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10. Die Verſammlung mittelrheiniſcher Philolagen und Fchulmänner,
die am 18. Mai 1869 zu Wilhelmsbad bei Hanau abgehalten wurde, hatte als Verſammlungsort des künftigen Jahres Worms gewählt. Nachdem auf die Anfrage des damaligen Vorſitzenden, des Herrn Gymnaſial⸗Directors Dr. Piderit zu Hanau, der hieſige Director das Präſidium über⸗ nommen und die Intereſſenten auf den 7. Juni durch ein gedrucktes Circular eingeladen hatte: wurden dieſelben von demſelben und dem Lehrercolleg an den Bahnhöfen empfangen und dann in den Saal des hieſigen Stadthauſes geleitet. Der Vortrag, mit welchem der Vorſitzende die Ver⸗ ſammlung begrüßte und die Verhandlungen eröffnete, folgt unten als Beigabe; die Verhandlungen ſelbſt ſind im 9. Hefte der zu Leipzig erſcheinenden Jahrbücher für Philologie und Pädagogik ſowie im Octoberhefte der von Profeſſor Dr. Stoy herausgegebenen Allg. Schulzeitung Nr. 46 abgedruckt. Ein gedrängterer Bericht darüber ſteht in der Wormſer Zeitung Nr. 133, den wir hier folgen laſſen.
Die elfte Verſammlung mittelrheiniſcher Philologen und Gymnaſial⸗ lehrer wurde heute nach dem in dieſer Zeitung veröffentlichten Programme im Saale des hieſigen Stadthauſes abgehalten. Die Präſenzliſte zählte 36 Anweſende aus Aſchaffenburg, Bensheim, Büdingen, Hanau, Hadamar, Heidelberg, Mainz, Wetzlar, Wiesbaden ꝛc.— Hr. Regierungsrath Pfannebecker und Hr. Bürgermeiſter Brück beehrten die Verſammlung mit ihrer Gegenwart. Der Vorſitzende, Hr. Director Dr. Wiegand, begrüßte die Verſammlung mit dem Spruche: intrate, et hic dei sunt, mit welchem vor ca. dreißig Jahren der ſel. Profeſſor und Geh. Rath Dr. Friedrich Thierſch die damals von Mannheim aus in Worms zu Beſuch anweſende all⸗ gemeine Verſammlung deutſcher Philologen bei der Mittagstafel im„Schwanen“ auf das damals wenn auch noch mit beſcheidenen Mitteln wieder aufblühende Gymnaſium aufmerkſam machte, welches er einige Jahre vorher durch perſönlichen Augenſchein kennen gelernt hatte. Redner überſetzte nach dem Vorgange des um das deutſche Gymnaſial⸗Weſen hochverdienten bayeriſchen Ge⸗ lehrten jenen lateiniſchen Spruch mit den Worten: Tretet ein, auch hier leuchtet noch die heilige Flamme eines deutſchen Gymnaſiums! Un die innige Freudigkeit dieſer Be⸗ grüßung der mittelrhein. Philologen auf dem klaſſiſchen Boden der urbs Vangionum begreiflich zu machen, deutete der Redner kurz auf die ſehr ungünſtigen geographiſchen und Zeit⸗Umſtände hin, unter welchen das Wormſer Gymnaſium ebenbürtig zu vervollkommnen und zu erhalten war. Zu dieſen rechnete er u. a., daß das durch die Thätigkeit ſeiner induſtriellen Bewohner zu ſeinem alten Ruhme wieder aufſtrebende Worms in den verſchiedenen Wandlungen der Zeit nicht das Glück hatte, wieder der Sitz einer weltlichen oder geiſtlichen Oberbehörde zu werden, wie in der Zeit ſeiner Frei⸗ reichsherrlichkeit, in welcher es ſogar zwei Gymnaſien beſaß. Die natürliche Folge davon, daß es Worms nur vergönnt war, ſich als Fabrik⸗ und Induſtrieſtadt zu heben, ſei die geweſen, daß ſich allmählich in und neben dem hieſigen Gymnaſium nunmehr eine vollſtändige Realſchule mit den entſprechenden Rechten ausgebildet habe. Aber deſſen ungeachtet habe ſich das Zutrauen zu dem Gymnaſium in Nähe und Ferne erhalten und habe, nachdem ihm durch die neueſte Organiſation (Dank der liberalen Zuſchüſſe der Stadt und des Staates) wieder ſechs Hauptklaſſen decretiert worden, feſtere Hoffnungen ſeiner Exiſtenz als je; eine Beſiegelung dieſer Hoffnungen ſehe er u. a. auch darin, daß dieſe ehrenwerthe Verſammlung von Philologen und Gymnafial⸗Profeſſoren ohne
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