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zuſchlagen: ſo fühlt ſich der von manchen Klaſſen des modernen Staates vielfach mißachtete Schul⸗ mann gehoben und getröſtet, aber auch von der Schwere der Verantwortlichkeit ſeines hochwichtigen Standes belaſtet. Bei Plato iſt nicht, wie nachher ſchon bei Ariſtoteles und den folgenden Philo⸗ ſophen, Theorie und Praxis getrennt, denn wer nach ihm die ewige Idee des Guten*) erkannt hat, der übt ſie auch aus in warmer Liebe, ohne Rückſicht auf Dank oder Undank. Auf allen Stufen des menſchlichen Alters, bei allen Lehrgegenſtänden hat die platoniſche delc nur ein Ziel: methodiſche Weckung und Erleuchtung des aus Gott ſtammenden Verſtandes ſowie der Vernunft(beide begreift das Wort Logos) der unſterblichen Seele, Herrſchaft dieſes urſprünglich edelſten Seelentheiles über die zwei niederen Theile: hitziger Feuermuth und Be⸗ gierde, mit einem Worte, ſein eines Ziel der Erziehung iſt: mens sana in corpore sano; denn bei ihm bildet die Turnkunſt oder, wie ſie bei den Griechen hieß, die Gymnaſtik einen weſentlichen Theil der Erziehung, aber nicht als körperliche Kraftübung, fundeen als Schmeidigung des Körpers zum Dienſte der Seele.
Das Wiſſen des Plato iſt der ſophiſtiſchen Aufklärerei eben ſo entgegen, als einer Gottes unwürdigen Religioſität. Wiſſen und Glauben, die auch in unſerer Zeit auseinander zu fallen ſcheinen, ſind bei ihm im ſchönſten Bunde und man lernt, was aus ihm der franzöſiſche Platoniker Couſin lernte: Ce n'est que la mauvaise philosophie et la mauvaise religion qui se querellent.
*) In heutiger Sprache etwa: Das Vaterweſen und Wirken Gottes.


