Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
Einzelbild herunterladen

49

berathen, daß er ſich an den Cirkel eines angeſehenen Mannes anſchloß und dadurch die zweckmäßigſte Brücke von der Schule zum Leben fand. Unſere Sprechhäuſer haben, bei uns am Rhein wenigſtens und wol auch ſonſt, ihr Simultaneum in den Trink⸗ ꝛc. Häuſern und unſere practiſch angeſehenen Männer können keine andre Jungen um ſich brauchen, als nur Schreibjungen. Was da thun? Strafen und ſtrafen? Das Uebel, das auf der Oberfläche unterdrückt wird, wuchert oft noch ärger im Verborgenen. Hier giebt es keine Auskunft, als entweder jene antike Sitte zu recipiren, oder ganz andre Gymnaſial⸗Gebäude herzuſtellen, in welchen nicht bloß Lehrſäle ſind, ſondern auch aller⸗ hand Locale zur Erholung und zur nützlichen Unterhaltung der jungen Leute. Da dies aber noch bis zu den Graecas Kalendas verſchoben bleiben dürfte, ſo muß man einſt⸗ weilen das Mögliche thun.

Bis zum Jahr 1842 war in den Statuten der hier zur geſelligen und litte⸗ rariſchen Unterhaltung errichteten geſchloſſenen Geſellſchaft den Gymnaſiaſten der Eintritt ausdrücklich unterſagt. Als im gedachten Jahr jene Statuten revidirt wurden, und ich gerade damals Mitglied des Ausſchuſſes war; ſo machte ich im Einvernehmen mit allen meinen Collegen auf das Ungeeignete jenes Interdictes unter den jetzigen Ver⸗ hältniſſen aufmerkſam. Die übrigen verehrl. Ausſchußmitglieder hatten ein billiges Ein⸗ ſehen, ſtrichen in dem neuen Entwurf der Statuten jenes Interdict nicht nur, ſondern geſtatteten auch die Aufnahme der Primaner zu der Kategorie der außerord. Mit⸗ glieder, falls ſie vom Director vorgeſchlagen oder empfohlen würden, ſowie dies hinſichtlich der Cadetten und Unteradjutanten vom Regiments⸗Oberſten, hin⸗ ſichtlich der Handlungs⸗Commis von ihren Principalen geſchehe. Durch Mißverſtändniſſe kam es aber in der General⸗Verſammlung zu außerordentlichen Debatten und Bewegun⸗ gen. Es hatte ſich oder man hatte irrig die Meinung verbreitet, der Director wolle das ganze Gymnaſium in das Caſino bringen. Mit Recht würde dann die Geſellſchaft ſich höchlich dagegen erklärt haben, der Schleifſtein ſo zahlreicher Jugend zu werden. In⸗ deſſen man verſtändigte ſich endlich, und der Antrag erhielt die Majorität. Wie wenig Gefahr das Caſino vor dem Gymnaſium habe, bewies die nachherige(vom Director vor⸗ ausgeſagte) Thatſache, daß dieſes Recht, wohl wegen der Neuheit der Sache wie auch wegen der damit verbundenen Koſten, ſehr ſelten benutzt wurde. Erſt im vorigen Winter ließ der erſte Primaner, Ludwig Hager von hier, ſich zur Aufnahme vorſchlagen, welche am 18. Nov. v. J. vollzogen wurde. Und dieſes Ereigniß halten wir wohl mit Recht für werth, daß es in den Annalen der Anſtalt verzeichnet werde. Es gereicht zur Ehre der jungen Männer der Anſtalt, ſowie es zur Ehre der gedachten Ge⸗ ſellſchaft gereicht und von ihrer Einſicht, Unbefangenheit und ihrem humanen Geiſte einen bemerkenswerthen Beweis abgiebt.