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Diese Worte allein geuügen wohl, um zu zeigen, dass Göthe in seinem Tasso nicht den Dichter als solchen an seiner Unzulänglichkeit gegenüber dem Weltmenschen zu grunde gehen lassen wollte; denn das kann niemals geschehen.
Der tragische Konflikt liegt aber auch nicht darin, dass der Dichter sein eigentliches Gebiet, das der Poesie, verlässt und hinaustritt in die Welt der Wirklichkeit, wie Vilmar*) meint; auch diese Lebensauffassung liegt Göthe fern. Vielmehr geht Tasso gerade daran zu grunde, dass er nicht früh genug in die Welt der Wirklichkeit eingetreten ist, dass er nicht gelernt hat und nicht lernen will sich in die Forderungen der Aussenwelt zu finden. Er klingt recht schön, der Ausruf: „Viel lieber, was ihr euch unsittlich nennt, Als was ich mir unedel nennen müsste“, aber er beruht auf dem Eigendünkel, auf der Selbstüberhebung, welche das, was Millionen von Menschen im Laufe der Jahrhunderte als recht und gut erkannt, für sich nicht gelten lassen will, welche von dem Grundsatz ausgeht:„Erlaubt ist, was gefällt“. Dass ihm selbst diese Gefahr nahe gelegen, spricht Göthe in einem Briefe an seine Mutter vom Jahre 1781 aus, wenn er sagt:„Bei der lebhaften Einbildung und Abnung menschlicher Dinge wäre ich doch immer unbekannt mit der Welt und in einer ewigen Kindheit geblieben, welche meist durch Eigendünkel und alle verwandten Fehler sich und anderen unerträglich wird“. Und in unserem Drama selbst wird es öfter, von allen anderen Personen, ausgesprochen, wie es Tassos Fehler ist, dass er die Welt nicht kennt. Beim ersten Auftreten des Fürsten hören wir von diesem die Worte:„Es ist ein alter Fehler, dass er mehr Die Einsamkeit als die Gesellschaft sucht“. Im weiteren Verlauf des Gesprächs mit den beiden Frauen sagt er: 3
Ein edler Mensch kann einem engen Kreise Wiegt nicht die Einsamkeit mehr schmeichelnd 5; 8 ein.
Nicht seine Bildung danken. Yaterland Es will der Feind, es darf der Freund nicht
Und Welt muss aufihn wirken. Ruhm und Tadel schonen;
Muss er ertragen lernen. Sich und andre Dann übt der Jüngling streitend seine Kräfte,
Wird er gezwungen recht zu kennen. Ihn Fühlt, was er ist, und fühlt sich bald ein Mann. Und unmittelbar darauf sagt Alfons:. Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt, Das ist sein Fall, und so wird nach und nach Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen. Ein frei Gemüt verworren und gefesselt. Die Gräfin hat dazwischen zustimmend jenen bekannten Ausspruch gethan: Es bildet ein Talent sich in der Stille, Sich ein Charakter in dem Strom der Welt. Antonio fasst seinen Vorwurf in die scharfen Worte:
Wo schwärmt der Knabe hin? mit welchen Sich für ein einzig, auserwähltes Wesen Farben Und alles über alle sich erlaubt.
Malt er sich seinen Wert und sein Geschick? Er fühle sich gestraft! Und strafen heisst
Beschränkt und unerfahren, hält die Jugend Dem Jünglingwohlthun, dass der Mann uns danke.
Und wenn die Prinzessin auch alle Entschuldigung für Tasso hat, so gesteht sie doch ihrem Bruder den Mangel an Tasso zu, wenn sie sagt:
Und wenn ein Freund, der mit uns wandeln sollte, Doch lieber langsam gehn und unsre Hand Sich einen Fuss beschädigte, wir würden Ihm gern und willig leihen.
*) Uber Göthes Tasso, von A. F. C. Vilmar, Frankfurt a. M., Verlag von Heyder& Zimmer, 1869.


