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Augen; ihre Versicherung, dass sie nur sein Bestes wolle und höchstens ungeduldig werde, wenn sie sehe, dass er sich nicht helfen lassen wolle, erfüllt ihn mit immer gesteigertem Entzücken. Die Mahnung der Fürstin sich zu mässigen in seiner Glut ist vergeblich; er stürzt ihr in die Arme, er presst sie an sein Herz, dem er länger nicht gebieten kann.
Gewaltsam hat die Prinzessin sich von Tasso losgerissen und ist davongeeilt, ihr nach die Gräfin, die inzwischen herbeigekommen. Von dem Fürsten der Obhut Antonios übergeben bricht Tasso in wilde Verwünschungen aus gegen alle, die an ihm Anteil nehmen. War doch auch der letzte Vorgang, wie jetzt sein schnell gewandelter Sinn sich einreden will, nur darauf berechnet, ihn ganz zu Falle zu bringen, ihn auf ewig vom Hofe von Ferrara zu verbannen. Der Kranz, den man ihm aufsetzte, sollte ihn nur zum Opfer schmücken; das Manuskript lockte man ihm ab, damit er kein Mittel zum Ruhmesgewinn, zum Gelderwerb in der Fremde habe, damit er sein Werk nicht bessern könne, wie er gewollt.
. PErst nachdem er sich in seinen Lästerungen erschöpft, beginnt er Antonios freundschaft- lichen Vorstellungen zugänglich zu werden, einzusehen, dass dieser es wohl mit ihm meint, dass niemand mit ihm Ubles im Sinne gehabt, dass er allein sich all sein Glück verscherzt. Es wäre nicht zu ertragen, was ihn drückt, wenn der Mensch sich nicht in Thränen Luft machen, wenn der Dichter nicht in Melodie und Rede die Fülle seiner Not klagen könnte. Im Liede wird er künden, wie all sein Glück zusammenbrach, wie er selbst es frevelhaft zerstörte.
Das ist im wesentlichen der Gang der Handlung in dem Götheschen Drama. Wir sehen, es fehlt auch seinem Tasso nicht an krankhaften Zügen; aber sie überwiegen nicht, sie nehmen ihm nicht die Freiheit des Handelns und die Verantwortlichkeit; sie beeinträchtigen nicht die tragische Schuld des Helden.
Sehen wir nun, wie sich der Charakter des Helden darstellt, welchen Grundgedanken das Stück enthält, worin die tragische Schuld Tassos besteht. Man versucht zuweilen mit Schlagworten rasch zu einem Ziel zu kommen. Der Gegensatz zwischen Antonio und Tasso, der ja in erster Linie in die Augen springt, soll der des Realisten und des Idealisten sein. Oder man findet in jenem den Weltmann, in diesem den Dichter verkörpert und beide mit einander in charakteristischen Gegensatz gebracht. Das ist nicht richtig; höchstens könnte man von einem Gegensatz der Fehler reden, welche die Stellung des einen und die des anderen leicht mit sich bringt.
Vom Dichter an sich denkt Göthe viel zu hoch, als dass er diesen im Gegensatz zum Weltmann oder zum Staatsmann untergehen liesse. Nicht Tasso der Dichter geht unter im tragischen Konflikt, sondern Tasso der Mensch. Vom Dichter sagt Göthe in Wilhelm Meisters Lehrjahren: „Wenn der Weltmensch in einer abzehrenden Melancholie über grossen Verlust seine Tage hin- schleicht oder in ausgelassener Freude seinem Schicksale entgegengeht, so schreitet die ompfängliche, leicht bewegliche Seele des Dichters wie die wandelnde Sonne von Nacht zu Tag fort, und mit leisen Übergängen stimmt seine Harfe zu Freud und Leid. Eingeboren auf dem Grund seines Herzens wächst die schöne Blume der Weisheit hervor, und wenn die anderen wachend träumen und von ungeheuren Vorstellnngen aus allen ihren Sinnen geängstigt werden, so lebt er den Traum des Lebens als ein Wachender, und das Seltenste, was geschieht, ist ihm zugleich Vergangenheit und Zukunft. Und so ist der Dichter zugleich Lehrer, Wahrsager, Freund der Götter und Menschen.“
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