Aufsatz 
Guyaus soziologische Ästhetik : 1. Teil. Einleitung und Darstellung der Prinzipien / von Heinrich Willenbücher
Entstehung
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wegung zu beurteilen, liefert das Gedächtnis, die Erinnerung, d. h. die Verharrung einer und derſelben Empfindung oder eines und desſelben Gefühls unter den anderen. Gewöhnlich werden die verſchiedenen Epochen unſeres Lebens beherrſcht von dieſem oder jenem Gefühl, das ihnen ihr charakteriſtiſches Gepräge verleiht. Unſere inneren Erlebniſſe gruppieren ſich um herrſchende Eindrücke und Ideen. So iſt das Leben der Erinnerung eine Kompoſition oder ſpontane Syſtematiſation, eine natürliche Kunſt. Es ergibt ſich alſo, daß die ſicherſte Grundlage, auf der der Künſtler arbeitet, die Erinnerung iſt, und zwar die Erinnerung an das, was er als Menſch gefühlt oder geſehen hat, bevor er Künſtler von Beruf war. Das Gefühl und die Empfin⸗ dungen können infolge der täglichen Beſchäftigung Veränderungen unterworfen ſein, nicht aber die Erinnerungen an Gefühle der Jugend. Dieſe bewahren ihre Friſche und mit dieſem nicht zu verderbenden Material ſchafft der Künſtler ſeine beſten, die erlebten Werke.

Die klaſſiſche Schule kannte wohl die äſthetiſche Wirkung der Entfernung in der Zeit, allein ſie verlegte die Ereigniſſe in eine abſtrakte Vergangenheit, die hiſtoriſche Schule dagegen ver⸗ legte ſie in eine konkrete.Elle fait du réalisme, mais elle l'idéalise par le simple recul et par l'effet du lointain. Darin liegt ja das Kennzeichen der Geſchichte, daß ſie jedes Ding ver⸗ größert und poetiſiert. Sie läßt nur die äſthetiſchen und großen Eigenſchaften beſtehen. Die niedrigſten Gegenſtände werden von dem Trivialen, was ihnen anhaftet, befreit, ſo daß nur ein einfaches Bild bleibt, und alles Einfache und Tiefe iſt frei vom Gewöhnlichen.

Ein anderes Mittel, dem Trivialen zu entgehen, beſteht in der Einführung des Pittoresken, d. h. in der Kunſt, die Er⸗ plendissait sur tout. Seulement, comme tout cela était réfroidi! Une brise glacée s'exhalait de cet immense champ de fleurs. et ces cerolles blanches gelaient le bout des doigts qui les approchaient. En voyant ces fleurs si fraiches et si mortes, je pensais à ces douces souvenances qui dorment en nous, et parmi lesquelles nous nous égarons quelquefois, essayant de retrouver en elles le printemps et la jeunesse. Notre passé est une neige qui tombe et cristallise lentement en nous, ouvrant à nos yeux des perspectives san fin et délicieuses, des effets de lumière et de mirage, des séductions que ne sont que de nouvelles illusions. Nos passions passées ne sont plus qu'un spectacle: notre vie nous fait à nous-méêémes l'effet d'un tableau, d'une œuvre demi-inanimée, demi vivante.

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