Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
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2. Nekrolog.

Auch den Verluſt eines ſehr braven Schülers hat die Anſtalt zu beklagen. Chri⸗ ſtian Schäfer, geb. zu Worms den 17. Juli 1829, ſtarb am 16. Febr. d. J., nach⸗ dem er über ein Jahr lang auf dem Krankenbette mit frommer Gottergebung geduldet und gelitten hatte. Am 19. Febr. wurde er von ſämmtlichen Lehrern und Mitſchülern zur letzten Ruheſtätte begleitet, auf welcher von Hrn. Vicar Braun dem frühe Heim⸗ gegangenen eine ſeinen vortrefflichen Character würdigende und für alle Tranernde, ins⸗ beſondere für die Schüler, erbauliche Grabrede gehalten wurde.

Schlafe ſanft, nun ohne Schmerz und Kummer, In dem Erden⸗Schooße deinen Schlummer, Junger Pilger! Glück, daß Gottes Gnade Früh dich ſchon zu ſich geladen hat,

Früh, als noch die ſteilen Dornenpfade

Dieſes Lebens kaum dein Fuß betrat.

3. Abiturienten.

Die im vorjährigen Programme genannten Abiturienten, welche ſich am Schluſſe des Jahres gemeldet hatten, nämlich: Th. Götz aus Mainz, Joh. Ries aus Worms, Jul. Uſinger von Lampertheim und Leo Waldner aus Fulda, haben das Eramen beſtan⸗ den. Themata der Aufſätze im Deutſchen: über die Poeſie der Griechen und der klaſſ. Zeit, über die Philoſophie bei den Römern; im Lateiniſchen: De origine et pro- cessu apud Graecos historiae; im Franzöſiſchen: de Solon et de Lycurgue. Studium von Ries und Waldner Theologie, von Götz und Uſinger Jurisprudenz.

Am Schluſſe dieſes Schulj. meldeten ſich zur Maturitätsprüfung die Primaner der oberſten Ord.: Hager, Minrath, Pauli, Pfaff, Waibler und Würth.

4. Sociale Emancipation der Primaner.

Der Beſuch der Wirthshäuſer ꝛc. iſt bei uns und faſt allerwärts in den Gymnaſial⸗

Statuten ſchon bei der erſten Uebertretung mit Karcerſtrafe verpönt, und zwar mit Recht, da die gewöhnliche Wirthshaus⸗Unterhaltung mit dem Leben und der Geſinnung eines ſtud. Jünglings ſich offenbar nicht verträgt. Auf der andren Seite läßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß es eine natürliche Regung des reiferen jungen Mannes iſt, ſich von den geiſtigen Anſtrengungen zu erholen und, abgeſehen von dem ihn überall umgebenden Beiſpiele, unter die Erholungen auch zu zählen, das öffentliche Leben(für welches er ſich ſo angeſtrengt vorzubereiten verpflichtet iſt) wenigſtens von der Spitze Geboa dann und wann ſich anzuſehen. Aber unſer öffentliches Leben hat bis jetzt keine öffentlichen Sprech⸗ häuſer oder(Gymnaſien⸗) Hallen, wie die Griechen ſie hatten. Der Jüngling bei den Römern und Griechen war zudem in dieſer Hinſicht durch die freundliche Sitte wohl