Aufsatz 
Das zweite Buch des platonischen Gottesstaates, oder: Plato's eigene Ansicht vom Wesen der Gerechtigkeit, ihre Nachweisung zunächst im Staate, Jugendbildung der künftigen Kriegs- und Staatsmänner, Kritik der Dichtungen und Mythen vom Standpunkte der Moral und der reinen Gottesbegiffe in Hinsicht auf die Erziehung / von Wilhelm Wiegand
Entstehung
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Ich ſtimme bei. Wenn wir auch in vielen Beziehungen den Homer*) loben, ſo können wir es nicht in der, daß er von Zeus dem Agamemnon einen Traum ſchicken läßt; auch nicht den Aeſchylus, wenn er die Thetis ſagen läßt,**) Apollo habe bei ihrer Hochzet in einem Geſange aufgezählt den Segen ihres Kinderglücks:

Und krankheitsfreies, langes Lebensalter auch.

Und als er alles nun geſagt, da pries der Gott

Mein hochbeglücktes Loos und ſang mir Freud' in's Herz.

Und ohne Lüge, hofft, ich, wär' der Gottesmund

Apollo's, welcher groß im Zukunft⸗Sehen iſt.

Er aber ſelbſt, der ſang, er ſelbſt, des Mahles Gaſt,

76 ſelbſt, der dieſe Prophezeihung that, er ſelbſt

Erſchlug mir meinen Sohn.

Wenn jemand dergleichen über Götter fabeln ſollte: ſo werden wir ihm zürnen und nicht die Aufführung geſtatten; auch werden wir die Lehrer ſie nicht bei der Jugendbildung gebrauchen laſſen, wofern uns unſere Staatswächter gottesfürchtig und möglichſt gottähnlich werden ſollen, ſo ſehr es einem Menſchen thunlich iſt. Ich einmal nähme unbedingt dieſe allgemeinen Beſtimmungen für die Dichter hinſichtlich ihrer Darſtellungen der Gottheiten an und möchte ſie als Geſetze argewender haben.

JI. 11, 1, r) Die hagiice Tiagödie i nicht mehr vorhanden.

ANANʒ;