Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XI

2) Der olympiſche Zeus lenkte(und dieſe Vorſtellung iſt bei Auffaſſung der frag⸗ lichen Plat. Stelle beſonders zu betrachten) das Glück der Kämpfer in den Spielen und konnte nach Gefallen den Sieg verleihen, welchem er wollte, daher die Nike⸗Bildſäule am rechten Arm des Zeus von hias welche jedoch nebſtdem noch andre Beziehungen hatte(ſ. Rathgeber a. O. S. 264.)

3) Zum olympiſchen Zeus wurden vor dem Kampfe von den Athleten Gebete gerichtet, beſonders vor dem Looſen(ſ. am a. O. S. 312); es wurde ferner unter an⸗ deren Göttern eben demſelben olympiſchen Zeus von fremden Staaten, den Kämpfern und Siegern, vorzüglich aber vom eleiſchen Staate nach Beendigung aller Wettkämpfe (und dies iſt wieder in Beziehung auf unſere Plat. Stelle beſonders zu merken) das Haupt⸗ und Dankopfer gebracht(ſ. außer Rathgeber Krauſe a. a. O. II. S. 109.)

4) Aber dieſer olympiſche Zeus war nicht bloß durch Gebete und Opfer, d. h. nicht bloß äußerlich zu verehren, und dadurch unterſcheidet ſich ſein Cultus weſentlich von dem übrigen Gütterdienſt, welcher bekanntlich eben dadurch ein fluchwürdiger Götzendienſt wurde, daß mit der äußeren Verehrung keine innere durch Reinheit der Geſinnung(im Geiſt und in der Wahrheit) verbunden zu ſein brauchte; im Gegentheil, man glaubte ſogar die meiſten Götter durch die auf ſie bezüglichen Laſter zu verehren, wie Merkur, den Gott der Kaufleute, durch Diebſtahl, Venus durch Unzucht ꝛc.

Der olympiſche Zeus war im Gegenſatze hievon nebſt dem äußeren Dienſte, was abermals in Bezug auf unſere Plat. Stelle beſonders hervorzuheben iſt, auch vorzugsweiſe durch ſittliche Reinheit, durch gerechte und jedem Frevel entfernte Ge⸗ ſinnung zu ehren, daher

a) der olympiſche Gottesfrieden(rενεέαο⁴α), der indeß auch bei andern Feierlichkeiten

Statt hatte;

b) der Ruf der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, in dem die Preisrichter der olym⸗ piſchen Spiele, die Hellanodiken, ſtanden;

c) der Ausſchluß aller Hellenen von den olympiſchen Spielen, welche entweder ſelbſt,

oder die Staaten, denen ſie angehörten, eine Aſebeia(Mangel an Ehrfurcht

gegen die Götter im Reden und Handeln), beſonders gegen den olymp.

Zeus ſich hatten zu Schulden kommen laſſen;

d) die 6ννυιαάηνασηα Jr1x 69 ʃ der Hellanodiken an die Athleten, ehe ſie in das Stadium traten:Wenn Ihr Euch den Mühen unterzogen habt, ganz ſo, wie es ſich für die ziemt, die Olympia betreten wollen, wenn Ihr nichts Leichtſinniges, noch Un⸗ edles gethan habt, ſo kommt muthig vertrauend; die aber von Euch, die ſich nicht alſo geübt haben, gehet, wohin Ihr wollt(ſ. Rathg. a. a. O. S. 312);

e) die Eidesabnahme der Hellanodiken nicht nur von den Athleten, ſondern auch von