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Hunden wahrnehmen, welche auch an dieſem Thiere bewundert zu werden verdient.— Welche denn?— Wen er als einen Unbekannten bemerkt, gegen den iſt er heftig, ohne vorher ein Leid erfahren zu haben; wen er aber als Bekannten erblickt, den be⸗ willkommt er freundlich, wenn er auch nichts Gutes jemals von ihm erfahren hat. Oder haſt du das noch nicht bewundert?— Bis dahin, antwortete er, habe ich dar⸗ auf nicht ſonderlich Acht gegeben; daß er aber dieſe Wunderthaten thut, iſt offenbar gewiß.— Nun jeden Falls zeigt ſich in dieſer Fähigkeit ſeiner Natur ein feiner Ver⸗ ſtand und wahrhaft philoſophiſche Wißbegierde.— In wie fern denn?— In ſo fern, erwiderte ich, als er den befreundeten und feindlichen Anblick durch nichts andres unterſcheidet als dadurch, daß das Thier den einen kennen gelernt, den andren aber nicht, und wie ſollte es da doch nicht lernbegierig ſein, da es durch Erkennen und Nichterkennen das Heimiſche und Fremde unterſcheidet?— Auf keine Weiſe, ant⸗ wortete er, kann es anders ſein.— Aber, fuhr ich wieder fort, lernbegierig und philoſophiſch iſt ja doch einerlei?— Einerlei freilich.— Nicht wahr, da dürfen wir nun ohne Anſtand auch hinſichtlich eines Menſchen den Satz aufſtellen, daß er von Natur philoſophiſch und lernbegierig ſein müſſe, wenn er gegen Einheimiſche und Bekannte ſanft ſein ſoll?— Ja das dürfen wir.— Alſo philo⸗ ſophiſch, feuermuthig, behend, kräftig muß der von Natur ſein, welcher ein guter und braver Staatswächter ſein ſoll?— Ja das ganz gewiß.— Was alſo erſtlich die Natur⸗Anlagen betrifft, ſo müßte er alſo auf die erwähnte Weiſe beſchaffen ſein; was nun aber zweitens die Erziehung und geiſtige Jugendbildung dieſer künftigen Staatswächter angeht, ſo erhebt ſich hier erſtlich die Frage: welche Methode ſoll dabei Statt finden? Ferner auch die zweite Frage: wird uns die Betrachtung jener erſten Frage Ziel fördernd ſein zur Erforſchung deſſen, weswegen wir alle Betrachtungen anſtellen, nämlich zu der: wie entſtehen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit in einem Staate? Wir dürfen nänlich keine weſentliche Unter⸗ ſuchung fahren laſſen, noch eine ungehörige verfolgen. Darauf erwiderte der Bruder des Glauco: ich meines Theils vermuthe allerdings, daß zu dieſem Ziele die Betrachtung jener Jugendbildungsfrage förderlich iſt.— Dann, mein lieber Adimantus, dürfen wir ſie bei Gott nicht fahren laſſen, nein, ſelbſt wenn ſie etwas weitläufig*) ausfallen ſollte.— Nein, demnach freilich nicht.— So komme denn her und laſſe uns die Wehrmänner in Gedanken ihren Bildungsgang durchmachen, ganz ſo in be⸗ haglicher Breite, als wenn wir eine Wundernähre zu erzählen und ſonſt gar nichts mehr zu thun hätten.— Nun, recht ſo.
17. Welche Jugendbildung ſoll nun ihre ſein?*) Oder iſt's viel⸗ leicht für uns eine harte Nuß, eine beſſere auszuſtudieren, als die durch die
*) Sie iſt, wie ſchon früher bemerkt wurde, der wichtigſte Theil dieſes Werkes. **) Aehnlich fragt der Verfaſſer des Eltern und Erziehern leider gar zu wenig bekannten Lehr⸗


