Aufsatz 
Die Turnhalle der Oberrealschule / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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II

die Turnschuhe nie auf dem Turnplatze gebraucht werden und die Schüler die Halle nur vom Garderobenraum aus in Turnschuhen betreten können, so wird hierdurch die Einschleppung von Staub in die Halle auf ein möglichst geringes Mass beschränkt. Rechts neben dem Um- kleideraum der Schüler befindet sich mit dem Zugang von der Halle her 4 qm gross das Tarn- lehrerzimmer, welches mit Schrank, Tisch und Stuhl ausgestattet ist und auch noch der Auf- bewahrung einzelner Turngeräte dient. Uber beiden Räumlichkeiten liegt in halber Höhe der Turnhalle die mit verzierter hölzerner Brüstung versehene Gallerie, zu der eine viertel- gewundene hölzerne Podesttreppe aus dem Ankleideraum der Schüler emporführt. Aus dem letzteren gelangt man dann durch eine zweiflügelige Fensterthür in die eigentliche Purnhalle. Die Länge derselben beträgt 20 m, ihre Breite 12 m und ihre Höhe 6 m. Die Decke ist eine horinzon- tale unten verputzte Balkendecke mit profilierten sichtbaren Unterzügen. 13 gusseiserne, mit verstellbaren Klappflügeln versehene Fenster von 1,65 m Breite und 2,50 m Höhe spenden reichlich Luft und Licht. Der Fussboden besteht aus Cementbeton und ist mit 7 mm dickem Linoleum belegt. Die Turnlehrer der Anstalt sind mit dieser Ausstattung höchst zufrieden, nicht nur, weil dadurch der Fussboden staubfreier gehalten wird, sondern vor allem, weil durch die Verminderung des Geräusches die Nerven von Lehrern und Schülern wesentliche Schonung erfahren. Inbetreff der Haltbarkeit und des festen Aufliegens des Linoleums lässt sich vor- läufig nur Anerkennendes sagen.

Die Turngeräte sind von der rühmlichst bekannten Firma Jul. Dietrich und Hannack in Chemnitz geliefert worden und zeichnen sich durch praktische Einrichtung, Haltbarkeit, so- wie Eleganz der Form aus. Die grosse Mehrzahl ist vierfach beschafft worden, weil nach neuerer Methode beimGemeinturnen der unteren und mittleren Klassen jedesmal vier Schüler gleichzeitig an demselben Geräte turnen sollen. Einzelne mehr für dasRiegenturnen der oberen Klassen bestimmte Geräte wurden dagegen nur einfach besorgt. Recht bedauerlich ist es, dass die Anschaffung der neuerdings wieder zu Ehren gekommenen Sprungkasten als gesundheitsgefährlich abgeschlagen wurde.

Über die Mitte der Turnhalle läuft der eiserne Träger, an welchem der Rundlauf mit Sicherheitshaken für 8 Strickleitern, sowie 4 verstellbare Trapeze angebracht sind. Beim Nichtgebrauch können diese Gegenstände, einzeln oder insgesamt, durch Leinen nach beiden Seiten in bequemer Weise hochgezogen werden. Die Reckstangen der Trapeze lassen sich herausschnallen, sodass man an ihrer Stelle die 4 Paar Schaukelringe an den Seilen befestigen kann.

An der nördlichen Schmalseite der Halle befindet sich die Rollleitereinrichtung, bestehend aus zwei 5 m langen Leitern zum Senkrecht-, Schräg- und Wagerechtstellen. Dem letzteren Zwecke dienen zwei Leiterböcke, Gestelle, innerhalb deren das untere Ende der Leitern in beliebiger Höhe befestigt wird. Um auch kleineren Schülern die Möglichkeit zur gefahrlosen Verstellung der schweren Leitern zu geben, sind in den hohlen Säulen der Leitereinrichtung Gegengewichte angebracht. Dem Einüben des Tiefsprungs dienen zwej Tiefsprungtritte, welche bei senkrechter Stellung der Leitern in die Sprossen einge- hängt werden.

Am hinteren Ende der dem Hauptgebäude zugekehrten Längsseite der Halle ist die starke eiserne Schwelle angebracht, an der die 4 aus Hanfseil geknöpfelten, 6 m langen