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Ibrer gedachten Anmerkung die Luſt an, der angefochtenen Stelle mich anzunehmen, eben die Spuren verfolgend, welche Sie zur allenfallſigen Schützung derſelben theils noch offen gelaſſen, theils ſelbſt angegeben hatten, und ich glaube hierin, zumal an dieſem Gedächt⸗ nißtage, ein weder Ihnen noch Ihrer Lehrart mißfälliges Werk zu unternehmen. Ich hoffe nämlich die Vulgata hinlänglich zu rechtfertigen, nachdem ich einerſeits in einem erſten Abſchnitte ihren Zuſammenhang mit dem Vorhergehenden und hiermit die relative Gegründetheit Ihres Anſtoßes, und nachdem ich anderſeits in einem zweiten Ab⸗ ſchnitte den Zuſammenhang der fragl. Vulgata, reſp. der ganzen Ideen⸗Darſtellung der Alten vom olymp. Zeus und den olymp. Spielen nachgewieſen und alſo dargethan haben werde, daß die fraglichen Zuſätze, genauer betrachtet, unerläßlich nothwendig waren, um die hier durchaus erforderliche Modification des urſprünglichen Sinnes jener ſprüchwört⸗ lichen Redensart zu bewirken. I.
Ich habe an einem andern Orte(Prüfungs⸗Programm 1840) nachgewieſen, daß die Plat. Republik eigentlich nur in zwei Haupttheile zerfalle:
I. in die Frage über das Weſen und die eigenthümliche Natur der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit ohne Rückſicht auf Lohn und Strafe, bis Mitte Kap. 18(=— p. 445 A.) des IV. Buches;
Il. in die Frage, ob man bei gewiſſenhafter Ausübung der Tugend auch ſeinen Vortheil findet, möge man nun dabei er⸗ oder verkannt werden; oder ob man ihn eher durch die Ungerechtigkeit finde, wenn man ſich nur nicht erwiſchen laſſe. Die Abhandlung dieſer zweiten Frage beginnt erſt mit dem Anfange des VIII Buches, nachdem von der Mitte des 18. Kap. im IV Bch. bis Ende des VII Bchs. zwei zum Ganzen ganz weſentliche Epiſoden:
a) die nähere Darſtellung von der Ehe und der Kinderzucht des Soldaten⸗ und Re⸗ gentenſtandes, b) die Bildung der moraliſch vollkommenen(philoſophiſchen) Regenten, ohne welche kein Glück des Staates und der Bürger zu erwarten ſei, eingeſchoben worden ſind.— Auf welche Weiſe hierauf der Platoniſche Sokrates die zweite Hauptfrage zu Gunſten der Gerechtigkeit beantwortet, das ſcheint mir das Nächſte, was wir zur gehörigen Auffaſſung der Vulgata uns zuvörderſt zu vergegenwärtigen haben.
Nachdem Sokrates mit der anſcheinend größten Zaghaftigkeit zur Bekämpfung der wirklich unüberwindlich ſcheinenden Gründe und Einwürfe, welche die Gebrüder Glauko und Adimantus nicht bloß aus dem Feindes⸗, ſondern auch aus dem Freundes⸗ Lager der Tugend gegen dieſe haben aufmarſchiren laſſen, geſchritten iſt, und nachdem er zu dieſem Wageſtück nur deßhalb von den Anweſenden ſich hat bewegen laſſen, weil


