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verkehrtes Urteil in Schutz zu nehmen, wirft sie dem Dichter den Gedanken hin, dass er den Hof verlassen müsse. Rasch greift er denselben auf; er will fort, um seinen Gegnern zuvorzukommen,
die ihn doch nur verdrängen möchten. Aber nicht nach Florenz will er, wie die Gräfin nach seinen Wworten ihrem Vorschlag gegenüber glauben muss, sondern weiter, als man glaubt. Der Plan seiner Feinde, deren Werkzeug die Gräfin nur ist, soll ihnen nicht gelingen, nämlich ihn durch den Auf- enthalt am Hofe der Mediceer in Florenz mit Ferrara auf immer zu verfeinden. Freilich, auch die Fürstin wird ihn gern entlassen, wenn er geht, wie ihm Leonore gesagt. Ist auch sie auf dem Weege sich von ihm abzuwenden?
Antonios Ankunft unterbricht ihn in seinem Gedankengang. Der Gegner bringt ihm die Freiheit; er bittet um Verzeihung wegen der Kränkungen, die er ihm zugefügt; er bietet seine Dienste an, wenn er ihm nützen könne. Tasso nimmt ihn beim Wort. Er soll ihm beim Fürsten Urlaub nach
Rom erwirken. Alle Gegenvorstellungen Antonios sind erfolglos; Tasso erklärt selbst zum Fürsten gehen zu wollen, wenn Antonio ihm die Bitte nicht erfülle, und bei seiner Aufregung könne es nur schlimmer mit seinem Verbältnis zu Alfons werden, wenn er jetzt sich persönlich an ihn wende. Antonio verspricht zu thun, was verlangt wird, und Tasso frohlockt, dass ihm schon zum zweiten male die Täuschung gelungen ist. Antonio ist ja sein Feind; er hat ihn aus des Fürsten Gunst verdrängt; auch die Fürstin hat sich von ihm abgewandt, so ruft er sich zu und bestärkt sich nur in der Absicht hartnäckigsten Kampfes gegen seine Gegner, zu denen er jetzt alle seine bisherigen Gönner rechnet.
Ein zweiter Versuch Antonios ihn zum Bleiben zu bewegen scheitert darum ebenfalls, so dass der Staatsmann jetzt alles aufbietet den Fürsten zur Bewilligung des Urlaubs zu bestimmen. Bei Tassos jetziger Verfassung und Stimmung kann Alfons sich doch keine breude von ihm ver- V sprechen; in der Ferne wird Tasso erst würdigen lernen, was er in Ferrara aufgegeben, darum soll
der GWürst ihn ziehen lassen, um ihn nur um so eher wiederzubekommen; und so giebt letzterer denn dem
Minister eben den Auftrag vor Tassos Abreise genügend für ihn zu sorgen, als dieser erscheint, um
Abschied zu nehmen.
Des Herzogs neue Gnade, der auch in der Fremde sich seiner annehmen will, bricht nicht das Eis um des Dichters Herz; die Weigerung ihm sein Manuskript einzuhändigen, che es abge- schrieben sei, und die Warnung„durch strengen Fleiss die liebliche Natur zu kränken, die in seinen Reimen lebt“ erfüllt ihn mit neuem Argwohn, die Aufforderung zunächst seiner Gesundheit zu leben kränkt ihn; um so gerechtfertigter findet er die Verstellung, die er jetzt allen entgegensetzt.
Wird er sie auch bei der Fürstin aufrecht erhalten können?
Der Fürst hat ihm Lebewohl gesagt mit der Versicherung, Tasso werde ihnen um so will- kommener sein, je eher er zurückkehre. Auch die Prinzessin spricht ihm die Hoffnung kurzer Trennung aus. Er spricht von Rom, von Neapel, das er besuchen will, als armer Verstossener.
Der Vorhalt der Prinzessin, dass es eine Kränkung für die Freunde sei, wenn er sich so verlassen wähne, reisst ihn etwas aus den Wahnyvorstellungen, in die er sich gewaltsam verrannt. Er will am entferntesten Besitztum des Herzogs die niedrigsten Dienste verrichten, wenn sie ihn nicht ganz und
gar verstossen will. Der tiefe Schmerz der Prinzessin bei diesen trüben Bildern, die er lebendig ausmalt, ihr Kummer, dass er ihre Freundschaft, ihre Liebe nicht mehr erkennt, öffnet ihm die


