFICINA. † Am Rande mehrere Ringe.
Größe: 35 mm.
Hoffmeiſter führt hierzu noch drei Medaillen auf, die nur in unweſentlichen Punkten abweichen, ſodaß die Vermutung naheliegt, daß dieſe Verſchiedenheiten nur auf den ungenauen Beſchreibungen ſeiner Gewährsmänner beruhen. Die eine ſoll nämlich auf dem Avers divi ſtatt divini und chr. anae ſtatt chranae(offenbar für christianae), auf dem Reverſe dagegen alüisq: beneficiis, ſtatt alysq beneficys, haben, die andre die Schreibung V ſtatt U und MAlI ſtatt MAY, die Vorderſeite der dritten endlich wird


